Elfriede Hammerl

Elfriede Hammerl wurde 2002 für ihre "langjährige, herausragende publizistische Leistung" mit dem Wiener Frauenpreis ausgezeichnet.

Elfriede Hammerl wünscht sich eine Gesellschaft, in der sich niemand von Geschlechterrollen einwickeln lässt. Weil sie als Journalistin jahrzehntelang die Aufmerksamkeit auf feministische Themen gelenkt hat, wird ihr 2002 der Frauenpreis verliehen. Auch in ihren Romanen versucht sie, auf humorvolle und satirische Art und Weise, eine breitere Öffentlichkeit für das Leben von Frauen zu schaffen.

Biografie

Elfriede Hammerl kommt kurz vor Kriegsende 1945 in einem Feldlazarettauto vor Prebensdorf in der Steiermark auf die Welt und wächst in Wien auf. Für ihre Kindheit und Jugend in der Großstadt ist sie dankbar. Gerade als Mädchen hat sie dort mehr Freiräume. Den Wunsch zu schreiben entdeckt sie bereits in der Schule, obwohl sie sich damals nicht unbedingt als künftige Journalistin, sondern eher als weiblicher Thomas Mann sieht. Ihre Mutter legt ihr den Beruf der Übersetzerin nahe, aber sie will lieber eigene Texte schreiben, als die anderer zu übersetzen. Sie inskribiert an der Universität Wien Germanistik und Theaterwissenschaft und beginnt außerdem für die erste österreichische Zeitung nach dem Krieg, "Neues Österreich", zu schreiben. Nachdem das "Neue Österreich" 1967 zusperren muss, arbeitet Elfriede Hammerl vorübergehend beim Fernsehen. Für sie steht aber das Medium Text im Vordergrund, da sie die Bilddominanz stört. Bald darauf geht sie zur "Neuen Zeitung", einem Boulevardblatt zwar (mit dem erklärten Ziel, der "Kronen Zeitung" Konkurrenz zu machen). Trotzdem findet sie dort Gestaltungsmöglichkeiten vor, die sie in den großen Zeitungen nicht gehabt hätte.

Einer der stellvertretenden Chefredakteure fragt sie eines Tages, ob sie sich vorstellen könne, eine Frauenkolumne zu schreiben. Dass er sich eigentlich Texte über die Alltagsprobleme von Hausfrauen vorgestellt hat, sagt er nicht dazu - es erscheint ihm wahrscheinlich zu selbstverständlich. Aus diesem produktiven Missverständnis entsteht eine Kolumne über (oder vielmehr gegen) einengende Rollenbilder.

Durch das Schreiben ihrer Kolumne wurde der "Kurier" auf sie aufmerksam und holt sie schließlich in die Redaktion. Die Motivation der Zeitung ist ihrer Meinung nach weniger in einer feministischen Gesinnung zu suchen, als im Mangel weiblicher Leserinnen. Sie wird im "Kurier" auch redaktionell tätig und beschäftigt sich zum Beispiel mit Bildungspolitik. Einige Zeit unbemerkt, eckt ihre politische Haltung dann doch zunehmend an, zum Beispiel als sie in einer TV-Debatte pro Fristenlösung argumentiert. Sie wird prompt mit einem Schreib- und Auftrittsverbot zu diesem Thema belegt. (vgl. Interview mit Elfriede Hammerl auf wien.at-TV (2011)).

1977 beschließt sie schließlich, auf eine Fixanstellung zu verzichten und fortan als freie Journalistin zu arbeiten. Sie schreibt unter anderem für "Stern", "Vogue" oder "Cosmopolitan". 1984 erscheint ihr erster Beitrag im "Profil", mit dem Titel "Ich bin die dicke Mama, die weiß, wo die blaugrüne Mütze ist". In den kommenden Jahrzehnten drehen sich ihre Kolumnen immer wieder um Frauen in der Arbeitswelt, um ihre Doppel- und Dreifachbelastungen als Mütter, die sich mit fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen konfrontiert sehen, als Hauptverantwortliche für reproduktive Tätigkeiten. Sie thematisiert patriarchale Verhältnisse, aber auch die mitunter zu wünschen übrig lassende Solidarität unter Frauen.

Politisches Engagement

1997 kommt ihr der Gedanke, dass ein Frauenvolksbegehren ein probates Mittel sein könnte, etwas zu bewegen. Gemeinsam mit anderen und unterstützt von den Frauen der SPÖ und der Grünen können 645.000 Unterschriften gesammelt werden. Später wird den InitiatorInnen des Frauenreferendums vorgeworfen, sie hätten keine präzise Agenda vorgelegt und eine Vielzahl an Forderungen außen vor gelassen. Ihnen ging es darum, ein Basispaket zu erarbeiten, argumentiert Hammerl. Trotz der hohen Zahl an UnterzeichnerInnen seien die erzielten politischen Erfolge jedoch dürftig gewesen. Zwei Jahre später wird sie wieder politisch aktiv, diesmal als Kandidatin des Liberalen Forums für die Nationalratswahl 1999.

Als nach der Schwarz-blauen Regierungsbildung 2000 das Frauenministerium abgeschafft wird und frauenpolitische Agenden in das Sozialministerium ausquartiert werden, schreibt sie in ihrem Text "Zusperren": "Wer Frauenpolitik durch Familienpolitik ersetzt, wird an Gleichstellungsfragen nicht sonderlich interessiert sein. Wer Gebärprämien für die wichtigste frauenpolitische Maßnahme hält, wird wenig übrig haben für berufliche Fortbildung und berufliche Widereinstiegshilfen. Wer gegen Ausländerinnen hetzt, wird es nicht für nötig befinden, dass ihre Lebensbedingungen verbessert werden - die "Putzkleschn" kann mit dem Staubsauger ruhig türkisch reden, "net" (Hammerl, Elfriede (2000) Zusperren. In: Milena Verlag (Hg.) Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch. Frauen in Österreich schreiben gegen Rechts, Seite 155 bis 157).

Kolumnen

Elfriede Hammerl bringt feministische Inhalte "abseits von Spezialdiskursen" aufs Tapet und füllt damit eine Lücke in der österreichischen Medienlandschaft, heißt es in einer Rezension der 2010 veröffentlichten Kolumnensammlung "Alles falsch gemacht" (zitiert in: dieStandard, 31.3.2010). In aktuellen Texten schlägt sie sich zum Beispiel mit der jüngsten Ablehnungswoge gegen geschlechtergerechte Sprache herum: "Man/frau muss das Binnen-I nicht lieben. Aber warum dieser verzweifelte, öffentliche Aufschrei, diese Weltuntergangsbeschwörung? Was treibt die Damen und Herren an, die gegen das Gendern auftreten, als wäre es die Pest" (zitiert in: Profil, 2.8.2014). Sie meldet sich damit durchaus auch gegen Kolleginnen und Kollegen zu Wort, die das Gendern ihrer Texte als Zumutung empfinden und dabei ihrer Meinung nach vergessen, dass eine männliche Sprache im Bewusstsein gerade jene Strukturen einzementiert, die männliche Dominanz in der Gesellschaft ermöglichen. Dass ihre Texte unleserlich seien, das hätte ihr in all den Jahren, in denen sie das Binnen-I verwendet, noch niemand vorgeworfen. Nicht wirklich nachvollziehen kann sie hingegen, warum Song Contest Gewinnerin Conchita Wursts hochhackige Schuhe und ihre eng anliegende Kleidung von vielen FeministInnen als emanzipatorisch erachtet werden. Auch wenn ihrer Meinung nach alle tragen sollen, was sie wollen, kann sie darin nicht unbedingt eine Hinterfragung von Rollenbildern erkennen. Sich für transgender Themen zu interessieren sei wichtig, traditionelle feministische Themen will sie dabei aber nicht vernachlässigt sehen.

Publikationen

Neben ihrer journalistischen Tätigkeit hat sich Elfriede Hammerl längst ein literarisches Standbein aufgebaut. In Romanen wie "Der verpasste Mann" (2004) oder "Kleingeldaffäre" (2011) geht es um die ambivalenten Beziehungen von Frauen zu ihren Ehemänner oder Liebhabern. "Müde bin ich, Känguru" (2006) ist ein literarisches Portrait von Patchworkfamilien und den Erfahrungen Jugendlicher. Darüber hinaus hat sie Kurzgeschichten und Kabaretttexte, aber auch Theaterstücke (wie "Liftstopp", 2010) oder Drehbücher (wie "Probieren Sie's mit einem Jüngeren", 1999) verfasst. 2011 ist ihr erstes Kinderbuch mit dem Titel "Meine Schwester ist blöd" erschienen.

Auszeichnungen

Neben dem Frauenpreis hat Elfriede Hammerl für ihr publizistisches Engagement eine Reihe anderer Auszeichnungen erhalten: 1999 wird ihr der Publizistikpreis der Stadt Wien verliehen, es folgen der Concordiapreis in der Kategorie "Menschenrechte" (2003), das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien (2006), der Johanna Dohnal Anerkennungspreis (2010) sowie der Kurt Vorhofer Preis (2011).

Textauswahl

  • "Zeitzeuge", Roman, Wien 2014
  • "Kleingeldaffäre", Roman, Wien 2011
  • "Alles falsch gemacht.", Kolumnen, Wien 2010
  • "Müde bin ich, Känguru", Roman, Wien 2006
  • "Der verpasste Mann", Roman, Wien 2004

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