Transgender-Personen gelten derzeit noch als krank

Menschen, deren geschlechtliche Identität nicht mit dem ihnen nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, gelten derzeit noch als psychisch krank.

Der ICD-10 ist die internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO aus dem Jahr 1991. Er definiert im Kapitel "Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen" Transsexualismus und Transvestitismus als Störung der Geschlechtsidentität und Fetischistischen Transvestitismus als Störung der Sexualpräferenz.

Im DSM-V, dem Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen der American Psychiatric Association (APA), erschienen 2013, wurde die medizinische Diagnose "Gender Identity Disorder" durch die Diagnose "Gender Dysphoria" ersetzt.

Forderung nach Depathologisierung

Seit einigen Jahren wird aus der "Transgender Community" die Forderung nach Depathologisierung laut. Im Oktober 2011 demonstrierten Transgender-Personen in 70 Städten weltweit für die Streichung der Diagnose der Geschlechtsidentitätsstörung aus den internationalen Krankheitskatalogen. In der Transgender Community besteht Konsens darüber, dass "Transsexualismus" oder "Transvestitismus" keine psychischen Krankheiten sind, sondern dass der zugeschriebene Krankheitscharakter subtiler Ausdruck von Transphobie und Diskriminierung ist. Sie betonen, dass Transgender-Personen, die ihr eigenes Geschlecht offen und selbstbestimmt leben können, die sozial wie juristisch anerkannt sind und auf Wunsch Zugang zu geschlechtsanpassender medizinischer Behandlung haben, nicht öfter an psychischen Krankheiten leiden als die Durchschnittsbevölkerung.

Diese Sichtweise erarbeiten sich zunehmend auch Expertinnen und Experten aus den Bereichen Psychiatrie und/oder Psychotherapie. Politikerinnen und Politiker appellierten bereits an die WHO, die Transgender-Diagnosen aus dem Bereich der psychischen Krankheiten zu streichen.

Viele Transgender-Personen brauchen medizinische Behandlungen, um auch ihren Körper an das Erscheinungsbild des empfundenen und gelebten Geschlechts anzupassen. Um die Kostenfinanzierung essentieller Behandlungen wie der Hormonbehandlung oder der genitalanpassenden Operationen durch die Krankenversicherungen nicht zu gefährden, wird gefordert, statt der psychischen Diagnosen eine Sparte für Transsexuelle im somatischen Bereich des ICD, etwa gleichwertig mit Schwangerschaften oder Intersexualitäten, zu schaffen.

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