RothNEUsiedl ist Leuchtturm für den Klimaschutz
Auf 124 Hektar entsteht im kommenden Jahrzehnt ein urbaner und lebendiger Stadtteil. Ziel ist ein Pionier-Stadtteil für Klimaschutz und Klimawandel-Anpassung mit vielen Grün- und Freiräumen sowie leistbarem Wohnraum. Neben Wohnen und Arbeiten sind auch soziale, kulturelle und sportliche Nutzungen vorgesehen. Der ländliche Charakter soll dabei eingebunden und im Sinne eines urbanen Stadtteils neu interpretiert werden.
Im neuen Stadtteil RothNEUsiedl im Süden Wiens entsteht in den kommenden Jahrzehnten auf rund 124 Hektar ein Pionier-Stadtteil für Klimaschutz mit etwa 9.000 Wohnungen für rund 21.000 Menschen sowie 8.000 Arbeitsplätze. Rund zwei Drittel der Wohnungen sollen im geförderten Wohnbau entstehen. Von 2023 bis 2026 wurde gemeinsam mit den Bürger*innen ein städtebauliches und freiraumplanerisches Leitbild erarbeitet, das am 18. Mai 2026 in der Stadtentwicklungskommission beschlossen wurde. Dieses Leitbild zeigt wie Gebäude, Grünflächen oder Straßen angeordnet sein sollen und bildet die Grundlage für den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan.
Stadt und Landschaft
Die zentrale Idee ist, Stadt und Landschaft zusammenzudenken. Ein prägendes Element ist der Grüne Ring. Dieser rund drei Kilometer lange Freiraum umspannt den Stadtteil und verbindet Parks, Landschaftsräume und Erholungsorte miteinander. So entsteht urbane Dichte, die sich mit viel Grün verbindet. Ergänzt wird der Stadtteil durch Flächen für Betriebe, Innovation und wichtige Infrastruktur. RothNEUsiedl wird als Stadt der kurzen Wege geplant: Wohnen, Arbeiten, Bildung und Nahversorgung liegen nah beieinander und sind im Alltag zu Fuß erreichbar.
Grün- und Freiraum: Wo Stadt und Natur zusammenfinden
RothNEUsiedl wird ein ökologisches Multitalent - mit großen Grünräumen, nachhaltigen Konzepten und einer Planung, die Klimaschutz und Klimaanpassung von Anfang an zusammen denkt.
Die 40 Hektar Grünräume von den 124 Hektar Gesamtfläche sind gerecht verteilt, miteinander vernetzt und für alle gut erreichbar: Sie bieten Raum für Bewegung, Begegnung und Erholung und sorgen gleichzeitig für ein angenehmes Stadtklima - insbesondere an heißen Tagen. Auch der Erhalt der Windschutzstreifen ist dafür ein wichtiger Beitrag ein, so werden wertvolle Lebensräume für Wildtiere geschaffen.
Die kompakte Bauweise und das durchdachte Regenwassermanagement sorgen dafür, dass der Stadtteil auch auf zukünftige klimatische Herausforderungen wie Starkregenereignisse vorbereitet ist. Als sogenannte "Schwammstadt" wird das Regenwasser im Gebiet aufgenommen, gespeichert und dann gezielt an die zahlreichen Grünflächen und Bäume weitergegeben. Das kühlt den Stadtteil. Umfangreiche Dachbegrünungen und ein möglichst geringer Versiegelungsgrad tragen zur Wasser-Speicherwirkung des Stadtteils bei.
Schon 2025 wurde mit ersten Arbeiten begonnen: 4.000 Quadratmeter des Grünen Rings wurden ausgestaltet - 111 Obstbäume wurden in einem Obstgarten entlang der Rosiwalgasse gepflanzt. RothNEUsiedl knüpft an die landwirtschaftliche Tradition des Standorts an und entwickelt sie weiter. Stadtlandwirtschaft, die "Essbare Stadt" und der Zukunftshof als Ort der Begegnung und Produktion sind zentrale Elemente des neuen Stadtteils.
Energieeffizienz und lokale Versorgung
RothNEUsiedl setzt auf eine effiziente und lokale Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Zentral dafür sind effiziente Gebäude, deren Errichtung und Betrieb konsequent auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft ausgerichtet sind. Innovative Bauweisen und Materialien tragen dazu bei, den Energieeinsatz und die CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus deutlich zu reduzieren. Zudem speichern kluge Energiesysteme überschüssige Energie oder Abwärme und nutzen diese für Heizen und Warmwasser.
Ein Stadtteil als soziale Wegbereiterin
Wohnen in RothNEUsiedl wird für alle zugänglich und leistbar sein. Zwei Drittel der insgesamt 9.000 Wohnungen werden gemäß Wiener Tradition gefördert errichtet. Ob junge Singles in Ausbildung, Paare, Alleinerziehende, Großfamilien oder ältere Generationen - RothNEUsiedl hat für alle Ansprüche das passende (bauliche) Angebot.
RothNEUsiedl wächst schrittweise. Die erste Entwicklungsphase startet im Norden des Gebiets mit rund 3.000 Wohnungen sowie Bildungsangeboten und Nahversorgung. Die ersten Bewohner*innen können voraussichtlich ab Mitte der 2030er-Jahre einziehen. Wichtig ist dabei ein sanfter Übergang zu den bestehenden Wohngebieten in der Umgebung, wie etwa durch niedrigere Gebäudehöhen oder Grünräume, die teilweise bereits jetzt angelegt wurden.
Damit das Zusammenleben gelingt, sieht das Leitbild soziale Infrastruktur, die ein gutes Miteinander und Austausch fördert, vor: Der Zukunftshof als lokales Zentrum, Quartiersplätze als identitätsstiftende Orte, konsumfreie Aufenthaltsbereiche und belebte Erdgeschosszonen mit Geschäften und Gastronomie sowie kulturelle Angebote sind der Schlüssel für einen lebendigen Stadtteil. 3 neue Schulen entstehen, im Norden wird eine Sport & Fun Halle errichtet.
Ökologische Mobilität und öffentliche Anbindung von Anfang an
Die U-Bahn-Anbindung ist ein zentrales Element für die Entwicklung von RothNEUsiedl. Sie bildet das Rückgrat für den neuen Stadtteil und ermöglicht eine klimafreundliche Mobilität für Wohnen, Arbeiten und Alltag. Gerade für einen gemischt genutzten und klimafitten Stadtteil dieser Größe ist eine leistungsfähige öffentliche Anbindung entscheidend.
Da RothNEUsiedl schrittweise entsteht, wächst auch die öffentliche Anbindung bedarfsorientiert mit dem Stadtteil mit. In der ersten Entwicklungsphase sorgt daher eine schnelle Shuttlebusverbindung für den Anschluss an das U-Bahnnetz: Der RothNEUsiedl-Express wird in hoher Frequenz zwischen dem neuen RothNEUsiedl-Boulevard und der U-Bahnstation Alaudagasse verkehren. Die Fahrzeit vom Boulevard zur U-Bahn beträgt voraussichtlich rund 10 Minuten. Ziel ist dabei ein möglichst emissionsfreier Betrieb der Busse.
Beim Bahnübergang der Donauländebahn ist eine Unterführung der Himberger Straße vorgesehen. Die Unterführung verbessert die Verkehrsflüsse in der gesamten Umgebung - davon profitieren sowohl der bestehende Verkehr als auch die Busverbindung.
Parallel dazu laufen bereits die Vorbereitungen für die Verlängerung der U1 nach RothNEUsiedl. Mit dem Beginn der ersten Besiedelung startet auch der Bau der U-Bahn. Damit wird sichergestellt, dass die neue U-Bahn-Anbindung rechtzeitig zur Verfügung steht, sobald eine entsprechende Anzahl an Bewohner*innen im Stadtteil lebt. Ergänzend zur öffentlichen Anbindung wird für RothNEUsiedl ein umfassendes Mobilitätskonzept entwickelt. Dazu gehören Angebote wie Carsharing, Mobility-Hubs, Mobilitätsberatung und City-Logistik, die von Beginn an attraktive Alternativen zum eigenen Auto schaffen.
Planung und Bürger*innen im Dialog
Das Leitbild entstand in einem dialogorientierten Prozess. Planung und Bürger*innen-Beteiligung waren von Anfang an miteinander verknüpft. Viele Hinweise und Anliegen aus der Bevölkerung konnten so in die Planung einfließen. Die Bürger*innen waren von Beginn an eingeladen, ihre Ideen, Anregungen und Vorschläge einzubringen.
Zusätzlich zu klassischen Beteiligungsformen wie Veranstaltungen oder Online-Befragungen wurde das "Zukunftsteam RothNEUsiedl" als innovatives Format gegründet. Geloste Bürger*innen sowie Vertreter*innen aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Zivilgesellschaft und Bürger*innen-Initiativen bildeten das Zukunftsteam RothNEUsiedl. Als Schnittstelle zwischen Wiener*innen und Planer*innen brachte das Team Ideen und Anregungen in die Leitbildentwicklung ein.
Der Zukunftshof ist eine zentrale Anlaufstelle vor Ort und wird auch in Zukunft zu einer Informations- und Austauschplattform zwischen der Bevölkerung und der Planung für das Entwicklungsgebiet werden.
Der Zukunftshof - Gemeinsam die Zukunft von RothNEUsiedl gestalten
Planungsprozess
In einem ersten Schritt wurden gemeinsam mit Akteur*innen der Politik, der Stadtverwaltung, der Wirtschaft, den
Grundeigentümer*innen sowie mit Fachexpert*innen richtungsweisende Leitlinien in Form eines Strukturkonzeptes erarbeitet. In diesem wurden Herausforderungen und Zielsetzungen für die Entwicklung eines Modell-Stadtteiles für Klimaschutz und Klimawandel-Anpassung definiert und 9 Kernthemen, sogenannte Chartapunkte, identifiziert.
Das Strukturkonzept wurde am 12. Oktober 2021 gemeinsam mit dem Stadtteilentwicklungskonzept (SEK) Südraum Favoriten, in welchem das Stadtentwicklungsgebiet RothNEUsiedl eingebettet ist, der Stadtentwicklungskommission vorgelegt.
Aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem Strukturkonzept und Stadtteilentwicklungskonzept (SEK) Südraum Favoriten wurde im März 2023 ein internationaler städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb ausgelobt. Planungsteams konnten sich bis Anfang Mai mit ihren Ideen für den neuen Stadtteil bewerben. In weiterer Folge konkretisierten die vier besten Teams in einem dialogischen Verfahren unter Einbindung von Expert*innen und Bürger*innen ihre Entwürfe weiter. Im Frühling 2024 wählte die Wettbewerbs-Jury einstimmig das Siegerprojekt "Der Grüne Ring" aus.
So verlief das Wettbewerbsverfahren: RothNEUsiedl Wettbewerbsverfahren - Wien wird WOW
Das Siegerteam eines internationalen städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerbs wird bis 2025 in einem partizipativen Prozess das finale städtebauliche Leitbild für RothNEUsiedl entwickeln.
Unter der Leitung des in Berlin und Wien ansässigen Büros O&O Baukunst wurde von einem interdisziplinären Team aus den Disziplinen Städtebau, Landschafts-, Verkehrs- und Energieplanung sowie Regenwasser- und Ressourcenmanagement gemeinsam mit den Fachexpert*innen des Wiener Magistrats ein städtebauliches Leitbild erarbeitet. Dieses wurde am 18. Mai 2026 in der Stadtentwicklungskommission beschlossen und bildet damit die Grundlage für weitere vertiefende Planungen und den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan. Die Öffentlichkeit wurde im gesamten Planungsprozess kontinuierlich eingebunden und aktiv zum Dialog eingeladen.






