Entlastungsgerinne Neue Donau

Die Neue Donau ist als Entlastungsgewässer für den Hochwasserschutz konzipiert. Das künstlich geschaffene Gewässer verläuft 21,1 Kilometer lang parallel zum Donaustrom durch das Stadtgebiet.

Mehrzweckcharakter des Entlastungsgerinnes

Luftaufnahme Donauinsel 1981

Im Entwurf ging man davon aus, dass die Donau mit einem ausreichend dimensionierten Entlastungskanal eine Hochwassermenge von 14.000 Kubikmetern pro Sekunde besser bewältigen könnte, als mit einem erhöhten Dammsystem: Der Wasserpegel würde bei einem derartigen Hochwasserszenario um rund einen Meter niedriger sein. Die begleitenden Dämme konnten dadurch entsprechend niedrig gehalten werden.

Die Verbesserung des Hochwasserschutzes durch Absenkung des Wasserspiegels war nur eine von mehreren Funktionen, die der Entlastungskanal erfüllen sollte. Der Bau der Neuen Donau brachte auf mehreren Ebenen Vorteile:

  • Städtebauliche Vorteile durch bessere Verbindung der Stadtteile links- und rechtsufrig der Donau
  • Möglichkeit der Erholungsnutzung auf der hochwasserfreien Insel zwischen Entlastungskanal und Hauptstrom
  • Möglichkeit der positiven Beeinflussung des Grundwasserhaushalts im Bereich der Alten Donau und der Lobau

Funktionsweise

Die Neue Donau ist mit drei Wehranlagen ausgestattet. Bei Normalwasser ist sie ein stehendes Gewässer. Bei Hochwasser werden die Wehre geöffnet. Damit wird der Hauptstrom entlastet und Überschwemmungen werden vermieden.

Baugeschichte

Vor der ersten Donauregulierung Ende des 19. Jahrhunderts befand sich auf dem Terrain ein Überschwemmungsgebiet. Die Donau war in viele Haupt- und Nebenarme verzweigt. 1918 entstand der erste Vorschlag zur Verbesserung des Hochwasserschutzes durch den Bau eines sogenannten Entlastungsgerinnes. Doch erst nach dem verheerenden Hochwasser des Jahres 1954 entstand ein neuer Donau-Regulierungsplan. Bei der Katastrophe zeigten sich die Grenzen der Standfestigkeit einzelner Dammabschnitte bereits bei einem Durchfluss von 9.600 Kubikmetern pro Sekunde. Dem Beschluss gingen lange Diskussionen voraus, bei denen vier grundverschiedene Regulierungs-Varianten in Erwägung gezogen wurden. 1972 fiel der Startschuss zum Aushub des Entlastungskanals, der Neuen Donau.

Vier mögliche Varianten

Im Zuge der Diskussion um die Verbesserung des Hochwasserschutzes nach dem Hochwasser von 1954 wurden vier prinzipielle Varianten in Erwägung gezogen:

  • Variante 1
    • Erhöhung der bestehenden Dämme bei gleichzeitiger Abtragung der seit dem Bau des Durchstichs entstandenen Anlandungen (Konzept Bundesstrombauamt)
  • Variante 2
    • Schaffung eines Hochwasserentlastungsgerinnes im Überschwemmungsgebiet (Projekt Prof. August Zottl)
  • Variante 3
    • Bau eines "Umfluters" außerhalb (nordöstlich) des bebauten Stadtgebietes (Konzept Ewald Liepold)
  • Variante 4
    • Vergrößerung des Abflussprofils mit Überstauung und Kraftwerksnutzung (Entwurf Studiengesellschaft Klosterneuburg)

Die Vorschläge 3 und 4 wurden ausgeschieden. Ihre Verwirklichung hätte lange Bauzeiten und einen höheren Investitionsbedarf bis zur tatsächlichen Verbesserung des Hochwasserschutzes erfordert. Der Vorteil der Dammerhöhung lag in den geringeren Kosten. Schließlich gab der Mehrzweckcharakter der Variante 2 den Ausschlag zu deren Gunsten.

Beschluss im Gemeinderat

Im September 1969 kam es zum Grundsatzbeschluss des Wiener Gemeinderates, die Verbesserung des Hochwasserschutzes von Wien in Angriff zu nehmen. Die geplanten Maßnahmen umfassten das 21 Kilometer lange Entlastungsgerinne - die heutige Neue Donau - mit einem Einlaufbauwerk und zwei Stauwehren sowie den begleitenden Dämmen zwischen Korneuburger Becken und dem unteren Ende der Lobau.

Das Projekt wurde im Juli 1970 von der Obersten Wasserrechtsbehörde bewilligt. Die Bauarbeiten begannen im März 1972.

Bauzeit von 16 Jahren

Baufahrzeuge auf der neu aufgeschütteten Donauinsel

Beim Bau des Entlastungsgerinnes von 1972 bis 1988 wurden 30 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial bewegt und zwei Millionen Kubikmeter Wasserbausteine zur Sicherung seiner Sohle und Böschungen verwendet.

Die hochwasserfreie Donauinsel zwischen dem Entlastungsgerinne und dem Hauptstrom entstand quasi als Nebenprodukt durch Aufschüttungen des Aushubmaterials im verbleibenden Teil des Überschwemmungsgebietes.

Folder zum Download

Der Folder "Donauhochwasserschutz Wien" bietet einen mit vielen Fotos illustrierten Überblick über die Thematik. Zahlreiche technische Daten und Fakten machen die Broschüre auch für Fachexpertinnen und –experten interessant. Ein historischer Rückblick und Einblicke in die Bedeutung der Donauinsel als ökologische Nische sowie als Wiens beliebtestes Naherholungsgebiet und Open Air-Veranstaltungsgelände runden den Inhalt ab.

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Wiener Gewässer (Magistratsabteilung 45)
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