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Wien fördert Forschung und Versorgung bei ME/CFS

2 neue Forschungsprojekte zur Krankheit ME/CFS werden mit insgesamt rund 2 Millionen Euro unterstützt. Ab Sommer 2027 soll ein spezialisiertes Zentrum für Menschen mit ME/CFS und anderen post-akuten Infektionssyndromen den Betrieb aufnehmen.

Ludwig, Häupl und Ströck bei einer Pressekonferenz
v.l.n.r.: Michael Häupl (Präsident des WWFT), Bürgermeister Michael Ludwig, Gerhard Ströck (Vorstand der WE&ME Stiftung)

Die Stadt Wien, der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) und die WE&ME Stiftung vergeben 2 sogenannte Consolidation Grants mit jeweils rund 1 Million Euro. Das sind die bisher größten Einzelförderungen für ME/CFS-Forschung in Österreich.

Die Forschungsprojekte sollen helfen, die Krankheitsmechanismen von ME/CFS besser zu verstehen und die Diagnostik zu verbessern.

Wenig Forschung trotz vieler Betroffener

In Österreich sind schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Menschen von ME/CFS betroffen. Rund 60 Prozent der Erkrankten sind teilweise arbeitsunfähig. Etwa ein Viertel ist an das Haus oder Bett gebunden. Trotzdem ist die Erkrankung bisher wenig erforscht.

Wo Wissen fehlt, muss Forschung ansetzen. Gesundheit heißt für uns beides: exzellente Forschung und eine Versorgung, die bei den Menschen ankommt.

2 neue Forschungsprojekte

Die beiden neuen Forschungsprojekte wurden von einer internationalen Fachjury ausgewählt. An der Begutachtung waren auch Wissenschafter*innen beteiligt, die selbst an ME/CFS erkrankt sind.

Untersuchung der Energieversorgung im Körper

Das Forschungsprojekt "ME-RESET" der Medizinischen Universität Wien untersucht, warum die Energieversorgung von Gehirn und Muskeln bei Menschen mit ME/CFS beeinträchtigt sein könnte.

Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass der Körper von ME/CFS-Erkrankten einen kontrollierten Sauerstoffmangel möglicherweise schlechter ausgleichen kann als jener von gesunden Menschen.

Das Forschungsteam untersucht nun, ob die Ursache dafür in der Durchblutung oder in den Mitochondrien liegt. Mitochondrien sind Bestandteile der Zellen, die Energie bereitstellen. Außerdem wird untersucht, ob sich diese Störung durch die Zufuhr von Sauerstoff teilweise rückgängig machen lässt.

Das Projekt läuft 36 Monate und wird mit rund 1 Million Euro gefördert.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

Genetische Ursachen untersuchen

Das 2. Forschungsprojekt untersucht, ob bei manchen Menschen mit einer ME/CFS-Diagnose eine bisher unerkannte seltene genetische Erkrankung vorliegt.

Dafür werden die genetischen Informationen von Betroffenen untersucht. Ein eigenes Fachgremium bewertet die Ergebnisse.

Ziel ist es, seltene genetische Erkrankungen zu erkennen und die Diagnose von ME/CFS zu verbessern.

Auch dieses Projekt läuft 36 Monate und erhält rund 1 Million Euro.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

Forschungsförderung seit 2024

Der WWTF und die WE&ME Stiftung fördern seit 2024 gezielt die ME/CFS-Forschung in Wien. Bisher wurden folgende Maßnahmen unterstützt:

  • 2024: 7 erste Forschungsprojekte mit insgesamt 700.000 Euro
  • 2025: Aufbau einer ME/CFS-Biobank an der Medizinischen Universität Wien mit 200.000 Euro
  • 2026: 6 Förderungen für junge Forscher*innen mit insgesamt 233.000 Euro
  • 2026: 2 größere Forschungsprojekte mit insgesamt rund 2 Millionen Euro

Die WE&ME Stiftung wurde von der Familie Ströck gegründet, um die Forschung zu ME/CFS zu unterstützen. Sie arbeitet bei der Vergabe der Fördermittel mit dem WWTF zusammen.

Die Medizinische Universität Wien ist außerdem seit September 2024 Sitz des Nationalen Referenzzentrums für postvirale Syndrome. Das Zentrum informiert Gesundheitsberufe in ganz Österreich über Erkrankungen, die nach Virusinfektionen auftreten können.

Neues PAIS-Zentrum ab Sommer 2027

Neben der Forschung wird auch die medizinische Versorgung von Menschen mit ME/CFS und anderen post-akuten Infektionssyndromen (PAIS) ausgebaut.

Der Wiener Gesundheitsverbund richtet dafür ein spezialisiertes PAIS-Zentrum ein. Es soll Menschen mit Erkrankungen wie ME/CFS und Post-COVID eine erste Anlaufstelle bieten.

Das Zentrum wird schrittweise eröffnet:

  • Sommer 2027: Start der medizinischen Versorgung in einer ersten Ausbaustufe
  • Mitte 2028: Geplanter Vollbetrieb des Zentrums

Das Angebot umfasst die Diagnose, die Behandlung von Beschwerden sowie die medizinische und therapeutische Begleitung der Patient*innen. Die Versorgung erfolgt nach aktuellen medizinischen Leitlinien.

Weitere Informationen zum PAIS-Zentrum

Was ist ME/CFS?

ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom. Es ist eine schwere neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die von der WHO seit 1969 als neurologische Erkrankung klassifiziert ist (ICD G93.3).

Kernsymptom ist die Post-Exertional Malaise (PEM): Schon nach geringer körperlicher oder geistiger Belastung verschlechtert sich der Zustand der Betroffenen deutlich, meist zeitverzögert um 24 bis 72 Stunden. Aktivierung oder Training verschlimmern die Erkrankung. Empfohlen wird Pacing, also ein angepasstes Energiemanagement.

ME/CFS tritt häufig nach Virusinfektionen auf, auch nach COVID-19. Eine Behandlung, die die Ursache der Erkrankung beseitigt, gibt es bisher nicht.

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