Deutschland in den Jahren nach 1945: Eine Gesellschaft, offiziell "entnazifiziert", bemühte sich darum, die eigene Beteiligung an einem barbarischen Herrschaftssystem zu verdrängen und nicht auszusprechen. Im Prozess des kollektiven Verschweigens und Relativierens trat das historische Ausmaß des Zivilisationsbruchs, den Holocaust und Vernichtungskrieg markierten, zunehmend in den Hintergrund. Der Nationalsozialismus wurde zur abstrakten Chiffre des Bösen, individuelle Verantwortung verwischte sich. Die Rollen der Mitläufer, Helfer und Gleichgültigen verschwanden aus der öffentlichen Wahrnehmung und damit auch die Fragen nach Mitverantwortung innerhalb eines verbrecherischen Systems. Ein Volk auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit.
Die Essays und Reportagen von Helmut Ortner wenden sich entschieden gegen jede Form der Verharmlosung oder historischen Relativierung. Sie insistieren auf der Notwendigkeit des Erinnerns gerade angesichts gegenwärtiger politischer Bestrebungen, Erinnerungskultur zu delegitimieren oder zu marginalisieren. Im Zentrum steht die Einsicht, dass Vergangenheit nicht abgeschlossen ist: Die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen bleibt eine Aufgabe der Gegenwart.
Zum Autor
Helmut Ortner schreibt für zahlreiche Zeitungen und Magazine, unter anderem für die Frankfurter Rundschau, Cicero, Focus und The European. Zuletzt erschienen von ihm:
- Ohne Gnade - Eine Geschichte der Todesstrafe (2020)
- Das klerikale Kartell. Warum die Trennung von Staat und Kirche überfällig ist (2024)
- Heimatkunde. Falsche Wahrheiten. Richtige Lügen (2024)
Seine Bücher wurden bislang in 14 Sprachen übersetzt. Helmut Ortner ist Mitglied des PEN Berlin.
Sie können das Buch "Gnadenlos Deutsch. Täter, Helfer, Zuschauer - und die Entsorgung der NS-Zeit" bei der Veranstaltung erwerben.
