Sitzgelegenheiten spielen bei der Schaffung von Aufenthaltsmöglichkeiten und Mikrofreiräumen eine zentrale Rolle. Der Sitzbank, als kleinster Mikrofreiraum, kommt somit eine besondere Bedeutung zu. Besonders ältere Menschen und Kleinkinder sind auf ausreichende Sitzgelegenheiten in der Stadt angewiesen. Ebenso bieten Sitzgelegenheiten bei fehlendem privatem Freiraum die Möglichkeit, Zeit im Freien zu verbringen oder selbst mitgebrachtes Essen ohne Konsumzwang draußen zu genießen.
Ein multifunktionales und vielfältiges Angebot an Sitzgelegenheiten trägt zur Belebung des öffentlichen Raumes bei und verhindert Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Gruppen.
Besondere Orte des Verweilens können geschaffen werden, wenn bei der Auswahl und Situierung von Sitzmöbeln auf topographische Besonderheiten und die Freiraumstruktur geachtet wird, wie beispielsweise auf
- Geländesprünge,
- Mauern,
- Grenzen,
- Ausblicke auf Wasser,
- markante Gebäude oder
- funktionale Teilräume.
Bänke auf Mauern oder Sitzstufen können etwa Minitribünen für den besonderen Ausblick schaffen. Bänke an Mauern oder mit hoher Lehne können je nach Ausrichtung beliebte Sonnenbänke für die ersten Sonnenstrahlen im Frühling sein oder als Schutz einzelne Teilräume strukturieren.
Hockerbänke ohne Lehne ermöglichen Sitzen und Schauen in alle Richtungen. Sie können auch als Liegefläche genutzt werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist eine Auswahl an Bänken am umgestalteten Abschnitt des Donaukanals. Hier kann mit der Sonne im Rücken auf das Wasser geblickt werden oder aber zur Sonne gewandt verweilt werden.
Aufenthalt für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche haben eigene Bedürfnisse an Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Dabei wird nicht nur gesessen, sondern auch gehockt, gehangen, gelungert, gerne in erhöhter Position, es wird geklettert, erklommen, balanciert und gespielt.
Vor allem bei der Möblierung von Schulvorplätzen wird nicht nur auf eine farbenfrohe Gestaltung, sondern auch auf eine Möbelauswahl geachtet, die unterschiedlichste Bewegungs- und Verweilbedürfnisse ermöglicht, beispielsweise mit Sitzlandschaften aus Wellenbänken.
Stehenbleiben, Verweilen, Begegnen
Kurze Pausen im Bewegungsablauf schaffen Raum für Aufenthalt und Begegnung. Vor allem Grenzen und Kanten - von Spielplätzen, Parks, Terrassen, Geländestufen und Gewässern - fordern zum Stehenbleiben und Hinschauen auf. Mauern und Brüstungen, Geländer, Pulte und Sichtfenster unterstützen diese Form der Teilhabe im öffentlichen Raum. Als Teil der Gestaltungsaufgabe orientieren sie sich an unterschiedlichen Nutzer*innen und deren Körpergrößen.
Sitzfibel
Die Publikation "Sitzfibel" der Stadt Wien - Abteilung für Architektur und Stadtgestaltung (MA 19) beschreibt anhand von Best-Practice-Beispielen das Wiener Sitzangebot im öffentlichen Raum und kann als Hilfestellung und Inspiration bei weiteren Planungen von Verweilmöglichkeiten herangezogen werden: Sitzfibel - Sitzangebote im öffentlichen Raum






