Definition sexueller Orientierungen: Homosexualität, Bisexualität, Heterosexualität

Die sexuelle Orientierung ist wie auch biologische Geschlechtsmerkmale, die Geschlechtsidentität und die Geschlechterrolle eine Komponente der sexuellen Identität. Die sexuelle Orientierung spricht das Begehren einer Person hinsichtlich des Geschlechts einer erwünschten Partnerin oder eines Partners für emotionale Verbundenheit, Liebe und Sexualität an. Wir kennen unterschiedliche sexuelle Orientierungen: Homosexualität, Bisexualität und Heterosexualität. Die Grenzen zwischen diesen Orientierungen verlaufen aber weit weniger scharf als meist angenommen wird. Wichtig ist zu betonen, dass alle sexuellen Orientierungen gleich wertvoll sind.

Menschen, die sich vorwiegend zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen, bezeichnet man als "homosexuell". Menschen, die sich psychisch, emotional und erotisch sowohl zu Menschen des gleichen Geschlechts wie auch zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen fühlen, werden als "bisexuell" bezeichnet. Fühlt sich jemand vorwiegend zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen, wird von "heterosexuell" gesprochen.

Homosexualität

Zwei Frauen, die Arm in Arm gehen, von hinten

Homosexualität ist die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen. Der Begriff Homosexualität wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeführt, obwohl es gleichgeschlechtliche Liebe immer schon gab. Sie wurde in früheren Zeiten als Sünde, Verbrechen oder Krankheit diffamiert. Heute ist sich die Wissenschaft einig, dass jede sexuelle Orientierung eine gesunde und natürliche Variante ist.

Lesben sind Frauen, die sich sexuell und emotional mehr oder ausschließlich von Frauen angezogen fühlen. Der Begriff Lesben, früher auch Lesbierinnen, für homosexuelle Frauen ist gebräuchlich und wird auch als Selbstdefinition verwendet.

Schwule sind Männer, die sich sexuell und emotional mehr oder ausschließlich von Männern angezogen fühlen. "Schwul" war früher ein Schimpfwort für homosexuelle Männer, bis diese sich in den 1970er-Jahren selbstbewusst als "schwul" bezeichneten. "Schwul" beziehungsweise "Schwuler" ist heute eine übliche Selbstbezeichnung.

Bisexualität

Bisexuell werden Menschen genannt, die sich sowohl von Männern als auch von Frauen emotional und sexuell angezogen fühlen. Sie gehen Beziehungen und sexuelle Kontakte mit beiden Geschlechtern ein.

Wir wissen heute, dass alle Menschen homosexuelle und heterosexuelle Anteile in verschieden starker Ausprägung in sich tragen, also die Fähigkeit, sich in Menschen des gleichen und des anderen Geschlechts zu verlieben. Gesellschaftliche Zwänge und Tabuisierungen aber können zur Verdrängung der homosexuellen Anteile führen.

Heterosexualität

Heterosexuelle Menschen fühlen sich überwiegend von Menschen des anderen Geschlechts angezogen. Es gibt deutlich mehr heterosexuelle als homosexuelle Menschen, deswegen wird Heterosexualität oft als Norm angesehen. Diese Heteronormativität kann zur Nicht-Wahrnehmung und zur Diskriminierung gleichgeschlechtlich liebender Menschen führen.

Fließende Übergänge

Seit Alfred Kinseys Studien Mitte des 20. Jahrhunderts wissen wir, dass der Übergang zwischen sexuellen Orientierungen fließend ist. Es gibt nicht "die Heterosexuellen" auf der einen und "„die Homosexuellen"“ auf der anderen Seite. Vielmehr trägt jeder Mensch die Fähigkeit in sich, sich in Menschen des anderen und in Menschen des gleichen Geschlechts zu verlieben. Diese beiden Fähigkeiten sind bei jedem Menschen individuell unterschiedlich groß. Zudem sind sie nicht starr, sondern können sich in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich entwickeln.

Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierungen gab es zu jeder Zeit, in jeder Gesellschaft und in jeder Schicht. Verschiedene wissenschaftliche Studien gehen von Prozentsätzen zwischen 5 und 15 Prozent von Menschen, die vorwiegend oder ausschließlich homosexuell empfinden, aus, allgemein werden 10 Prozent angenommen. Demnach leben also in Wien etwa 170.000 homosexuelle Menschen, in Österreich mehr als eine dreiviertel Million. Allerdings lebt nur ein Bruchteil dieser Personen offen lesbisch oder schwul. Für viele ist es nicht vorstellbar, dass man auch offen lesbisch oder schwul glücklich leben kann. Sie verstecken ihre sexuelle Orientierung, weil sie Unverständnis, Nachteile und Diskriminierungen befürchten.

Verantwortlich für diese Seite:
Mag. Wolfgang Wilhelm (Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen)
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