Der Wiener Religionsrat startet mit einer ambitionierten Agenda ins Jahr 2026: Am 29. Jänner 2026 diskutierte Bürgermeister Michael Ludwig gemeinsam mit Vertreter*innen der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sowie religiösen Bekenntnisgemeinschaften zentrale gesellschaftspolitische Themen. Dazu zählten Digitaler Humanismus, interreligiöser Zusammenhalt und konkrete Maßnahmen für das friedliche Miteinander in der Stadt. Im Rahmen der Sitzung wurde ebenso die Grundsatzerklärung des Religionsrates unterzeichnet.
Digitaler Humanismus als strategisches Zukunftsthema
Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Beratungen war der Austausch mit Klemens Himpele, CIO der Stadt Wien, zur Rolle von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz im urbanen Kontext. Schließlich seien gerade Religionsgemeinschaften wichtige Akteure bei der Vermittlung von Orientierung, Werthaltungen und gesellschaftlichem Dialog.
Grundsatzerklärung
Die Grundsatzerklärung beinhaltet ein klares Bekenntnis zu humanitären Grundwerten wie Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und der Gleichwertigkeit der Geschlechter.
Gemeinsam positioniert sich der Religionsrat ausdrücklich gegen:
- religiös motivierte Gewalt
- politischen Missbrauch von Religionen
- Rassismus, Antisemitismus, Antialevitismus
- antimuslimische und antichristliche Tendenzen
- Ausgrenzung und Feindseligkeit gegenüber Religionen
"Die Grundsatzerklärung unterstreicht Wien als Stadt des Friedens und des Dialogs. Sie zeigt, dass interreligiöse Zusammenarbeit funktioniert und in unserer Stadt täglich gelebt wird", sagt Bürgermeister Michael Ludwig.
Darüber hinaus enthält die Erklärung konkrete Maßnahmenvorschläge, etwa zur Bildungsarbeit gegen Vorurteile, zur Ausweitung seelsorgerischer Angebote in Krankenanstalten und Justizanstalten sowie zur Eindämmung von Hass und Radikalisierung in digitalen Medien.
Hintergrund
Der vom Wiener Bürgermeister initiierte Religionsrat versteht sich als verbindendes Dach zwischen den Religionen und als Plattform für Austausch und Beratung. Ziel ist es, zu sozialem Frieden, Respekt und einem solidarischen Miteinander in der Stadt beizutragen.
Grundsatzerklärung in voller Länge
Grundsatzerklärung des Wiener Religionsrates
- Der vom Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann Dr. Michael Ludwig initiierte Wiener Religionsrat umfasst die gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sowie die religiösen Bekenntnisgemeinschaften. Der Wiener Religionsrat ist ein Beratungsgremium für den Wiener Bürgermeister.
- Der Wiener Religionsrat basiert auf dem langjährigen und konstruktiven Dialog der Kirchen, Religionsgesellschaften und Bekenntnisgemeinschaften in unserer offenen und internationalen Stadt. Er versteht sich als verbindendes Dach über den Religionen.
- Religionen sollen grundsätzlich nicht gegeneinander ausgespielt werden. In Wien steht der interreligiöse Dialog im Vordergrund. Ein zentrales Ziel besteht im gemeinsamen Engagement für den Frieden und das friedliche Zusammenleben sowie gegen religiös motivierte Gewalt und politischen Missbrauch von Religionen.
- Diese Zielsetzung erfolgt im Bewusstsein, dass die Konflikte in der Welt von Wien aus nicht gelöst werden können, jedoch ein Beitrag geleistet werden kann, damit diese Konflikte in dieser lebenswerten Stadt keinen Niederschlag finden.
- Der Wiener Religionsrat ist auch ein Zeichen der Anerkennung und Würdigung der gesellschaftlichen Leistungen und Beiträge der Religionsgemeinschaften für die Gesamtgesellschaft, unter anderem in sozialen, kulturellen und spirituellen Bereichen, sowie für Bildung und als Quelle von Rückhalt und Hoffnung in Zeiten der Krise.
- Dafür ist es auch wichtig, dass die rechtlichen Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit von Staat, Gesellschaft und Kirche sowie die nötige finanzielle Basis der Religionsgemeinschaften anerkannt und aufrechterhalten werden.
- Im Wiener Religionsrat dominiert nicht eine Kirche, Religionsgesellschaft oder Bekenntnisgemeinschaft die anderen. Die Kommunikation erfolgt auf Augenhöhe. Die Hand zum Miteinander ist stets ausgestreckt. So sollen die guten Kontakte und Freundschaften gefestigt werden. Nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame steht im Mittelpunkt. Unterschiede und religiöse Bräuche werden respektiert. Die gute Vernetzung untereinander ermöglicht eine wechselseitige Unterstützung. Motto: Wer eine Religion angreift, greift alle an!
- Daher ist der Wiener Religionsrat ein Signal für den respektvollen Zusammenhalt, der über die Grenzen von Wien hinaus Beachtung findet.
- Die Kirchen, Religionsgesellschaften und Bekenntnisgemeinschaften engagieren sich Seite an Seite gegen Pauschalurteile, Vorurteile und stereotype Feindbilder, die von radikalen politischen und religiösen Gruppierungen häufig für ihre ideologischen Zwecke benutzt werden. Gemeinsam tritt der Wiener Religionsrat gegen Anfeindungen und Ausgrenzungen von Religionen, wie beispielsweise Rassismus, Antisemitismus, Antialevitismus, antimuslimische und antichristliche Tendenzen sowie politischen Missbrauch von Religionen auf.
- Desgleichen orientieren sich die Mitglieder des Wiener Religionsrat an humanitären Grundwerten wie der Würde, und der Freiheit des Menschen, der Gerechtigkeit sowie der Gleichwertigkeit der Geschlechter. Zugleich tritt der Wiener Religionsrat gegen jede Form von Diskriminierung und Bedrohung des religiösen Lebens sowie gegen jede Form einer radikalen Strömung aus einer bzw. gegen eine Religion auf.
- Bei seinen Zusammenkünften wird der Wiener Religionsrat konkrete Anliegen formulieren, wie etwa den kontinuierlichen Ausbau der Bildungsarbeit, um Vorurteile gegenüber Religionen abzubauen, und der seelsorgerischen Arbeit in Krankenanstalten. Auch die Ausweitung der Gefängnisseelsorge, um einer zusätzlichen Radikalisierung meist junger Menschen vorzubeugen, sowie die Regulierung von Hass verbreitenden Medien, Foren und Messenger-Diensten in den Sozialen Medien stehen auf der Forderungsliste.
- Der Wiener Religionsrat unterstützt Möglichkeiten zur Teilhabe an demokratischen Prozessen. Dadurch könnte der Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen in unserer modernen Gesellschaft entschieden entgegengewirkt werden.
- Der Wiener Religionsrat befürwortet eine starke Verankerung in den Bezirken. Auf Veranstaltungen in den Bezirken und "Grätzln", etwa auch mit musikalischem Programm und kulinarischem Angebot, können Kirchen, Religionsgesellschaften und Bekenntnisgemeinschaften ihren Glauben der
- Bevölkerung näherbringen, um Interesse auf- und Vorurteile abzubauen.
- Der Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann wird den Wiener Religionsrat in regelmäßigen Intervallen zu Zusammenkünften einladen, wo aktuelle Herausforderungen und Erfolge, Wünsche und Pläne der Kirchen, Religionsgesellschaften und Bekenntnisgemeinschaften miteinander diskutiert werden können.
- Die Mitglieder des Wiener Religionsrates anerkennen diese Grundsatzerklärung als gemeinsame Basis und unterstützen diese.








