Kaśka Bryla ist die diesjährige Preisträgerin des renommierten Veza-Canetti-Preises der Stadt Wien.
Die hochrangige Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler am 3. Dezember 2026 um 19 Uhr in der Alten Schmiede überreicht.
Nominiert wurde die Autorin von einer unabhängigen Fachjury, die aus Andrea Fredriksson-Zederbauer, Angelika Reitzer und Peter Zimmermann besteht.
Jury-Begründung
An den geschmackssicheren Interieurs einer bürgerlichen Mittelschicht hat Kaśka Brylas Erzählkunst ebenso wenig Interesse wie an deren dünkelhafter Nabelschau. Brylas literarische Figuren leben auf Campingplätzen, arbeiten in Justizvollzugsanstalten, sind Hackerinnen oder erwerbslos. Sesshaftigkeit ist für sie nicht von Dauer, und die Gewalt, mit der sie als Kinder und Jugendliche mitunter Erfahrung machten, schärft ihren Sinn für Unrecht, für den Widerstand gegen die Norm - und für Freundschaft. Brylas Prosa bezieht ihre Kraft aus den alten Fragen nach Schuld, nach der Verpflichtung einst gegebener Versprechen und nach dem Bösen, zu dem der Mensch fähig ist und auf das er in keinem Glauben mehr Antwort findet. Trost spenden Tiere. Brylas Sprache überzeugt mit einer Atemlosigkeit, die bis in die Interpunktion reicht, und scheut nicht zurück vor der Frage, was Literatur darf.
Preisträgerin Kaśka Bryla
Kaśka Bryla wurde in Wien geboren und wuchs zwischen Wien und Warschau auf. Sie studierte Volkswirtschaft in Wien sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, wo sie 2015 die Literaturzeitschrift "PS - Politisch Schreiben" mitbegründete, in dessen Redaktion sie bis heute mitarbeitet. Bryla schreibt Prosa, Essays und dramatische Texte.
Ihr literarisches Debüt gab sie mit Roter Affe (2020, Residenz Verlag), gefolgt von Die Eistaucher (2022, Residenz Verlag). 2023 wurde ihr Stück Im Herzen der Krähen im WERK X-Petersplatz uraufgeführt. 2025 erschien ihr Roman Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich (Residenz Verlag), der für den Österreichischen Buchpreis nominiert war. Sie erhielt mehrere Stipendien sowie den Exil-Literaturpreis.


