Die Schaffung von Gesundheitsregionen, in denen die Gesundheitsversorgung gemeinsam geplant, finanziert und gesteuert wird, wäre die nachhaltigste Lösung der Gastpatient*innen-Thematik, die die Gesundheitsversorgung innerhalb solcher Regionen besser aufeinander abstimmen und verbessern würde. Eine rasche Schaffung solcher Regionen ist derzeit nicht absehbar. Das Modell der Gesundheitsregionen, das Ludwig bereits wiederholt gefordert hat, wird derzeit von anderen Bundesländern abgelehnt.
In einem Interview im Ö1-Mittagsjournal schlug der Wiener Bürgermeister deshalb ein System der Direktverrechnung für Gastpatient*innen vor, das als Zwischenlösung rasch Abhilfe schaffen würde.
Einstellung der Pauschalbeträge
Derzeit ist es im Finanzausgleich so geregelt, dass bestimmte Bundesländer einen vordefinierten Pauschalbetrag zur Behandlung von Gastpatient*innen erhalten. Die Kosten für Gastpatient*innen haben sich in Teilen Österreichs so dynamisch entwickelt, sodass dieser Mechanismus durch die Realität überholt worden ist.
In einem ersten Schritt wird dieses System der Pauschalbeträge eingestellt. Alle Bundesländer bekämen die Gelder zur Gesundheitsversorgung ihrer eigenen Landesbevölkerung nach Bevölkerungszahl. Alle Patient*innen nehmen jene Gesundheitsversorgung in Anspruch, die für sie medizinisch sinnvoll und wohnortnah verfügbar ist.
Am Ende jeden Jahres werden die Kosten für Gastpatient*innen im Rahmen des Finanzausgleichs direkt untereinander verrechnet. Die Kosten für alle Gastpatient*innen würden von jenem Bundesland bezahlt, in dem die Person wohnt, und zwar an jenes Bundesland, in dem die jeweiligen Patient*innen behandelt wurden.
Finanzielle Schieflage durch mangelhafte Gastpatient*innen-Regelung


Das Thema Gastpatient*innen beschäftigt bereits seit einigen Jahren die österreichische Gesundheitspolitik. Es gibt auch andere Bundesländer wie Salzburg und Tirol, die vor ähnlichen Herausforderungen wie Wien stehen.
Gastpatient*innen verursachen in Wien Kosten von über 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn man das gegenrechnet, was Wiener Gastpatient*innen in anderen Bundesländern an Kosten verursachen (143 Millionen) und was Wien aus dem Finanzausgleich mehr bekommt, bleiben immer noch 610 Millionen Euro, für die die Wiener*innen für die Behandlung von Patient*innen anderer Bundesländer aufkommen müssen - Tendenz steigend. Es gibt hier eine finanzielle Schieflage, die unter Expert*innen völlig unbestritten ist.
Ausbau der Wiener Gesundheitsversorgung
Wien investiert massiv in den Ausbau der Gesundheitsversorgung. Mit rund 3,3 Milliarden Euro wurde bereits die Rundum-Erneuerung der städtischen Spitäler eingeleitet.
Mit mittlerweile rund 80 regionalen Gesundheitszentren im niedergelassenen Bereich (Fokus auf Primärversorgungseinrichtungen, Frauen, Kinder, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Wundheilung oder Diabetes) hat es Wien als einziges Bundesland geschafft, die niedergelassene kassenärztliche Versorgung der Bevölkerung seit 2021 durchgehend zu verbessern, während sich diese in allen anderen Bundesländern weiter verschlechtert hat. Diese Zahl soll bis 2030 auf rund 170 regionale Gesundheitszentren ausgeweitet werden.
Bis 2030 bildet Wien rund 16.000 Pflegekräfte aus und kann damit den eigenen Bedarf an zusätzlichen Pflegekräften selbst decken.
