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Gedenktafel am Kabelwerk erinnert an NS-Zwangsarbeit

Die neue Gedenktafel am Gelände des ehemaligen Kabelwerks in Meidling macht das Schicksal ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sichtbar.

Stadträtin Veronica Kaup-Hasler und Bezirksvorsteher Wilfried Zankl vor einer Gedenktafel
StRin Veronica Kaup-Hasler und BV Wilfried Zankl vor der Gedenktafel

Im Mai 2026 enthüllten Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und Bezirksvorsteher Wilfried Zankl eine Gedenktafel, die an jene Menschen erinnert, die am Standort der damaligen Kabel- und Drahtwerke AG in der Oswaldgasse während der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten.

Sichtbares Zeichen gegen das Vergessen

Die Tafel ist ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und für die dauerhafte Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.

Eine lebendige Erinnerungskultur bedeutet, auch jenen Menschen einen sichtbaren Platz im öffentlichen Gedächtnis zu geben, deren Leid viel zu lange übersehen wurde. Hinter dem Gedenken stehen einzelne Schicksale von Menschen, die hier im dunkelsten Kapitel der österreichischen Geschichte zu menschenverachtender Arbeit gezwungen wurden. Es ist unser Auftrag, daran sichtbar zu erinnern und auch für die Zukunft daraus zu lernen. Wir dürfen nicht vergessen. Wir dürfen das einfach nie wieder zulassen.

Verdrängtes Kapitel der Geschichte

Zwischen 1942 und 1945 bestanden auf Wiener Stadtgebiet zahlreiche Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Dazu kamen Sammellager für Jüdinnen und Juden sowie andere vom NS-Regime verfolgte Gruppen. Auch am Gelände der damaligen Kabel- und Drahtwerke AG in der Oswaldgasse 33 befand sich ein solches Lager.

Dokumentiert ist der Standort unter anderem in einem Volksgerichtsakt gegen den NS-Funktionär Dr. Siegfried Seidl. Darin findet sich eine Liste, die ein jüdischer Arzt 1946 als Zeuge vorlegte. Sie verzeichnet Lager ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Wien und Umgebung sowie die jeweiligen Betriebe, denen diese Lager zugeordnet waren. Auch das Lager in der Oswaldgasse wird darin angeführt. Zum Zeitpunkt einer Inspektion lebten dort laut den Unterlagen 50 Menschen: 34 Frauen, 9 Männer und 7 Kinder. 40 Personen galten damals noch als "arbeitsfähig".

Vom Industrieareal zum Stadtquartier

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gerieten viele Orte der Zwangsarbeit jahrzehntelang in Vergessenheit. Erst durch historische Forschung und lokale Erinnerungsarbeit rückten die Schicksale der Betroffenen wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein.

Das ehemalige Kabelwerk zählt heute zu den größten Stadtentwicklungsgebieten Meidlings. Nach der Schließung der Kabel- und Drahtwerke AG im Jahr 1997 entstand auf dem rund acht Hektar großen Areal ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Geschäften, Gastronomie, Büros, Kulturangeboten und öffentlichen Freiflächen. Mit der neuen Gedenktafel bleibt zugleich sichtbar, welche Geschichte dieser Ort trägt.

Kontakt

Bezirksvorstehung des 12. Bezirks

Telefon: +43 1 4000-12111
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