Kampagne "LASS DAS NICHT SO STEHEN."

Die neue Kampagne des 24-Stunden Frauennotrufs wendet sich gegen opferbelastende und täterentlastende Einstellungen zu sexualisierter Gewalt, wie beispielsweise Vergewaltigungsmythen.

Die Gesellschaft ist beim Thema sexualisierte Gewalt tief von opferbelastenden und täterentlastenden Einstellungen durchdrungen. Diese auf Vorurteilen begründeten Erklärungsmodelle - auch Mythen genannt - erfüllen zwei Funktionen:

  • Rechtfertigung der Tat
  • Angstabwehr
Schriftzug "Kein Wunder, so wie sie immer angezogen ist." auf einer Ziegelwand

Sujet der Kampagne mit einem Beispiel für eine opferbelastende Aussage

Dabei kommt es fast immer zu einer Täter-Opfer-Umkehr beziehungsweise zu "Victim Blaming". Ein typisches Beispiel ist die Aussage, die Frau sei an einer Vergewaltigung selbst schuld, weil sie aufreizende Kleidung trägt oder zu viel Alkohol getrunken hat. Je stärker solche Mythen in der Gesellschaft akzeptiert und verhaftet sind, desto besser funktioniert die Angstabwehr und umso mehr wird Gewalt verharmlost.

Belastung der Opfer und Entlastung der Täter

Zu sexualisierter Gewalt erforschte die Wissenschaftlerin Friederike Eyssel zwei Arten von Mythen:

  • Opferbelastende Mythen, die auf folgenden Annahmen basieren:
    • Sexuelle Aggression gehört zur sexuellen Interaktion zwischen den Geschlechtern.
    • Eine Frau, die die sexuellen Annäherungsversuche eines Mannes eindeutig ablehnt, ist im Grunde doch daran interessiert.
    • Männer werden durch ein bestimmtes Verhalten der Frau provoziert, etwa durch Flirten oder durch aufreizende Kleidung.
  • Täterentlastende Mythen: Basieren auf der Annahme, dass der Mann seine sexuellen Triebe nicht kontrollieren könne und somit "nicht anders kann".

Mythen sind in der Gesellschaft tief verankert

Befragungen zu Vergewaltigungen zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung - und zwar Frauen wie Männer, Vergewaltigungsopfer selbst, sogar professionelle Helferinnen und Helfer sowie Personen aus dem engen Umfeld der Opfer - diesen opferbelastenden und täterentlastenden Erklärungen zustimmt und sie weiterträgt.

Die Kampagne "LASS DAS NICHT SO STEHEN." greift daher eine Auswahl dieser Mythen zu sexualisierter Gewalt auf und stellt sie in 4 Sujets dar:

Sujets zu sexualisierter Gewalt

Ziele der Kampagne

  • Die Kampagne soll Wienerinnen und Wiener ermutigen, solche mit Vorurteilen begründeten Aussagen zu sexualisierter Gewalt nicht unreflektiert und unwidersprochen stehen zu lassen.
  • Im ersten Schritt soll ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen werden. Fallen zum Beispiel Sätze wie "Kein Wunder, wie sie immer angezogen ist" als Reaktion auf sexualisierte Gewalt, ist jeder und jede aufgefordert, dagegen zu sprechen.
  • Langfristig muss sich die opferfeindliche gesellschaftliche Einstellung zu Gewalt ändern, damit Opfer die Schuld weniger bei sich suchen und Hilfe in Anspruch nehmen. Die Gesellschaft muss sich auf die Seite der Opfer stellen und darf diese nicht allein lassen im Kampf um die Aufrechterhaltung ihrer Würde nach traumatisierenden Gewalterlebnissen.

Die klare Botschaft der Kampagne: Wir lassen Gewalt an Frauen nicht so stehen! Wir lassen - als Gesellschaft - Opfer von sexualisierten Übergriffen nicht allein!

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