Perspektive für den Südraum
Das Gebiet "U1 Südraum Favoriten" umfasst den Bereich südlich vom Verteilerkreis beziehungsweise der A23 bis zur Stadtgrenze. Traditionelle Kulturlandschaften mit ihren landwirtschaftlichen Flächen bilden das Rückgrat des Gebiets.
Mit der U1-Verlängerung wurde der Südraum von Favoriten besser an das Stadtzentrum angebunden. Mit dem Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl befindet sich eine der größten Potenzial-Flächen für eine künftige Stadterweiterung in diesem Gebiet. Daher wurde gemeinsam mit der Bevölkerung von Mitte 2019 bis Herbst 2021 ein Stadtteilentwicklungskonzept erarbeitet. Dieses wurde am 12. Oktober 2021 von der Stadtentwicklungskommission (STEK) beschlossen.
Stadtteilentwicklungskonzept Südraum Favoriten
Schwerpunkte des Stadtteilentwicklungskonzepts
Aus den Themenfeldern, die mit den Bürger*innen gemeinsam erarbeitet wurden, lassen sich für das Stadtteilentwicklungskonzept (SEK) folgende zentrale Schwerpunkte ableiten:
- Großgrünräume sichern und vernetzen
Eine übergeordnete Zielsetzung im SEK ist die Erhaltung und Aufwertung des Grünraums mit seinen vielfältigen Funktionen. - Die Dörfer des Liesingtals bewahren
Der Charakter der historischen Orte soll möglichst bewahrt werden. Ihre typischen Prägungen werden im Rahmen der Schutzzone weiterentwickelt. - Positive Effekte für den Bestand schaffen
Die Qualitäten im Bestand sollen bewahrt und weiter verbessert werden. Auf umfangreiche zusätzliche Verdichtungen soll weitestgehend verzichtet werden. - Neue Entwicklungsprojekte bündeln
Am Standort Rothneusiedl sowie im Umfeld der hochrangigen Verkehrsinfrastruktur der U1 sollen die baulichen Entwicklungen gebündelt werden.
Großgrünräume sichern und vernetzen
Vom Laaer Berg bis zum Liesingtal: den Süden Favoritens verbindet man mit seiner weitläufigen Kulturlandschaft. Diese Grünräume langfristig zu sichern, in ihren vielfältigen Funktionen aufzuwerten und zu vernetzen, ist eine besondere Zielsetzung im Stadtteilentwicklungskonzept.
Die ausgedehnte Kulturlandschaft und der Erholungsraum Laaer Berg-Liesingtal wurde für landwirtschaftliche Produktion, Klima und Erholung unter Schutz gestellt. Auch Verbesserungen sind vorgesehen. Alleen, Rastplätze und Lagerwiesen sollen die Erholungslandschaft attraktivieren. Das landwirtschaftliche Wegenetz soll verbessert und Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung gesetzt werden, zum Beispiel durch Aufforstungen und Bodenschutzanlagen.
Die Erholungsgebiete sollen auch besser an den Fuß- und Radverkehr angebunden werden. Mit dem ParkLink wird entlang der Ostbahn eine neue, attraktive Fuß- und Radroute für Alltags- und Freizeitwege geschaffen. Sie stellt einen wesentlichen Lückenschluss für eine direkte Verbindung zwischen Innerfavoriten, dem Hauptbahnhof, dem Südraum Favoriten und Simmering dar.
Die Ostbahn bildet eine starke Barriere und trennt die Bezirke Favoriten und Simmering voneinander. Daher sollen die Querungen über die Ostbahn verbessert werden.
Im künftigen Stadtteil RothNEUsiedl sollen Grün- und Freiräume im Ausmaß von 40 Hektar entstehen. 25 Hektar werden öffentliche Grünräume sein, 15 Hektar werden bauplatzbezogen sein. Zum Vergleich: der Kurpark Oberlaa ist circa 60 Hektar groß.
Die Dörfer des Liesingtals bewahren
Oberlaa, Unterlaa und der Ort Rothneusiedl entlang des Liesingbachs prägen mit ihrem typisch dörflichen Charakter das Bild des Südraums Favoriten. Die Identität der beiden Orte Oberlaa und Unterlaa gilt es zu bewahren. Daher soll das Weinbaugebiet Goldberg ausgebaut werden. Die Ortskerne sollen attraktiver gestaltet und die Heurigenkultur soll belebt werden. Die Schutzzone sichert außerdem eine angemessene bauliche Entwicklung, die behutsam das Ortsbild bewahrt.
Der Ort Rothneusiedl bildet ein Ensemble mit dem angrenzenden Zukunftshof. Er kann durch die Impulse aus dem Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl belebt werden.
Für alle Ortskerne gilt: Die Entwicklungen in der Nachbarschaft erfolgen unter der Wahrung der dörflichen Prägungen. Durch eine behutsame Verflechtung von bestehenden und neuen Nachbarschaften ergibt sich eine Verbesserung für den gesamten Stadtteil.
Positive Effekte für den Bestand schaffen
Im Südraum Favoriten findet man ganz unterschiedliche Siedlungsformen, in weiten Teilen mit hoher Wohnqualität. Bei neuen Entwicklungen ist besonders darauf zu achten und sorgsam mit dem Bestand umzugehen.
Ein zentrales Ziel in der Stadtteilentwicklung ist es, durch neue Projekte positive Effekte für den Bestand zu schaffen. Das wird erreicht durch:
- Verbesserungen im Fuß- und Radwegenetz und im öffentlichen Verkehr
- bessere Nahversorgung
- Sicherung und stärkere Vernetzung von Grünräumen
Abseits des Einzugsbereichs der U-Bahn soll es nur vereinzelt zu zusätzlichen neuen baulichen Entwicklungen kommen - genau dort, wo bauliche Erweiterungen verträglich und Aufwertungen auch für den Bestand erreicht werden können. Auch die öffentlichen Freiräume lassen sich verbessern. So können in manchen Bereichen zusätzliche attraktive Grün- und Freiräume die Lebensqualität heben.
Neue Entwicklungsprojekte bündeln
Im Südraum Favoriten werden in den kommenden Jahren an unterschiedlichen Standorten Stadtentwicklungsprojekte realisiert. In Rothneusiedl und im Umfeld der U1 sollen sich die baulichen Entwicklungen bündeln.
So wird eine kompakte Stadtentwicklung erzielt. Der Bodenverbrauch wird so gering wie möglich gehalten und Grün- und Freiflächen werden langfristig gesichert, was gut für den Klimaschutz ist. Mit der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wird zusätzlicher Verkehr vermieden. Auf umfangreiche Nachverdichtungen in bestehenden, zumeist kleinteiligen Siedlungen wird weitestgehend verzichtet.
Umfangreiche Bürger*innen-Beteiligung
Unter dem Titel "Willst Du mein Favoriten sein?" hat die Wiener Stadtteilplanung von Juli 2019 bis Herbst 2021 einen breit angelegten Planungs- und Beteiligungsprozess für den Südraum Favoriten durchgeführt. Ziel war es, gemeinsam mit den Bürger*innen den Rahmen für zukünftige Entwicklungen im über 20 Quadratkilometer großen, sehr unterschiedlichen Gebiet festzulegen.
Projektstand
Die grundsätzliche Verträglichkeit des Vorhabens für den Standort wird geklärt. Dabei werden unter anderem baulich-technische Rahmenbedingungen geprüft. Außerdem werden Gegebenheiten wie zum Beispiel Freiflächen, Arbeitsstätten, öffentlicher Verkehr, Wegeverbindungen und Schulen untersucht. Auch mögliche Auswirkungen auf die Nachbarschaft werden abgeschätzt.
Für große Gebiete werden zuerst Zielvorgaben und Zukunftsbilder für die Entwicklung des Standorts ausgearbeitet. Die Möglichkeiten der Beteiligung der Bürger*innen werden geprüft. Das Ergebnis sind zum Beispiel Leitbilder oder Entwicklungskonzepte. Hier werden Themen wie Mobilität, Grünraum, Nutzungen oder Gebäudehöhen behandelt.
Die detaillierte Entwicklung des Vorhabens wird begonnen. Die konkreten Entwürfe werden bei der Baubehörde zur Bewilligung eingereicht. Wenn diese einen positiven Bescheid erteilt, kann mit der baulichen Umsetzung begonnen werden.
Mit der Fertigstellung und dem Einzug der neuen Bewohner*innen wird der Standort belebt. Durch das Zusammenwachsen mit der bestehenden Nachbarschaft entsteht ein neues soziales Gefüge.


