Lautes Telefonieren über Lautsprecher. Musikhören ohne Kopfhörer. Ein letzter Bissen Knoblauchpizza in der U-Bahn. Was für die einen harmlos erscheint, ist für viele ein großes Ärgernis. Genau hier setzt die neue Kampagne der Wiener Linien an, um die täglich mehr als 2,4 Millionen Fahrgäste auf klare Spielregeln und auf die gegenseitige Rücksichtnahme hinzuweisen. Mit lustigen Motiven unter dem Titel "Host kan Genierer?", einem Kampagnen-Song auf den Spuren eines Klassikers von Georg Danzer, Social-Media-Postings, diversen Durchsagen in den Stationen sowie strengen Kontrollen und Ermahnungen startet nun die Kampagne.
Viele Fahrgäste fühlen sich gestört
Neben persönlichen Erfahrungen vieler Fahrgäste bestärkt auch eine kürzlich von den Wiener Linien beauftragte Umfrage mit rund 800 Teilnehmer*innen zwischen 16 und 75 Jahren den Handlungsbedarf. Diese zeigt eine deutliche Wahrnehmungslücke: Nur 9 Prozent der Befragten geben an, schon einmal laut über Lautsprecher telefoniert oder Videos ohne Kopfhörer geschaut zu haben. Gleichzeitig fühlen sich 86 Prozent durch genau dieses Verhalten gestört. 92 Prozent halten es für wichtig, dass lautes Telefonieren und Videoschauen ohne Kopfhörer unterlassen wird.
Diese Diskrepanz zeigt: Das eigene Verhalten wird oft als weniger störend wahrgenommen, als es für das Umfeld tatsächlich ist. Die neue Kampagne "Host kan Genierer?" greift daher genau diesen Punkt auf und schafft Bewusstsein für die oft negative Wirkung des eigenen Handelns.
Wie bereits bei der Einführung des Essverbots in der U-Bahn, das 2019 auf Wunsch vieler Fahrgäste erfolgte, wird auch jetzt im ersten Schritt der neuen Offensive auf Information und Sensibilisierung gesetzt.
Plakate in ganz Wien
Ab 9. März 2026 sind die Kampagnenmotive im gesamten Stadtgebiet auf Plakaten zu sehen. Im Zentrum steht dabei typisches Fehlverhalten: ein Riesen-Handy und ein Telefonat, das akustisch den gesamten Waggon dominiert, eine überdimensionierte Leberkäse-Semmel in der U-Bahn, deren Duft die Mitfahrenden anwidert, ein riesiger Rucksack, der anderen den Platz nimmt.
Diese visuelle Übertreibung verdeutlicht, was im Alltag oft unterschätzt wird: Was für die einzelne Person klein wirkt, kann für das Umfeld große Auswirkungen haben - sei es durch Geruchsbelästigung, eingeschränkten Platz oder Lärm durch Telefonieren über Lautsprecher oder Musikhören ohne Kopfhörer.
Der gewählte Claim "Host kan Genierer?" ist ein ur-wienerischer Sager und macht klar: Respekt ist kein bürokratisches Regelwerk, sondern Teil von Gemeinschaft und Identität. Wer in Wien einsteigt, fährt mit Respekt - und trägt dazu bei, dass die Öffis für alle angenehm bleiben.
Musikalischer Appell
Neben den Plakaten ist der Song "Ka Genierer" zentraler Bestandteil der Kampagne. Das Lied ist eine neu interpretierte Version des Klassikers von Georg Danzer "I bin a Kniera". Der Song thematisiert augenzwinkernd, wie das eigene Verhalten andere stören kann, und macht hörbar, was viele im Öffi-Alltag erleben.
Damit verbindet die Kampagne Wiener Musikgeschichte mit einer zeitgemäßen Botschaft für mehr Rücksichtnahme - klar, einprägsam und, wie für die Wiener Linien typisch, mit einer Portion Augenzwinkern.








