Mähen von Unterwasserpflanzen in der Alten Donau

Seit 2003 sorgen Mähboote dafür, dass das Schwimmvergnügen in der Alten Donau nicht durch hochwachsende Wasserpflanzen getrübt wird.

Video: "Neue Mähboote für die Alte Donau"

Trotz ihres hohen ökologischen Wertes sind Unterwasserpflanzen bei Badegästen sowie Bootsbesitzerinnen und Bootsbesitzern unbeliebt. Besonders betrifft das hochwüchsige Formen wie das Ährige Tausendblatt, die derzeit dominierende Unterwasserpflanzenart in der Alten Donau. Diese Pflanzen wachsen bis an die Gewässeroberfläche. Sie verheddern sich leicht in den Schrauben der Bootsmotoren, behindern die Ruderinnen und Ruderer und "kitzeln" die Schwimmerinnen und Schwimmer an Bauch und Beinen.

Unterwasserpflanzen in der Alten Donau

Mähmanagement

Daher entwickelte die Stadt Wien zu Beginn der 2000er-Jahre einen Mäh- und Bewirtschaftungsplan für die Unterwasserpflanzen. Dieses Konzept sieht vor, die Bestände an Unterwasserpflanzen durch gezieltes Mähen so weit zu kontrollieren, dass Boots- und Badebetrieb ungestört ablaufen können, eine Schädigung der Pflanzenbestände jedoch vermieden wird. Das sogenannte Mähmanagement sorgt dafür, dass das Mähen der Pflanzen das Gleichgewicht des Gewässers nicht beeinträchtigt.

Ein Mann zieht abgemähte Unterwasserpflanzen von einem Boot an Land.

Das Mähen ist auch aus ökologischer Sicht zielführend: Die abgeschnittenen Pflanzenteile werden aus dem Gewässer entfernt, wodurch insgesamt die Nährstoff-Menge im System reduziert wird. Damit wird eine Überdüngung verhindert. Zum anderen verbessern sich durch das Auslichten der Bestände die Bedingungen für die Entwicklung von niederwüchsigen Arten, wie zum Beispiel Characeen.


Wachstum massiv gestiegen

Ein massiver Anstieg des Pflanzenwachstums in den letzten Jahren stellt eine große Herausforderung für das Mähmanagement der Stadt dar. Waren die Mähboote früher nur wenige Monate während der Saison im Einsatz, musste seit 2014 fast das ganze Jahr über gemäht werden. Aufgrund dieser Entwicklung setzen die Expertinnen und Experten der Stadt Wien auf erweiterte neue Maßnahmen. Neben dem Mähen der hochwachsenden Pflanzen gehört dazu die gezielte Ansiedlung niederwüchsiger Unterwasserpflanzen-Arten.

Testfläche für niederwüchsige Unterwasserpflanzen in der Alten Donau

Neue Amphibien-Mähboote

Frau fährt mit einem Mähboot über die Alte Donau.

Seit 2018 machen neue Mähboote das Mähmanagement noch effizienter. Es handelt sich dabei um kleinere, sehr effiziente Amphibien-Mähboote. Diese Boote mähen bis zu 2,5 Meter tief. Sie sind schneller als die bisher eingesetzten Boote und können auch in schwerer zugänglichen Bereichen mähen.

Die neuen Mähboote werden sowohl für den Mähvorgang als auch für das Einsammeln des Schnittguts eingesetzt. Begleitet werden sie von Sammel-Motorbooten, die das Schnittgut an dafür vorgesehenen Sammelstellen am Ufer abladen. Von dort wird es abgeholt und zum Kompostwerk Lobau gebracht, wo es zu Bio-Kompost verarbeitet wird und als Guter Grund bei den Wiener Mistplätzen erhältlich ist.

Die Amphibien-Mähboote können mittels Raupenantrieb auch an Land fahren. Nach dem täglichen Mähbetrieb fahren sie aus dem Wasser auf ihre Standplätze am Ufer, wo sie gewartet werden.

Tiefes Mähen als neue Maßnahme

Bereits 2017 führte die Stadt testweise Mähdurchgänge durch, bei denen mittels einer sogenannten Tiefenmahd die Unterwasserpflanzen so stark gekürzt werden, dass das schnelle Nachwachsen verzögert werden kann. Dabei werden die Pflanzen in einer Tiefe von circa 2,5 Metern, also knapp über dem Gewässergrund, geschnitten. Mit einer Tiefenmahd kann ein Zeitpuffer zwischen den in einer Saison mehrmals nötigen Mähdurchgängen gewonnen werden.

Die Tiefenmahd wird seit 2017 jeweils im Frühjahr vor dem regulären Mähbetrieb durchgeführt.

Wissenschaftliche Begleitung

Um die Entwicklung der Vegetation unter Wasser steuern zu können, werden regelmäßige Kontrollen unter wissenschaftlicher Anleitung durchgeführt.

Das Wachstum der Makrophyten wird von Gewässerbiologinnen und -biologen während des Sommerhalbjahres regelmäßig beobachtet. Dabei werden unter anderem Tauchgänge mit Echolot-Sondierungen vorgenommen, bei denen die Unterwasserpflanzen mittels Schallwellen geortet werden. Auf Basis der gesammelten Daten können genaue digitale Mähpläne erstellt werden.

Das Erstellen von digitalen Mähplänen, die auf GPS aufbauen, und die technische Aufrüstung der Mähboote waren auch Teil des Maßnahmenpakets im Rahmen des EU-Projekts LIFE+ Alte Donau.

Neben GPS werden die Mähboote mit Computern und dazugehöriger Spezialsoftware ausgestattet. Durch die Kombination von GPS mit der digitalen Tiefenkarte der Alten Donau lässt sich die notwendige Mähtiefe exakt bestimmen.

Mähfreie Schonzonen

In wenig genutzten ufernahen Zonen wurden in den letzten Jahren mehrere Schonzonen geschaffen, in denen die Unterwasserpflanzen nicht gemäht werden.

Der Bestand der für die Wasserqualität so wichtigen Unterwasserpflanzen ist sehr sensibel. Mähfreie Schonzonen sind daher als Ausgleich für die stark gemähten Flächen wichtig. Diese Bereiche dienen zudem den Fischen als ungestörte Laichplätze und Rückzugsgebiete.

Die mähfreien Zonen werden 2018 ausgeweitet. Geplant sind neue Schonzonen an der Unteren Alten Donau nördlich und südlich vom Gänsehäufel, im mittleren Bereich des Kaiserwassers und an der der Oberen Alten Donau östlich vom Birnersteig.

Logo des Life+ Programms der Europäischen Union: Das Wort "Life" in gelber Schrift, umringt von gelben Sternen

Das Projekt LIFE+ Alte Donau wurde aus Mitteln des LIFE+ Programms der Europäischen Union, Themenbereich "Umweltpolitik und Verwaltungspraxis", gefördert.

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Wiener Gewässer (Magistratsabteilung 45)
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