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"Walk of Fem" in Margareten

Auf dem "Walk of Fem" im Margaretner Schütte-Lihotzky-Park werden wichtige Margaretner Frauen geehrt.

Der "Walk of Fem" im Margaretner Schütte-Lihotzky-Park erinnert an wichtige Margaretner Frauen.

Idee zum "Walk of Fem"

Der "Walk of Fem" ist optisch angelehnt an den Walk of Fame in Hollywood. Als Idee haben ihn die Linzer Künstlerinnen Margit Greinöcker und Betty Wimmer nach Österreich gebracht. Seit 2020 würdigen Sterne entlang der Donau in Linz wichtige Frauen-Figuren.

Mit den ersten 5 Sternen im Schütte-Lihotzky-Park kommt diese Form der Würdigung für wichtige Frauen mit Margareten-Bezug auch nach Wien. Beim Margaretner "Walk of Fem" handelt es sich um einen Beschluss der Bezirksvertretung Margareten nach einem Antrag von NEOS und KPÖ-LINKS.

Der "Walk of Fem" in Margareten macht Frauen aus Geschichte, Gesellschaft, Kunst, Wissenschaft und Politik sichtbar. Diese Form der Erinnerungskultur stärkt das öffentliche Bewusstsein für die Leistungen von Frauen und die Vielfalt an Lebensrealitäten.

Frauen am Margaretner "Walk of Fem"

Smaragda Berg

11. September 1886 bis 14. Dezember 1954

Smaragda Berg war lange nur als die Schwester des Komponistin Alban Berg bekannt, aber auch sie selbst war Pianistin, Korrepetitorin und Klavierpädagogin. Sie wuchs im bürgerlichen Wien auf, wo ihre Eltern ein Buchhandel- und Exportgeschäft besaßen. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie gut vernetzt in den künstlerischen und intellektuellen Wiener Kreisen, zum Beisipel mit Gustav Klimt, Louise Kartousch, Adolf Loos, Erika Stiedry-Wagner, Karl Kraus, Anna Bahr-Mildenburg und Peter Altenberg. In diesem weltoffenen Umfeld konnte sie ihre Homosexualität offen kommunizieren. Der Autor Peter Altenberg schrieb über sie: "Wir beide, der Dichter mit dem platonischen Herzen, und die romantische Lesbierin, müssen zusammenhalten, und ein neues veredeltes Bündnis eingehen, gegen alle!"

Sie wird als gewissenhafte und im Lied und Opernfach gleichermaßen bewandere Musikerin beschrieben. Sie begleitete Zeit ihres Lebens Sängerinnen bei der Erarbeitung von Opernrollen. Finanziell abgesichert war sie dabei allerdings nie.

Auch wenn sie in den 1910er-Jahren mit ihrer damaligen Lebensgefährtin May Keller einige Jahre in Berlin lebte und dort unter anderem mit Arnold Schönberg Kontakt pflegte, war ihr Lebensmittelpunkt Wien. Sie wirkte dabei in einem frühen lesbischen Netzwerk der Wiener Moderne rund um das Naschmarkt-Grätzl und dem Wiental.

Helene Kafka / Schwester Maria Restituta

1. Mai 1894 bis 30. März 1943

Schwester Maria Restituta ist die einzige Ordensfrau, die während des Nationalsozialismus zum Tode verurteilt und ermordet wurde. Als Märtyrerin und Widerstandkämpferin wurde sie 1998 als von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Sie wurde 1894 als Helene Kafka in der Nähe von Brünn geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 20 Jahren trat sie dem Orden der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe bei, der seinen Sitz im Margaretner Franziskus-Spital hat. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete sie als Operationsschwester und Narkotiseurin im Krankenhaus Mödling.

Wegen ihrer direkten Art erhielt sie den Spitznamen Schwester "Resoluta". Diese undiplomatische Art behielt sie auch in der Zeit des Nationalsozialismus bei, den sie vehement ablehnte, weil die Religion zurückgedrängt wurde und Österreich nicht mehr eigenständig war. Im Februar 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet, nachdem sie in den Operationssälen Kruzifixe aufgehängt und ein regimekritisches Soldatenlied vervielfältigt hatte. Sie wurde im Oktober 1942 zu Tode verurteilt und im März 1943 von den Nazis ermordet. Sowohl in ihrer Gefangenschaft als auch davor im Krankenhaus half sie allen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung.

Im Franziskus-Spital gibt es eine Dauerausstellung über ihr Leben.

Maria Restituta

Margarete Schütte-Lihotzky

23. Jänner 1897 bis 18. Jänner 2000

Margarete Schütte-Lihotzky wurde 1897 in Wien-Margareten geboren, wo sie in einer bürgerlich-liberalen Familie aufwuchs. Sie bestand 1915 die Aufnahmeprüfung für die Kunstgewerbeschule (heute: Universität für angewandte Kunst), wo Frauen - im Vergleich zu anderen Universitäten - bereits vor 1919 studieren konnten. Nach ihrem Studium begann sie als Architektin zu arbeiten und war damit eine der ersten in ihrem Beruf.

Sie war international in zahlreiche soziale Wohnbauprojekte eingebunden. Ihre Arbeiten zeichnen sich dadurch aus, dass die Gestaltung bis ins Detail durchdacht ist. Das gilt nicht nur für die Frankfurter Küche, sondern auch für ihre letzte Wohnung in der Margaretner Franzensgasse, die heute als Museum besichtigt werden kann.

Während des Nationalsozialismus schloss sich Schütte-Lihotzy dem kommunistischen Widerstand an. Die Jahre 1940 bis 1945 verbrachte sie in Gefangenschaft. In ihrem Buch "Erinnerungen aus dem Widerstand" beschrieb sie diese Zeit. 1947 kehrte sie nach Wien zurück und wollte sich als Architektin beim Wiederaufbau der Stadt einbringen. Aus parteipolitischen Gründen erhielt sie allerdings kaum öffentliche Aufträge. Erst ab ihrem 80. Geburtstag wurde sie in Österreich geehrt und mit zahlreichen Preisen bedacht.

Margarete Schütte-Lihotzky

Helga Pankratz

6. Februar 1959 bis 27. Jänner 2014

Helga Pankratz bezeichnete sich selbst als Autorin und Kulturarbeiterin. Sie war unter anderen in den Redaktionen des Morgenschtean vom Verein Österreichische Dialektautor*innen und -archive (Ö.D.A.), der feministischen Zeitschrift an.schläge und der "Stimme", der Zeitschrift der Initiative Minderheiten, aktiv. In den LAMBDA-Nachrichten, der Zeitschrift der HOSI (Homosexuelle Initiative) schrieb sie ab 1990 die Kolumne "Aus lesbischer Sicht", die 2002 auch als Buch veröffentlicht wurde. Sie schrieb nicht nur journalistische Texte, sondern auch Gedichte, Kurzprosa, Essays und Kabarettexte. In ihren Texten setzte sie sich mit lesbischen Lebensrealitäten und Feminismus auseinander.

Bekannt ist Pankratz auch als Aktivistin für eine geschlechtergerechte Lebensweise. Bereits in den Anfangszeiten der HOSI (Homosexuelle Initiative), die 1979 mit einem Fokus auf schwule Männer gegründet wurde, war Pankratz dort aktiv. Sie baute gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin ab 1981 eine lesbische Gruppe innerhalb der HOSI auf, um lesbische Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Die Gruppe bot Lesben einen Ort für Austausch, Unterhaltung, Gemeinschaft und feministischen Aktivismus. Bis heute findet der LesBiFem-Abend jeden Mittwoch statt, der sich mittlerweile an alle queeren Frauen und Personen abseits der binären Geschlechterwelt richtet. Von 2001 bis 2004 war Helga Pankratz auch Obfrau der HOSI.

Seit 2022 trägt ein Platz im Margaretner Naschmarkt-Grätzl ihren Namen. Der Helga-Pankratz-Platz liegt an der Kreuzung Strobachbasse/Schönbrunner Straße. Die Zusatztafel bezeichnet sie als Pionierin der Frauen- und Lesbenbewegung.

Interview mit Helga Pankratz zur Gründung des Lesbengruppe innerhalb der HOSI:

Stonewall in Wien - die 1970er: Helga Pankratz - Qwien

Ines Rieder

3. Mai 1954 bis 24. Dezember 2015

Die gebürtige Wienerin Ines Rieder war Historikerin, Politikwissenschafterin und Autorin. Seit den späten 1960er Jahren war sie in der Frauen- und Lesbenbewegung aktiv. In den 1970er Jahren zog sie für rund 20 Jahre nach Kalifornien, wo sie gemeinsam mit Patricia Ruppelt 1988 das weltweit erste Buch zu AIDS und Frauen veröffentlichte. Damals waren HIV und AIDS als Erkrankung, die ausschließlich Schwule betrifft, in der Öffentlichkeit bekannt.

Mitte der 1990er Jahre kehrte Ines Rieder nach Wien zurück und engagierte sich im Österreichischen Lesben- und Schwulenforum (ÖLSF), im "Stichwort - Archiv für Frauen- und Lesbenbewegung" sowie im "Qwien - Zentrum für queere Geschichte", das seit 2025 in Margareten beheimatet ist. Sie war Zeit ihres Lebens als Kuratorin für Qwien-Ausstellungen - unter anderem für geheimsache:leben, der ersten großen Ausstellung zu homosexuellem Leben Österreich 2005 - und als Führerin von queeren Stadtspaziergängen aktiv. Sie publizierte zahlreiche Biographien für Lesben und queere Frauen.

Nachruf auf Ines Rieder bei Qwien: Ines Rieder. Eine Erinnerung

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