Frauen und Mädchen mit Behinderung - Wiener Programm für Frauengesundheit

Frauen mit Behinderung sind mit ausgrenzenden gesellschaftlichen Bedingungen, eingeschränktem Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und mit Vorurteilen konfrontiert. Barrieren gibt es auch im Gesundheitssystem, wie bauliche Barrieren, fehlende Einrichtungen aber auch Ignoranz und fehlendes Bewusstsein.

Eine Überschneidung verschiedener Diskriminierungsformen ist möglich. Zugleich sind Themen wie "Sexualität" und "Schwangerschaft" von Frauen mit Behinderungen gesellschaftlich tabuisiert. Frauen mit Behinderung werden überdurchschnittlich oft Opfer (sexualisierter) Gewalt.

Selbstbestimmung

Allerdings sind das Leben und die Lebensumstände von Frauen mit Behinderung vielfältig. Gemeinsam ist vielen Frauen mit Behinderung die Forderungen nach selbstbestimmtem Leben, Antidiskriminierung und Partizipation.

Lücken in der Frauenheilkunde schließen

Das Wiener Programm für Frauengesundheit versucht Defizite des Gesundheitssystems in Bezug auf Frauen mit Behinderung aufzuzeigen. Die Studie "Barrierefrei" brachte 2005 zutage, welche Barrieren im Zugang zu gynäkologischen Einrichtungen und welche Wissenslücken bei niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzten bestehen. Als ein Resultat des Projekts richtete die Projektpartnerin WGKK in einer Ambulanz einen barrierefreien gynäkologischen Stuhl ein.

Informationsbroschüre

2008 wurde eine Informationsbroschüre für Gynäkologinnen und Gynäkologen (444 KB PDF) entwickelt. Die Broschüre thematisiert die Lebensrealitäten von Frauen mit Behinderung, die Barrieren zum Gesundheitssystem sowie Hilfestellungen in der Behandlung. Sie wurde gemeinsam mit Gynäkologinnen, NGOs aus der Behindertenarbeit und betroffenen Frauen partizipativ erarbeitet.

Gynäkologische Informationen in leichter Sprache

Barrieren und Tabus stehen Frauen und Mädchen mit Behinderung oft im Weg, Wissen über ihren Körper zu erlangen. Zudem bestehen Unsicherheiten, da viele Frauen noch nie bei einer gynäkologischen (Vorsorge-)Untersuchung waren.

Bei "Jugend am Werk" wurde ein Pilotprojekt verwirklicht, bei dem Sexualaufklärung und Gewaltprävention für Mädchen mit Lernbehinderung im Zentrum standen.

Dieses Projekt motivierte das Wiener Programm für Frauengesundheit zur Entwicklung einer Informationsbroschüre in leichter Sprache zu diesem Thema. Unter dem Titel "Besuch bei der Frauen-Ärztin" (2 MB PDF) wird die Physiologie des Frauenkörpers übersichtlich und gut illustriert erläutert. Ebenso wird darauf eingegangen, was Frauen bei der Untersuchung erwartet und welche Verhütungsmittel es gibt. An der Gestaltung waren Frauen mit Behinderung und Betreuerinnen eingebunden, das Frauengesundheitszentrum FEM und die Beratungsstelle Ninlil.

Im Sinne der Barrierefreiheit wurde die Broschüre für sehschwache Frauen als Audio-CD herausgegeben.

Bedarfsstudie zur FEM Frauenassistenz

Frauen mit Behinderung sind seltener erwerbstätig als Männer mit Behinderung, obwohl sie ein gutes Drittel der vorgemerkten arbeitslosen Personen mit Behinderung ausmachen. Das Wiener Programm für Frauengesundheit ging der Frage nach, welche Leistungen der Arbeitsassistenz Frauen mit Behinderungen benötigen, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden.

Gemeinsam mit dem FEM Süd wurde beim Sozialministeriumsservice (vormals Bundessozialamt) eine Studie eingereicht, die die erforderliche Tätigkeit von Frauen-Arbeitsassistenz zur Betreuung, Begleitung und Integration von Frauen mit Behinderungen beschreibt. Auf Basis dieser Studie konnte die FEM Süd Frauenassistenz 2009 als niederschwellige Beratungsstelle für Frauen mit Behinderung mit und ohne Migrationshintergrund eröffnet werden. Sie wird vom Sozialministeriumsservice finanziert.

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Strategische Gesundheitsversorgung (Magistratsabteilung 24)
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