Laufend werden Container illegal geöffnet oder aufgebrochen und die brauchbaren Kleidungsstücke entnommen. Der weniger interessante Rest wird oft neben den Containern liegen gelassen sowie achtlos auf Gehsteige und Straßen geworfen. Dadurch kommt es zur Verunreinigung durch die Textilien selbst, Ungeziefer und weiterer Vermüllung rund um die Container.
Die Beschwerden über diese Miss-Stände kommen aus allen Bezirken. Die MA 48 muss mehrfach täglich ausrücken, um herumliegende Altkleidung einzusammeln und zu entsorgen. Die Betreiber dieser Container wurden über Jahre immer wieder aufgefordert, diese Miss-Stände zu beseitigen und für Sauberkeit im Umfeld ihrer Container zu sorgen.
Aktuell sind in Wien 2.280 Altkleider-Sammelcontainer auf öffentlichem Grund durch die Abteilung Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten bewilligt.
Verbot der Altkleidercontainer im öffentlichen Raum ab 1. Jänner 2027
Die neue Regelung soll mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Rechtliche Grundlage dafür sind eine Änderung des Wiener Gebrauchsabgabegesetzes und einer Ortspolizeilichen Verordnung des Magistrats zur Behebung des Missstandes. Die Änderung betrifft explizit die Aufstellung von Altkleider-Sammelcontainern auf öffentlichem Grund. Das Sammeln von Altkleidern per se bleibt grundsätzlich erlaubt. Mit der Entfernung der Container im öffentlichen Raum wird eine massive Reduktion der Verschmutzung erwartet.
Alternativen auf Mistplätzen, Secondhand-Shops und Internet-Plattformen
Nicht mehr benötigte Kleidung kann alternativ weiterhin bei Annahmestellen karitativer Organisationen, wie der Volkshilfe oder der Caritas, abgegeben werden. Auf privatem Grund können auch weiterhin Container aufgestellt werden.
Darüber hinaus gibt es viele Plattformen zum Kleidertausch. Einige Modeketten bieten bereits eigene Secondhand-Plattformen an und nehmen gebrauchte Kleider auch in den Shops zurück.
Voraussetzung für eine Wiederverwendung von gebrauchten Kleidungsstücken ist, dass nur qualitativ hochwertige Ware abgegeben wird, die auch Abnehmer*innen findet.
Durch die Flut an Fast Fashion undUltra-Fast Fashion ist diese Qualität nicht immer gegeben. Dadurch können viele Kleidungsstücke in Österreich und Europa nicht weiter- oder wiederverwendet werden.
48er-Tandler in Margareten und Donaustadt
Die lange Reise der Altkleider
Erst kürzlich hat eine Greenpeace-Recherche ergeben, wie weit die gesammelten Altkleider oft reisen und dass nur ein geringer Anteil tatsächlich wiederverwendet wird. Laut der Studie landet ein Teil schließlich häufig auf Müllhalden anstatt in den Kleiderkästen anderer Menschen.
Aufgrund der immer schlechteren Qualität der Sammelware kommt es am europäischen Markt auch zu einem massiven Preisverfall. Großabnehmer*innen und Sortieranlagen in Europa verlieren ihre Absatzmärkte und führten in letzter Zeit auch zu Konkursen bereits etablierter Sortierer in Europa. Da das Geschäftsmodell mit den Altkleidern zusammenzubrechen droht, muss umgedacht werden.
Alt-Textilien und Kreislaufwirtschaft
Mit den neuen Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie werden sich die Rahmenbedingungen für die Textilbewirtschaftung in Europa schon bald verändern. Die Sammlung und Verwertung aller Textilabfälle, zukünftig auch nicht wiederverwendbarer Altkleider, soll spätestens ab 2028 neu aufgestellt und finanziert werden. In weiterer Folge sollen auch entsprechende Behandlungskapazitäten in der EU entstehen, um alle Alttextilien einer Wiederverwendung oder einem Recycling zuführen zu können.