2007 ging in TownTown, Erdberg, die erste Fernkälte-Zentrale in Betrieb. Bald darauf folgten weitere Fernkälte-Zentralen in der Spittelau und am Schottenring, wo Wien Energie erstmals auch den Donaukanal zur Rück-Kühlung genutzt hat. Mittlerweile betreibt Wien Energie 25 Kältezentralen und versorgt über 300 Gebäude über ein immer weiter zusammenwachsendes Netz.
Bis 2030 investiert der größte regionale Energieanbieter dafür 100 Millionen Euro. Die Kälte-Leistung soll bis dahin von 250 auf 370 Megawatt steigen.
Eckdaten Fernkälte Wien
- Netzlänge Wiener-Fernkälte: 33 Kilometer
- Versorgte Gebäude: Etwa 300
- Kältezentralen: 8 mit Netzanschluss, 17 lokale ohne Netzanschluss
- Wiener Fernkälte-Leistung 2026: 250 Megawatt
- Wiener Fernkälte-Leistung 2030: 370 Megawatt
Es werden unter anderem das AKH, das Wiener Rathaus, die Universität Wien, das Naturhistorische Museum, das Musicaltheater Ronacher, das Hotel Sacher oder das Café Central mit Fernkälte versorgt. Auch Wohngebäude wurden bereits an das Fernkälte-Netz angeschlossen, etwa im Althan Park und im Nordbahnviertel. Mit dem Ringschluss des 4,7 Kilometer langen Fernkälterings wurde im Jahr 2024 ein Meilenstein für die flächendeckende Versorgung der Innenstadt erreicht. Die Bedeutung einer nachhaltigen, flächendeckenden Kühlung wird gerade in einer Großstadt und durch die zunehmenden Hitzetage immer größer.
Kühlung wird immer wichtiger
Mit den immer extremeren Wetterbedingungen steigt die Hitzebelastung, insbesondere in den dicht verbauten Gebieten der Stadt. Im bisherigen Rekordsommer 2024 gab es in der Wiener Innenstadt mehr als 50 Tropen-Nächte. Auch der Sommer 2025 war einer der 10 heißesten der Mess-Geschichte. Ende Juni 2026 wurde in Wien erstmals eine Temperatur von 40 Grad gemessen. Kühlung wird angesichts solcher Umstände zunehmend nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der Gesundheit. Dementsprechend steigt der Kühlbedarf.
Vorteile von Fernkälte
Fernkälte wird in Form von kaltem Wasser in sogenannten Kältezentralen produziert und über ein unterirdisches Leitungsnetz zu den Kund*innen transportiert. Dort nimmt es die überflüssige Wärme aus den Gebäuden auf und transportiert sie zurück zu den Kältezentralen, wo es erneut abgekühlt wird.
Dieses System hat gegenüber konventionellen Klimaanlagen mehrere Vorteile. Da die Abwärme nicht an die direkte Umgebungsluft abgegeben wird, heizen mit Fernkälte versorgte Gebäude die umliegende Stadt nicht weiter auf. Mit den Rück-Kühlern entfällt zudem ein gewisser Geräuschpegel, Dachflächen können anders genutzt werden und es gibt keine Konflikte mit dem Denkmalschutz.
Zur Gewinnung von Fernkälte setzt Wien Energie Ökostrom und Abwärme ein. Diese steht in Wien durch die Müllverbrennung auch im Sommer zur Verfügung, wenn weniger Leistung für die Fernwärme gebraucht wird. Wo das möglich ist, nutzt Wien Energie auch den Donaukanal für die Fernkälte.
Fernkälte-Zentrale MedUni Campus
Im Sommer 2025 hat Wien Energie in der neuen Fernkältezentrale MedUni Campus erstmals einen sogenannten Eis-Speicher in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um einen isolierten Container voll Wasser. Über mit Kühlmittel gefüllte Schläuche wird dieses Wasser zum mutmaßlich größten Eiswürfel der Stadt gefroren. Die so gespeicherte Kälte kann genutzt werden, um Verbrauchsspitzen zu den Mittagsstunden abzudecken und so einen effizienteren Betrieb der Kältemaschinen zu ermöglichen.