Einkommensungleichheit zwischen Frauen und Männern: Equal Pay Day

Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern kann sich auf das Einkommen, Vermögen, die Zeitverwendung, bezahlte und unbezahlte Arbeit, Deutungs- und Entscheidungsmacht sowie Karrierechancen beziehen. Die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter ist erst dann erreicht, wenn diese Güter zwischen Frauen und Männern gleich verteilt sind.

Einkommensschere

Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern besteht weiterhin. Der Equal Pay Day in Österreich, der Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen bis zum Jahresende gratis arbeiten, fand am 22. Oktober 2020 statt. Dies zeigt, dass der Gender Pay Gap, der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern, weiterhin besteht und sich im Vergleich mit 2019 nur geringfügig verbessert hat.

Wien hat mit dem 11. November den spätesten Equal Pay Day Österreichs. Denn während der österreichweite Gender Pay Gap mit 19,3 Prozent höher ist als der EU-Durchschnitt, liegt Wien mit 13,7 Prozent darunter. Obwohl die Situation für Wienerinnen damit vergleichsweise besser ist, bleibt die Forderung nach mehr Einkommensgerechtigkeit bedeutend.

Gründe für die Einkommensschere

Wie sich diese Ungleichheit in Zukunft entwickeln wird, ist besonders aufgrund der prekären Umstände durch die Corona-Pandemie unklar. Einerseits waren Arbeitsbereiche, in denen viele Frauen tätig sind, von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen - zum Beispiel persönliche Dienstleistungen oder Tourismus. Erstmals waren mehr Frauen als Männer arbeitslos gemeldet. Auch die Aufteilung von unbezahlter Arbeit wie Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen intensivierte sich und musste neu verhandelt werden.

Andererseits sind vor allem Frauen in sogenannten "systemrelevanten" Bereichen beschäftigt. Die Krise hat gezeigt, wie unverzichtbar die Arbeit dieser Menschen für die Gesellschaft ist: Beschäftigte in den Gesundheitsberufen, im Handel, in der Reinigung, in der Kinder- und der 24-Stunden-Betreuung, im Transportwesen oder bei Lieferdiensten halten das Land am Laufen. In vielen dieser Berufe sind allerdings die Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig und das Lohnniveau niedrig.

In Summe arbeitet rund 1 Million Beschäftigte in den sogenannten "systemrelevanten" Berufen. Alleine die 3 Bereiche Einzelhandel, Reinigung oder Lehrkräfte umfassen mehr als die Hälfte dieser Beschäftigten. In 8 von 11 Berufen arbeiten überwiegend Frauen. In Summe sind 2 Drittel dieser Leistungsträgerinnen weiblich. Von 11 als "systemrelevant" eingestuften Berufsgruppen haben ausgerechnet jene 5 Gruppen, in denen der Frauenanteil am höchsten ist, Einkommen unter dem österreichischen Durchschnittslohn.

Vor allem Reinigungskräfte mit 76 Prozent und Kassa- und Regalbetreuungskräfte mit 70 Prozent des Durchschnittslohns kommen mit ihren Einkommen nur knapp oder nicht aus. In diesen Berufen ist der Frauen- und MigrantInnen-Anteil besonders hoch. Die geringeren Arbeitsstunden erklären die geringeren Einkommen nur zum Teil.

Die Problematik der niedrigen Bewertung der Arbeit dieser Leistungsträgerinnen wurde durch die Corona-Pandemie deutlich. Es braucht eine faire Bezahlung und mehr Gerechtigkeit für Leistungsträgerinnen.

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