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Low Traffic Grätzl: Neue, kostengünstige Verkehrsberuhigung

Nach dem Modell der "Low Traffic Neighbourhoods" in London kommen verkehrsberuhigte Wohngebiete in den Bezirken. Den Auftakt macht Meidling.

Die "Low Traffic Grätzl" sind neue, günstige Modelle für mehr Verkehrsberuhigung in den Wohnvierteln. Sie schaffen neue Aufenthaltsbereiche im Grätzl. Die Stadt Wien wird die Low Traffic Grätzl gemeinsam mit den Bezirken in den nächsten Jahren umsetzen.

Vorbild für die "Low Traffic Grätzl" sind die "Low Traffic Neighbourhoods" in London. Dort werden seit vielen Jahren kostengünstige Maßnahmen für verkehrsberuhigte Wohngebiete mit eingeschränktem Durchgangsverkehr umgesetzt.

Die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sollen vor allem dort umgesetzt werden, wo aufgrund von sommerlicher Hitze, geringerem Grünraum-Angebot und hoher Nutzungsintensität des öffentlichen Raums der größte Handlungsbedarf besteht.

Das erste "Low Traffic Grätzl" entsteht in Meidling.

Gerade in Zeiten angespannter Budgets wollen wir gemeinsam mit den Bezirken kostengünstige, attraktive Modelle ohne große bauliche Maßnahmen umsetzen und einen Mehrwert für die Anrainer*innen schaffen. Oft kann man mit einfachen Maßnahmen wie einer Umleitung des Verkehrs, Bodenbemalungen, mobilem Grün und Sitzbänken große Wirkung erzielen. Wir kombinieren Verkehrsberuhigung mit der Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum.

Wie funktioniert ein Low Traffic Grätzl?

Im Zentrum der Low Traffic Grätzl steht die Verkehrsberuhigung. Dazu werden Einbahnen umgedreht oder sogenannte Diagonalfilter errichtet. Das heißt, dass an Kreuzungen Pflanztröge zur Umleitung des Verkehrs aufgestellt werden. Autos können nicht mehr gerade durchs Grätzl durchfahren, sondern werden auf Hauptstraßen am Rand des Grätzls abgeleitet. Die Zufahrt für Lieferungen, Anrainer*innen und Einsatzfahrzeuge bleibt bestehen, aber der Durchzugsverkehr wird unterbunden. Radfahren soll überall möglich sein. Wo es möglich ist, können auch autofreie Bereiche und Fußgänger*innen-Zonen entstehen.

Der neu gewonnene Platz im Straßenraum wird anders genutzt. Es entstehen neue Aufenthaltsbereiche. Hier wird mit schnell und einfach umzusetzenden Maßnahmen gearbeitet: Bodenbemalungen, mobile Bäume in Trögen und Sitzbänke attraktivieren die Wohngebiete. Dieser Planungsansatz nennt sich "Tactical Urbanism".

Pioniergebiet in Meidling - Schulstandorte werden attraktiver

Den Beginn der Low Traffic Grätzl in Wien macht ein Pioniergebiet im Bereich rund um die Wolfganggasse in Meidling. Konkret liegt das Gebiet zwischen Längenfeldgasse - Steinbauergasse - Siebertgasse - Arndtstraße.

Geplant sind eine Fußgänger*innen-Zone in einem Teil der Wolfganggasse bei der Tichtelgasse und eine geänderte Verkehrsführung durch neue Einbahnregelungen und farbige Bodenmarkierungen. Mobile Begrünungs- und Sitz-Elemente sollen das Gebiet nachhaltig attraktiveren. Die bereits aus dem Supergrätzl Favoriten bekannten Diagonalfilter kommen auch hier zum Einsatz: Ehemals auf der Donauinsel genutzte Beton-Mistkübel werden wiederverwendet und bepflanzt, sodass sie Verkehrsströme gezielt lenken. Gleichzeitig wird dadurch mehr Raum für Aufenthalt und Begegnung in Kreuzungsbereichen geschaffen. Die neue Verkehrsorganisation soll für weniger Lärm, bessere Luft und mehr Sicherheit sorgen und so auch mehr Platz zum Spazieren und für Aufenthalt bieten. Umgesetzt werden die Maßnahmen in Meidling ab Herbst bis Jahresende 2026.

Eine Voraussetzung für die Umgestaltung der Gebiete ist die Prüfung der möglichen verkehrsorganisatorischen Maßnahmen, um die Bereiche genau eingrenzen zu können. Danach werden entsprechende Gestaltungsmaßnahmen geplant und umgesetzt.

Verkehrsberuhigung und eine höhere Aufenthaltsqualität sind gerade in den dicht besiedelten Grätzln des Bezirks eine große Verbesserung für die Meidlinger*innen. Deshalb freut es mich, dass Meidling hier als Pilotgebiet voranschreiten kann. Vor allem für die Bewohner*innen dieses Wohngebiets wird das Low Traffic Grätzl eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität mit sich bringen.

Weitere Low Traffic Grätzl sind geplant

Für die weiteren Standorte in derzeit 3 Bezirken ist der Planungsprozess bereits angelaufen. Mariahilf, Alsergrund und Rudolfsheim-Fünfhaus sind als nächste Grätzl dran.

Im 6. Bezirk soll nördlich der Gumpendorfer Straße in der Nähe der Stadtteilschule Mittelgasse und der Volksschule Sonnenuhrgasse ein Low Traffic Grätzl entstehen.

Im 9. Bezirk wird um den neuen MedUni-Campus neben Baumpflanzungen mit mobilen, kostengünstigen Maßnahmen die Mariannengasse und ihre Umgebung zukunfts- und klimafit gestaltet.

Im 15. Bezirk soll ein Low Traffic Grätzl rund um den Schwendermarkt für eine bessere Aufenthaltsqualität und mehr Verkehrssicherheit sorgen.

Die Prinzipien des Low Traffic Grätzl

Die Auswahl der Gebiete für ein Low Traffic Grätzl erfolgt auf Basis der im Wien-Plan definierten, prioritären Gebiete für die Transformation des öffentlichen Raums. Abhängig von der Bebauungsstruktur im Projektgebiet und weiteren Gegebenheiten können sich Low Traffic Grätzl sowohl hinsichtlich Größe als auch Ausgestaltung unterscheiden. Durch verkehrsorganisatorische Maßnahmen wird eine schnelle und kostengünstige Realisierung ermöglicht. Die Grätzl müssen nicht gleich zur Gänze umgesetzt, sondern können auch schrittweise entwickelt werden. Der Ausbau kann längerfristig erfolgen. Im Sinne der ressourcenschonenden und effizienten Entwicklung sind auch größtmögliche Synergien mit aktuellen und geplanten Vorhaben, wie der Ausbau von Radwegen, Fernwärme und U-Bahnen zu nutzen.

Anleihe hat sich Wien dabei bei den Low Traffic Neighbourhoods in London genommen. Seit 2020 wurden in London in mehreren Boroughs (Bezirken) über 200 verkehrsberuhigte Quartiere umgesetzt, häufig mit temporären Maßnahmen. Anders als die Superblocks aus Barcelona, das Vorbild für das Supergrätzl in Favoriten war, arbeiten sowohl die Londoner Low Traffic Neighbourhoods wie auch die Low Traffic Grätzl in Wien mit kleinräumigen, kostengünstigen und schnell umzusetzenden Maßnahmen. Low Traffic Neigbourhoods sind flexibel organisiert: Die Gebiete können unterschiedlich groß, temporär oder dauerhaft sein sowie bei Bedarf längerfristig verändert werden. In Low Traffic Neighbourhoods wird der Autoverkehr reduziert. Wer trotzdem ein Auto braucht, kann nach wie vor zufahren. Gleichzeitig bewegen sich mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, die Luftqualität verbessert sich spürbar und die Verkehrssicherheit insbesondere für Kindern wird erhöht.

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