Sieglinde Rosenberger

Sieglinde Rosenberger wurde 2005 für "besondere Forschungsleistungen im Bereich Frauen und Politik" mit dem Wiener Frauenpreis ausgezeichnet.

Seit mehr als dreißig Jahren forscht und lehrt Sieglinde Rosenberger im Bereich Politikwissenschaft. Ihr Fokus liegt dabei auf österreichischer und europäischer Politik und sie trägt maßgeblich zur demokratiepolitischen und feministischen Forschung. Gleichzeitig ist ihr die gesellschaftliche Vermittlung geschlechterpolitischer Analysen ein großes Anliegen.

Biografie

1957 in Wippenham (OÖ) geboren, inskribiert Sieglinde Rosenberger 1977 an der Universität Innsbruck Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft - eine damals in Österreich noch junge Disziplin. Dem Studienabschluss 1982 folgt ein Doktoratsstudium, in dem sie bereits ihre Forschungsschwerpunkte der Frauen- und Geschlechterpolitik und der österreichischen Politik miteinander verbindet. 1989 promoviert sie über "Frauenfragen oder Geschlechterfragen: institutionelle Frauenpolitik in Österreich". Dabei bringt die im Titel gestellte Frage damalige feministische Debatten auf den Punkt: Mit dem breiter gefassten Fokus auf Geschlechterfragen sollten frauenpolitische Themen als gesamtgesellschaftlich relevante Anliegen positioniert werden. Das Ziel, zu eng gefasste Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, wird die Wissenschaftlerin auf ihrem akademischen Werdegang nicht aus den Augen verlieren. Zunächst etabliert sich Sieglinde Rosenberger mit der an die Dissertation anschließende Publikation Frauenpolitik in Rot-Schwarz-Rot: Geschlechterverhältnisse als Gegenstand der österreichischen Politik (1992) als Expertin österreichischer Frauen- und Geschlechterpolitik.

Noch im selben Jahr verbringt Sieglinde Rosenberger, unterstützt durch ein Schrödinger Stipendium, einen Forschungsaufenthalt an der "San Diego State University". "Nicht nur die Entscheidung, sondern auch die Begeisterung und Leidenschaft für eine wissenschaftliche, universitäre Laufbahn ist bei mir in diesem Jahr gefallen" (zitiert aus: fwf.ac.at), erzählt sie rückblickend. So habilitiert sie sich 1995 für das Fach Politikwissenschaft zum Thema Gleichheit und Differenzen, wobei sie sich mit Grundproblemen der Frauen- und Geschlechterforschung und deren politischen Implikationen auseinandersetzt. Seit 1988 ist Rosenberger Universitätsassistentin an der Universität Innsbruck, mit der sie bis 1998 institutionell verbunden bleibt.

Am Institut für Politikwissenschaft in Wien, wo sie 1996 bereits eine Gastprofessur innehatte, wird sie 1998 zur Professorin berufen. Gemeinsam mit Birgit Sauer publiziert sie das viel beachtete Studienbuch "Politikwissenschaft und Geschlecht" (2004), in dem politikwissenschaftliche Fragestellungen mit den Ergebnissen der Geschlechterforschung zusammengedacht werden. Vor dem Hintergrund erstarkender neoliberaler Trends kritisiert Rosenberger die Schwächen der so genannten "Politik des schlanken Staates". Dass öffentliche Verantwortlichkeiten abgebaut und unter anderem in den Bereich der Familie delegiert werden, könne "Frauen hart treffen" (zitiert in: dieStandard.at, 3.1.2005). Dabei sensibilisiert die Politikwissenschaftlerin für die Widersprüchlichkeit österreichischer Frauenpolitik: Denn während Pensionsregelungen auch für Frauen lebenslange Erwerbsarbeit vorsehen, werden Frauen insbesondere in ihrer Rolle als Mütter bestärkt. "Das aber ist keine emanzipationsorientierte Frauenpolitik" (ebenda). Für Rosenberger stellt das sozialstaatliche Konzept ein wichtiges Gegenmodell dar. Dem entspricht auch ihr Engagement als Mit-Initiatorin des Sozialstaatsvolksbegehrens 2002.

Forschungsschwerpunkte und Auszeichnungen

Sieglinde Rosenbergers Forschungsschwerpunkte orientieren sich heute ganz prinzipiell auf politische Mechanismen der Inklusion und Exklusion in demokratischen Gesellschaften. Im Rahmen der Europäischen Wertestudie im Herbst 2011 geht sie gemeinsam mit Gilg Seeber der Frage nach, was den demokratischen Wert der Gleichheit in Österreich dermaßen ins Hintertreffen bringt. In dieser Studie gelingt es herauszuarbeiten, wie die Themen Migration und Integration ausgespielt und instrumentalisiert werden: Migration wird problematisiert, während die Politik ihre Blockaden in Bezug auf gesamtgesellschaftliche Problemlagen nicht überwinden kann (vgl. www.medienservicestelle.at, 17.1.2012).

2013 wird Rosenberger der Käthe-Leichter-Preis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt verliehen. Im selben Jahr wird ihr Gesamtwerk mit dem Wissenschaftspreis der Margaretha Lupac Stiftung ausgezeichnet. "Rosenberger gelingt es in ihren Arbeiten, Verständlichkeit und Nachdenklichkeit mit großer wissenschaftlicher Sorgfalt zu verbinden", so die Jury (zitiert aus: parlament.gv). Die breite Zugänglichkeit ihrer Forschungsarbeit wird auch in Bezug auf die Publikation "living rooms - Politik der Zugehörigkeiten im Wiener Gemeindebau" (2012) gewürdigt. "Lesbar, blätterbar, nacherzählbar", lautet die Begründung bei der Ehrung als Wissenschaftsbuch 2013 (zitiert aus: www.schoenstebuecher.at). An der Schnittstelle von Kunst und Sozialwissenschaften untersucht das mit Florian Bettel und Julia Mourão Permoser herausgegebene Buch den Wiener Gemeindebau als Ort von Politiken der Zugehörigkeit. Es geht um die "Grenzziehung zwischen Dazugehörigen und Nichtdazugehörigen" (living rooms), die auch photographisch - anhand von Wohnzimmer-Interieurs - festgehalten wird.

Auch im Ausland ist Sieglinde Rosenberger immer wieder tätig. Das Universitätsjahr 2003/2004 verbringt sie als "Schumpeter Fellow" an der renommierten "Harvard University". Dem folgt 2007 ein Forschungsaufenthalt am "European University Institute" in Florenz. Zuletzt hat Rosenberger einen Monat als Gastlektorin in Beijing verbracht. Neben Lehre, eigenen Forschungstätigkeiten und zahlreichen Herausgeberinnenschaften ist Sieglinde Rosenberger in mehreren akademischen Gremien und Organisationen vertreten Von 2004 bis 2007 war sie Leiterin des Instituts für Politikwissenschaft und ist seit 2006 Mitglied des Senats an der Universität Wien. Sie ist stellvertretende Sprecherin der Plattform "Religion and Transformation in European Societies" (RaT) und Leiterin der Forschungsgruppe "The Politics of Inclusion & Exclusion" (INEX). Im Zentrum der jeweiligen Forschungen stehen die Dynamiken der Inklusion und Exklusion in sich transformierenden europäischen Gesellschaften.

Während ihrer gesamten wissenschaftlichen Laufbahn unterstreicht Sieglinde Rosenberger die Bedeutung der Partizipation insbesondere marginalisierter Gruppen. Auseinandersetzung und Streit lohnen sich in ihren Augen, sei es im Kampf um Frauenrechte, für soziale Gleichheit oder gegen europaweite Politiken der Entrechtung von Migrantinnen und Migranten, wie sie im Kontext der Frauenpreisverleihung erklärt.

Publikationen

  • Rosenberger, Sieglinde (1992): "Frauenpolitik in Rot-Schwarz-Rot: Geschlechterverhältnisse als Gegenstand der österreichischen Politik". Wien
  • Rosenberger, Sieglinde (1996): "Geschlechter - Gleichheiten - Differenzen: eine Denk- und Politikbeziehung". Wien
  • Rosenberger, Sieglinde; Birgit Sauer (Hgg. 2012): "Politics, Religion and Gender. Framing and Regulating the Veil". (eds.): Oxford: Routledge.
  • Rosenberger, Sieglinde; Bettel, Florian; Mourão Permoser, Julia (Hgg. 2012): "living rooms - Politik der Zugehörigkeiten im Wiener Gemeindebau". Wien; New York

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