Coming-out - ein erster Schritt nach außen

Unter Coming-out ("Herauskommen") wird das Bekanntmachen der eigenen sexuellen Orientierung verstanden.

Das Coming-out umfasst den innerpsychischen Vorgang des Erkennens der eigenen gleichgeschlechtlichen Empfindungen, aber auch das selbstbestimmte Mitteilen an wichtige Menschen im sozialen Umfeld.

Ängste und Unsicherheiten

Für die meisten ist diese Lebensphase auch heute noch nicht ganz einfach, sondern mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Viele Lesben und Schwule im Coming-out fühlen sich alleine und glauben, dass es etwas Schreckliches ist, lesbisch beziehungsweise schwul zu sein. Sie wissen noch nicht, wie sie andere Lesben und Schwule kennen lernen können und mit wem sie über ihre noch neuen Gefühle sprechen könnten. Vielleicht stellen sie sich auch Fragen wie "Habe ich etwas falsch gemacht?", "Wieso gerade ich?", "Werde ich dennoch glücklich werden können?", "Wie reagieren meine Eltern, Schul- oder Arbeitskolleginnen und -kollegen?

Nie zu spät

Die Dauer des Coming-out ist individuell unterschiedlich, bei manchen ist es ein jahrelanger Prozess, der oft mit Selbstabwertung verbunden ist. Andere können schon nach wenigen Wochen bedingungslos "Ja!" zu sich und ihrer sexuellen Orientierung sagen und sich als Person liebevoll annehmen. Auch das Alter, in dem man sich über die eigenen homosexuellen Gefühle klar wird, ist bei jedem Menschen anders. Vielen wird es im Zuge der Pubertät klar, andere wissen es schon früher und wieder andere erst im Erwachsenenalter. Gar nicht so selten sind Familienväter und -mütter, die erst in späteren Jahren erkennen, dass sie - eigentlich doch - schwul, lesbisch oder bisexuell sind. Für das Coming-out ist es nie zu spät.

Hilfe holen

Sehr hilfreich für Menschen im Coming-out sind sogenannte Coming-out-Gruppen. Das sind Selbsthilfegruppen, in denen man andere Menschen in der gleichen Lebenssituation niederschwellig kennenlernen kann. Dort kann ein offener und ehrlicher Austausch über die eigenen noch neuen Empfindungen und damit verbundene Sorgen, Ängste, Erwartungen und Hoffnungen stattfinden. Er wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als sehr entlastend und hilfreich erlebt. Auch der inhaltliche Austausch zu Fragen wie "Wie sage ich es meinen Eltern?", "Kann ich mich in der Schule outen?" oder "Soll ich mich am Arbeitsplatz outen oder lieber doch nicht?" ist für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr hilfreich.

Weiters gibt es Beratungsstellen, die auf Coming-out-Beratung spezialisiert sind: Lesben, Schwule sowie Expertinnen und Experten arbeiten mit den Menschen im Coming-out an ihrer individuellen Lebenssituation, sie begleiten und unterstützen sie.

Was Lesben und Schwule von Heterosexuellen erwarten

Lesben und Schwule wollen:

  • Anerkennung ihrer Identität und ihrer Lebensweise
  • Ihr Leben und ihre Beziehungen frei leben können
  • Sich nicht immer erklären müssen
  • Unterstützung für ihre Anliegen
  • Von ihrer Familie und ihrem Umfeld akzeptiert werden
  • Schutz vor Diskriminierung und Homophobie
  • Gleiche Rechte wie ihre heterosexuellen Mitmenschen

Outing

Im Gegensatz zum Coming-out ist ein Outing nicht selbstbestimmt. Jemand anderen zu outen bedeutet, die sexuelle Orientierung einer Person ohne deren Zustimmung vor anderen Menschen bekannt zu machen.

Jemanden zu outen, also zu behaupten, sie oder er sei homosexuell, verletzt die Privatsphäre eines Menschen. Ein Outing erfüllt den Tatbestand der Ehrenbeleidigung - unabhängig davon, ob diese Behauptung wahr ist oder nicht. Juristisch gesehen kann es auch eine Ehrenbeleidigung darstellen, über jemanden wahre Tatsachen zu verbreiten, wenn dies mit Kränkungs- oder Schädigungsabsicht geschieht.

Weiterführende Informationen

Verantwortlich für diese Seite:
Mag. Wolfgang Wilhelm (Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen)
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