Eva Geber

Eva Geber wurde 2009 für ihre "herausragenden Leistungen im feministischen Diskurs" mit dem Wiener Frauenpreis ausgezeichnet.

Eva Geber

"Wir müssen uns noch immer mit diesem blöden Thema beschäftigen!" Diese Aussage findet Eva Geber nicht nur in Texten der ersten Frauenbewegung, sondern bereits in Christine de Pizans "Buch von der Stadt der Frauen" im 15. Jahrhundert. Sie schließt daraus, dass Frauenbewegungen einen langen Atem brauchen (zitiert in: Wiener Zeitung, 8.2.2012). Angesichts der Erfahrungen in den Vorbereitungstreffen zum 100. Frauentag betont sie 2011 die Notwendigkeit eines gründlichen Zuhörens und Reflektierens darüber, "was uns wirklich nützt, was uns unseren Zielen in den vier, ja in den zehn Jahrzehnten näher gebracht hat" (zitiert in: AUF - Eine Frauenzeitschrift/Nr. 152, Seite 21). Während Parteilichkeit mit anderen Frauen in feministischen Bewegungen wichtig ist, schwächt "die Sucht nach Harmonie" ihrer Meinung nach (ebenda). Konflikte dürfen nicht verdeckt werden, sie müssen vielmehr ausgetragen werden. Eva Geber spricht dabei vor dem Hintergrund ihrer eigenen langjährigen Erfahrung in der Autonomen Frauenbewegung.

Biografie

Eva Geber wird 1941 in Wien geboren. Nach Abschluss der Textilschule jobbt sie in unterschiedlichen Bereichen. Sie beginnt früh mit dem Schreiben, zunächst mit Geschichten für Kinder. Später wird sie Leiterin in einer selbstverwalteten, nicht hierarchischen Druckerei, wo sie sich um die "Produktion des Schönsten, was es gibt" kümmern kann, nämlich "Lesestoff" (zitiert in: AUF 2011/Nr. 153, Seite 54).

AUF-Gründung (Verein Unabhängiger Frauen)

Nahezu von Beginn an ist Eva Geber in der AUF, der ersten deutschsprachigen feministischen Frauenzeitschrift, tätig. Der Verein Aktion Unabhängiger Frauen war 1972 als "Plattform, Sprachrohr und Diskussionsforum der sich formierenden autonomen Frauenbewegung" (zitiert aus: www.auf-einefrauenzeitschrift.at) gegründet worden.

Im Kontext der Abtreibungsdebatte wird zunehmend klar, dass ein Medium gebraucht wird, in dem diese und andere Diskussionen geführt werden können. Die erste Ausgabe 1974 ist bald vergriffen. Für Heft Nr. 12 schreibt Eva Geber, die damals gerade bei einem Anwalt arbeitet und öfters mit familienrechtlichen Gewaltfragen konfrontiert ist, einen längeren Artikel über das Familienrecht. Als sie den Text abliefert wird sie zunächst in das Layout involviert. Während der kommenden drei Jahrzehnte ist sie schließlich für einen großen Teil der Endredaktion und des Layouts zuständig, was unbezahlte Arbeit im Umfang von etwa 20 Stunden wöchentlich bedeutet. Wichtig ist ihr dabei, "dass die Zeitung, ganz gleich, was los ist, erscheinen muss" - immer auf hohem Niveau (zitiert in: AUF 2011/Nr. 153, Seite 54). Der Name AUF - Eine Frauenzeitschrift verweist ganz bewusst auf die Vielfalt des Feminismus; unterschiedliche Positionen und Meinungen sollen darin abgedruckt werden.

Autorinnen zu finden war niemals schwierig, erzählt Eva Geber retrospektiv, aber die "redaktionelle Knochenarbeit" blieb immer die Aufgabe einiger weniger. Besonders in Erinnerung sind ihr die beiden Sonderhefte zum Jahr 1938 geblieben, die 1988 und 1989 erschienen (zitiert aus: dieStandard.at, 24.3.2011).

1992 ist sie an der Gründung der AUF-edition beteiligt.

"Die Frauen Wiens"

Im selben Jahr gibt sie (gemeinsam mit Sonja Rotter und Marietta Schneider) "Die Frauen Wiens" heraus, für das sie selbst zahlreiche Beiträge verfasst.

Beginnend im Mittelalter wird darin der Frage nachgegangen, wie sich Frauen im Lauf der Geschichte trotz Einschränkungen Rechte herausnahmen und ihre Ziele verfolgten. Aus "persönlicher Betroffenheit" interessiert sich Eva Geber für die unterschiedlichen Biografien von Frauen, wie sie im Kontext der Frauenpreisverleihung erklärt. Immer wieder setzt sie sich mit Leben und Werk von Rosa Mayreder, einer der bedeutendsten Theoretikerinnen der ersten Frauenbewegung, auseinander. So gibt sie 1998 zunächst Mayreders Jugenderinnerungen unter dem Titel "Das Haus in der Landskrongasse" und danach zwei Essaybände, "Zur Kritik der Weiblichkeit" sowie "Geschlecht und Kultur", heraus, jeweils mit einem Nachwort von ihr versehen. Unter dem Titel "Zivilisation und Geschlecht. Ein Lesebuch" (2010) erscheint später noch eine weitere Sammlung Rosa Mayreders Essays.

Besonders ernst nimmt Eva Geber auch das Rezensieren der Texte von Frauen, die sie damit anderen Frauen zugänglich machen will. So hat sie selbst alle Bücher von Ruth Klüger rezensiert.

AUF wird eingestellt

2011 muss die AUF nach der 153. Ausgabe eingestellt werden. Zwar hatte es auch davor schon Krisen gegeben, bis dahin waren allerdings immer wieder neue Frauen dazu gekommen. Während die Miet- und Druckkosten in erster Linie durch den Verkauf der Zeitschrift sowie durch eine Publizistikförderung und Veranstaltungen finanziert werden konnten, arbeiteten die Redakteurinnen immer unbezahlt.

Ehrenamtliche Arbeit sei für Frauen, die oft mit prekären Arbeitsverhältnissen und fehlenden Energie- und Zeitressourcen konfrontiert sind, immer weniger möglich, so Eva Geber. Bestehen bleibt allerdings der Verein zur Förderung feministischer Projekte, der auch die Eröffnung der feministische Buchhandlung ChickLit in den ehemaligen Räumlichkeiten der AUF-Redaktion in der Kleeblattgasse unterstützte. In einem Interview in der letzten Ausgabe der AUF (2011/Nr.153) erklärt Eva Geber, sie werde nun weiterhin als freie Graphikerin arbeiten und sich dem Schreiben widmen.

Der Typus der kämpfenden Frau. Frauen schreiben über Frauen in der Arbeiterzeitung von 1900 bis 1933"

2013 erscheint "Der Typus der kämpfenden Frau. Frauen schreiben über Frauen in der Arbeiterzeitung von 1900 bis 1933", für das sie im selben Jahr mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch (2013) ausgezeichnet wird. Für die Herausgabe dieses Buches durchstöbert sie die Archive der 1889 von Victor Adler als sozialistisches Medium gegründeten Arbeiterzeitung. Sie arbeitet auf, was Frauen darin im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts über andere Frauen schrieben. Der Titel ist einer Aussage Adelheid Popps entnommen, die Lily Braun als "Typus der kämpfenden Frau" bezeichnete. Während in dem Buch die Stimmen zahlreicher in Vergessenheit geratener Frauen zu finden sind, können zum Beispiel auch Emma Adlers Auseinandersetzungen mit Olympe de Gouges und anderen Frauen der Französischen Revolution nachgelesen werden, oder Marianne Pollaks Bewunderung für George Sand sowie Therese Schlesingers Analyse von Rosa Luxemburgs Leben und Wirken.

In einer Rezension des "Typus der kämpfenden Frau" hebt Ruth Klüger die dreifache Ebene hervor, auf die das Buch baut: Einerseits diejenige der Frauen, die sich seit der Französischen Revolution an Kämpfen um Menschenrechte und Fortschritt beteiligten. Zweitens die Perspektive der Autorinnen, die über sie schrieben. Und drittens Eva Gebers eigene Kommentare, die so einiges ergänzen und kritisch zurechtrücken.

Ruth Klüger schließt ihre Rezension mit dem Satz: "Es ist ein Buch, das als Gegengift gegen die heutige satte Selbstgefälligkeit eines vermeintlichen sogenannten Postfeminismus dienen kann" (zitiert in: DER STANDARD, 16.11.2013).

Texte und Herausgeberinnenschaften

  • Geber, Eva; Rotter, Sonja; Schneider Marietta (Hg.) (1992): Die Frauen Wiens. Ein Stadtbuch für Fanny, Frances und Francesca. Wien
  • Geber, Eva (1995): All das Leid und die Spassettln. Das Leben der Lucia Westerguard. Wien
  • Geber, Eva (2011): Das Salz in der Suppe. Konsequenz und Strategie feministischen Handelns. In: AUF - Eine Frauenzeitschrift (152), Seite 21
  • Geber, Eva (Hg.) (2013): Der Typus der kämpfenden Frau. Frauen schreiben über Frauen in der Arbeiter-Zeitung von 1900-1933. Wien

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