Am 9. Juni 2026 startete das Darmkrebs-Screening in Wien. Damit soll die Früherkennung dieser Krebsart deutlich verbessert werden. 540.000 Wiener*innen zwischen 45 und 75 Jahren werden in den nächsten 11 Monaten ein Einladungsschreiben erhalten, mit der Möglichkeit an diesem Programm teilzunehmen. Das Programm soll keinen Ersatz für die bestehenden Abklärungsmöglichkeiten im niedergelassenen Bereich sein, sondern diese sinnvoll ergänzen. Die Teilnahme der Wiener*innen an Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen soll damit deutlich erhöht werden.
Für 700.000 Wiener*innen ist Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung empfohlen
Bei diesem Screening-Programm folgt man der Empfehlung der EU-Kommission, einen fäkalen immunochemischen Stuhltest (FIT) anzubieten. Eine weitere Grundlage ist die Empfehlung des Nationalen Screening-Komitees für Krebserkrankungen. Diese sieht ein Darmkrebs-Screening-Programm mittels Koloskopie alle 10 Jahre oder mittels FIT alle 2 Jahre für Personen im Alter zwischen 45 und 75 Jahren vor. In Wien fallen rund 700.000 Personen in diese Altersgruppe. Zieht man jene Personen ab, die in den letzten Jahren bereits eine Koloskopie durchgeführt haben, dann ergibt sich eine Zielgruppe von circa 540.000 Menschen. Diese werden in den kommenden Monaten ein Einladungsschreiben erhalten.
Teilnahme ist freiwillig und kostenlos
Die Teilnahme an dem Test ist freiwillig und für die Teilnehmenden kostenlos. Das Programm ist vorerst für 2 Jahre finanziert. Die Kosten werden sich auf rund 7,5 Millionen Euro pro Jahr belaufen und zwischen dem Wiener Gesundheitsfonds und den Krankenversicherungsträgern gleichermaßen geteilt.
Termin innerhalb von 14 Tagen nach positivem Stuhltest
Sollte ein Befund positiv sein, wird unmittelbar ein Termin im niedergelassenen Bereich gesucht. Sollte innerhalb von 14 Tagen ab Terminsuche kein Termin verfügbar sein, dann übernimmt automatisch das Projektkonsortium - bestehend aus Endomed Wien Mitte und Franziskusspital - und stellt einen Termin zur Verfügung.
Ablauf des Darmkrebs-Screenings im Detail
- Die Personen der Zielgruppe erhalten ein Einladungsschreiben mit der Möglichkeit, wie schon bisher zwischen einer Vorsorge-Koloskopie im niedergelassenen Bereich oder der Bestellung eines FIT zu wählen.
- Die Bestellung des FIT kann entweder telefonisch über die Gesundheitsberatung 1450 oder online über www.darmgesundheit.wien erfolgen.
- Der FIT wird zu Hause durchgeführt. Der Test ist schmerzfrei und hochsensitiv. Er wird mit einem vorfrankiertem Rücksendekuvert übermittelt und die Probenummer ist eindeutig der Testperson zugeordnet.
- Der FIT wird von der Testperson in einer der 667 Wiener Postfilialen oder bei einem Postpartner abgeben und an das Labor geschickt. Eine Sendungsverfolgung ist möglich.
- Die Laborauswertung erfolgt innerhalb weniger Tage.
- Bei einem auffälligen FIT-Ergebnis wird wie oben beschrieben eine Abklärungskoloskopie innerhalb von längstens 14 Tagen zur Verfügung gestellt. Das kann entweder wie gewohnt über den*die Fachärzt*in des Vertrauens oder über das Wiener Darmkrebs-Screeningprogramm erfolgen.
- Der Termin für die Koloskopie wird vorrangig über die niedergelassenen Ärzt*innen in Wien gesucht. Nur, wenn bei den niedergelassenen Ärzt*innen kein Termin innerhalb von 14 Tagen gefunden werden kann, wird ein Termin über die Projektpartnerinnen Endomed Wien Mitte und Franziskusspital gebucht.
- Während des gesamten Prozesses gibt es eine zentrale Servicestelle, welche über die Telefonnummer 1450 erreichbar ist. Bei einem auffälligen FIT besteht die Möglichkeit einer telemedizinischen Beratung.
Erste Schreiben bereits heute an die Wiener*innen versandt
Im Juni 2026 startet die Pretest-Phase, in der unter anderem alle Prozesse getestet werden. In dieser Phase wird an 5.000 Personen ein Einladungsschreiben geschickt. Ab Juli 2026 wird über einen Zeitraum von 10 Monaten die gesamte Zielgruppe eingeladen. Das heißt, dass pro Monat rund 50.000 Personen ein Einladungsschreiben erhalten. Die Schreiben werden alphabetisch absteigend nach Nachnamen versandt. Sie werden neben Deutsch auch mehrsprachig in Englisch, Türkisch und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch verfasst.
Mit dem nun startenden Programm erhält Wien erstmals ein durchgehend organisiertes und qualitätsgesichertes Darmkrebs-Screening, das alle wesentlichen Versorgungsstufen unter einem Dach vereint: von der Einladung über den FIT von zu Hause bis hin zur Abklärungskoloskopie und Histopathologie.
Fachliche Begleitung erfolgt über eigens eingerichtetes Advisory Board
In einem begleitenden Advisory Board sind folgende Institutionen vertreten, die fachlichen Input geben:
- Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie
- Ärztekammer Wien
- Wirtschafskammer Wien
- Krebshilfe Wien
- Bundesverband Selbsthilfe Österreich
- Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft
- Senior*innenbeauftragte der Stadt Wien


