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Vom Lueger-Denkmal zum Mahnmal

Die künstlerische Kontextualisierung des Lueger-Denkmals mit dem Titel "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" ist fertiggestellt.

Das Denkmal für den Bürgermeister Karl Lueger wurde künstlerisch umgestaltet und kontextualisiert. Nach dem Entwurf von Künstler Klemens Wihlidal wurde es um 3,5° nach rechts geneigt. Durch die Umarbeitung wurde ein Lern- und Diskussionsort geschaffen, der Besucher*innen für Antisemitismus und politischen Populismus sensibilisieren soll.

Die Stadt stellt sich damit der Debatte um den angemessenen Umgang mit belasteten Denkmälern und vereint mit dem Projekt Erinnerungskultur und Geschichtsvermittlung.

Die kritische Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit ist unverzichtbar. Ein Wegräumen oder gar Auslöschen der Vergangenheit widerspricht unserem Verständnis von Erinnerung und verunmöglicht kritische Reflexion. Vermittlung darf nicht nur in Geschichtsbüchern und Museen stattfinden, sondern muss auch im öffentlichen Raum passieren. Gedenk- und Erinnerungskultur nehmen in der Stadt Wien einen hohen Stellenwert ein. Mit der Umgestaltung des Lueger-Denkmals zum Mahnmal gelingt es uns, die mahnende Erinnerung an dunkle Momente der Geschichte Wiens zu bewahren sowie einen Dialog aufrechtzuerhalten - jetzt und für kommende Generationen.
Antisemitismus ist weltweit im Steigen begriffen - eine Entwicklung, die auch vor Wien nicht Halt macht. Gerade angesichts der österreichischen Rolle als Täterland ist es alternativlos, entschieden gegen jede Form des Antisemitismus aufzutreten.

Breit angelegte Beteiligung im Vorfeld der Kontextualisierung

Das Projekt zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal ist das Ergebnis einer breit geführten Debatte über den Umgang mit der historisch belasteten Persönlichkeit Karl Lueger.

Bereits im Jahr 2021 fand dazu im Festsaal des Rathauses ein Forum mit Expert*innen aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft statt. Dort wurde klar, dass die Stadt ein starkes Zeichen setzen möchte, das sich mit gesellschaftlichem Nachdenken über Geschichte, Antisemitismus und Verantwortung im Heute auseinandersetzt - in Form einer direkten Auseinandersetzung mit der Statue.

2022 wurde für die permanente Kontextualisierung ein Wettbewerb ausgeschrieben. Unter den 13 Einreichungen der zum Wettbewerb eingeladenen Künstler*innen überzeugte der Entwurf von Klemens Wihlidal eine international besetzte Jury aus Kunst, Wissenschaft, Verwaltung und Politik.

Der künstlerische Entwurf "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)"

Durch den künstlerischen Eingriff am Monument "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" wird das Denkmal um 3,5 Grad nach rechts geneigt und bricht dadurch mit der unkritischen Huldigung Luegers. Mit dieser simplen künstlerischen Geste bringt Klemens Wihlidal das Denkmal optisch aus der Balance und schafft ein Bild zwischen Stehen und Fallen: Sockel und Statue verharren in einem Zustand des permanenten Falls, der dem Denkmal den Anspruch auf Monumentalität entzieht. Diese Irritation soll die öffentliche, kritische Diskussion zum Umgang mit Karl Lueger und dessen antisemitischer Rhetorik und Politik lebendig halten.

Zusätzlich zur künstlerischen Intervention gibt es einen Text von Historiker Oliver Rathkolb zur Kontextualisierung des Denkmals. Rathkolb verfasste bereits den Text für die 2016 neben dem Denkmal errichtete Erläuterungstafel. Eine Stele versammelt neben dieser geschichtlichen Neubewertung auch einen Text zu Klemens Wihlidals künstlerischer Intervention (jeweils in Deutsch und Englisch).

Restaurierung

Nach Abschluss aller notwendigen Vorarbeiten, Materialüberprüfungen und Ausschreibungen wurde im Jänner 2026 mit der Umsetzung von "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" begonnen. Im Zuge der Restaurierung wurden die abgeschlagenen Teile der Skulpturen und Reliefs wiederhergestellt und Farb- und Bitumenschichten am Denkmal entfernt. Die Konstruktion, bestehend aus Sockel und Statue, unterliegt dem Denkmalschutz. Die vom Bundesdenkmalamt vorgegebenen Instandhaltungsmaßnahmen wurden parallel zu den Baumaßnahmen vorgenommen und konnten so unter Werkstattbedingungen kostenschonend umgesetzt werden.

Kosten

Die Gesamtkosten des Projekts "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" belaufen sich von 2022 bis 2026 auf rund 776.000 Euro.

Ausblick und Angebote zur Vermittlung

Die Kontextualisierung des Lueger-Denkmals ergänzt KÖR Wien durch niederschwellige und partizipative Geschichtsvermittlung. Dazu gehörte ein Vermittlungsangebot für Schulklassen in Kooperation mit dem Jüdischen Museum sowie diverse Gesprächsformate für Universitäten und Volkshochschulen. Von 2023 bis 2024 wurde in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Wien ein umfangreiches schulisches Format für "die historisch-politische Bildung" realisiert.

Ende Juni und Anfang Juli 2026 beginnen in Kooperation mit dem Bildungsverein "Lernen in gesellschaftlichen Spannungsfeldern" Workshops vor Ort zu Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus in Wien.

Das weitere Vermittlungsprogramm ab Herbst 2026 mit einem Schwerpunkt für Schüler*innen ist in Planung. Dazu werden Gespräche zu möglichen Kooperationen unter anderem mit dem Jüdischen Museum Wien geführt.

Stark nachgefragt sind die regelmäßigen Führungen in Wien zu Gedenkorten der österreichischen Erinnerungskultur, die KÖR Wien kostenlos für Schulen, Universitäten und die Öffentlichkeit anbietet: KÖR - Vermittlung

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Stadt Wien - wien.gv.at-Redaktion

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