3 Monate lang das eigene Auto eintauschen gegen ein monatliches Mobilitätsbudget: Das haben 40 Wiener Haushalte, 20 davon aus Währing, von Mai bis Juli 2025 ausprobiert. Entstanden ist das Projekt aus dem Währinger Klimateam, umgesetzt wurde es vom Bezirk gemeinsam mit den Wiener Linien.
Mit 1. August 2025 hatten die Teilnehmer*innen ihre Autos zurück. Manche waren erleichtert, andere haben Geschmack am Leben ohne eigenes Auto gefunden. Warum das so ist, und was sie während dieser 3 Monate erlebt haben - davon erzählen sie selbst: auf autowette.at und in Sozialen Medien unter #autowette.
Warum eine Auto-Wette?
Ohne eigenes Auto spart man sich Kosten, Staustress und Parkplatzsuche, und schafft gleichzeitig mehr Platz für alle - für Bäume und Bankerl, für Kinderspiel und Nachbarschaftsplausch. Und: Weniger Luftverschmutzung, mehr Sicherheit und insgesamt mehr Lebensqualität für alle.
Diese Vorteile wollte eines der Gewinnerprojekte des Währinger Klimateams bewusstmachen. Und weil die Wiener Linien gerade ein ähnliches Projekt planten, wurde die Auto-Wette gemeinsam umgesetzt.
Wie hat die Auto-Wette funktioniert?
Die Teilnehmenden verzichteten von Mai bis Juli auf ihr eigenes Auto. Stattdessen erhielten sie ein monatliches Mobilitätsbudget von 500 Euro in Form einer Prepaid-Kreditkarte. Das ist weniger, als laut ÖAMTC ein durchschnittliches Auto im Monat kostet.
Damit konnten die Teilnehmer*innen Öffis, CarSharing, geliehene E-Bikes, E-Scooter oder Taxi bezahlen. Und natürlich kann man gerade in der Stadt auch viele Wege zu Fuß oder per Fahrrad erledigen.
Mithilfe einer App wurden die Alltagswege vor und während der Testphase erfasst, also für die Zeit mit und ohne eigenes Auto. Denn die Auto-Wette wird von Forscher*innen der Universität für Bodenkultur wissenschaftlich begleitet. Sie werten die Daten aus und befragen die Teilnehmer*innen mehrmals.
So wollen sie herausfinden, wie die Infrastruktur verändert werden muss, damit der Alltag ohne eigenes Auto einfach und bequem funktioniert. Diese Erkenntnisse verwenden dann die Wiener Linien, um ihre Angebote in Zukunft entsprechend zu gestalten.
Blieben die Autos wirklich stehen?
Die Teilnehmer*innen haben ihre Auto-Kennzeichen von Mai bis Juli bei der Zulassungsstelle hinterlegt. So wurde sichergestellt, dass sie ihre Autos tatsächlich nicht benutzen können, und es mussten während dieser Zeit keine Steuern oder Versicherungsbeiträge bezahlt werden.
Die Autos konnten zuhause oder in einer Garage der Wiener Linien abgestellt werden.
Was sind die Ergebnisse der Auto-Wette?
Die 46 Teilnehmer*innen aus 37 Haushalten (20 davon aus Währing) haben insgesamt 23.310 Wege und 300.673 Kilometer zurückgelegt. Das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat das Projekt wissenschaftlich begleitet und das Mobilitätsverhalten von April bis inklusive Juli ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen:
- Die Teilnehmenden geben ohne eigenen PKW im Schnitt 40 Prozent weniger Geld für Mobilität aus
- Insgesamt wurden durch die Auto-Wette 5,5 Tonnen CO2 eingespart
- Die Teilnehmenden legten ohne eigenen PKW mehr und längere Wege zurück
Ohne eigenes Auto kommt man in Wien nicht langsamer ans Ziel
Die Teilnehmer*innen haben viele neue Mobilitätswege ausprobiert und dabei durchschnittlich täglich um 5 Prozent weiter entfernte Ziele erreicht als davor mit dem eigenen Auto - das entspricht 2 Kilometern. Dafür wurden im Durchschnitt aber nur 3 Prozent mehr Zeit pro Tag aufgewendet, das entspricht 4,5 Minuten. Ohne eigenes Auto ist man also mobiler - und kommt fast genauso rasch ans Ziel wie mit dem Auto.
… aber gesünder und umweltfreundlicher
Während der Testphase haben die Teilnehmer*innen 42,6 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurückgelegt, 19,7 Prozent mit den Öffis, 16,9 Prozent mit dem Fahrrad, 19 Prozent mit Leihautos (als Fahrer*in und Mitfahrer*in) oder Taxis und rund 2 Prozent sonstige Mobilitätsformen (wie zum Beispiel Flugzeit, Schiff et cetera) genutzt.
Damit haben die Teilnehmer*innen während der Auto-Wette mehr als 80 Prozent der Wege umweltfreundlich zurückgelegt, der Anteil aktiver Mobilität ist um 6 Prozent gestiegen und die Wege mit dem PKW sind um 9 Prozent (etwa 9 Kilometer täglich) gesunken.
Geld gespart, CO2 gespart
Durch die Nutzung von umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln während der Auto-Wette konnten 5,5 Tonnen CO2 eingespart werden - etwa so viel, wie ein kleines Wäldchen mit etwa 440 Bäumen in einem Jahr bindet.
Ohne eigenes Auto waren die Teilnehmer*innen auch sparsamer unterwegs. Berechnungen der BOKU zeigen, dass die tatsächlichen Mobilitätskosten mit eigenem Auto monatlich bei 425,20 Euro liegen und durch Mobilität ohne eigenes Auto um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.
Neue Routinen schnell etabliert - Herausforderung liegt im ländlichen Raum
Zusätzlich zur quantitativen Analyse wurden 28 Haushalte auch qualitativ in Fokusgruppen und Einzelinterviews befragt. Dabei hat sich gezeigt, dass der Planungsaufwand für die Mobilität anfangs gestiegen ist. Routen und Alternativen zu finden, benötigt etwas Zeit.
Aber: Sobald dies erledigt ist, waren die neuen Gewohnheiten schnell etabliert. Als herausfordernd wurden vor allem ländliche Ziele außerhalb Wiens empfunden. Der Zeitaufwand mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln wurde dort im Gegensatz zum Auto als deutlich höher eingestuft.
Wie sind die Teilnehmenden in Zukunft mobil?
Trotzdem gaben 15 der 28 befragten Haushalte ab, das eigene Auto verkauft zu haben oder verkaufen zu wollen. 13 der Haushalte dagegen sehen keine Möglichkeit, den Alltag ohne eigenes Auto zu bewältigen. Als Gründe geben sie an, dass sie regelmäßige Wege außerhalb Wiens oder kleine Kinder im Haushalt haben - oder die zu geringe Verfügbarkeit von Carsharing. Viele jedoch haben sich umgestellt und nutzen jetzt einen Mobilitätsmix.
Wie war das Leben ohne eigenes Auto?
Wie kommt man ohne eigenes Auto zum Wandern? Wie kann der Wochenend-Einkauf erledigt werden und wie funktioniert eigentlich Car-Sharing?
Hier erzählen die Teilnehmer*innen selbst von Überraschungen, Herausforderungen und neuen Erkenntnissen:









