Hortulus Sanitatis und Signaturgarten im Schulgarten Kagran

Kiesweg vor Blumenbeet/Schild mit Beschriftung

Ein Stück eines mittelalterlichen Kräutergartens ist in Form eines umpflanzten Gärtchens (Hortulus) entstanden. Es ist unterteilt in einen sogenannten "Bauemgarten", umgrenzt von Spalierobst, in dessen Mitte sich eine Wasserschale befindet, und in einen „Wurzgarten“.

Am südlichen Rand des Gartens befindet sich eine mit Duftkräutern bepflanzte Rasenbank. Sie ist aus Ziegeln und Natursteinen gebaut und lädt zum Verweilen ein. Sie ist jener im Kräutergarten von Sissinghurst (Grafschaft Kent) nachempfunden. Ganz so, als würde gleich Walther von der Vogelweide auftauchen, an einem schönen Frühsommernachmittag, während Thymian und Kamille ihren Duft verströmen.

Der zweite Teil des Gartens, der "Wurzgarten", ist mit Kräutern und Blumen bepflanzt. Hier finden sich allerlei Pflanzen, die schon in früheren Jahrhunderten zum Würzen und Verfeinern von Speisen, oder für medizinische Zwecke Verwendung fanden: Liebstöckl, Pimpinelle, Bohnenkraut, Lorbeer und Rosmarin, Ysop, Weinraute, Engelwurz und vieles mehr wurde hier gepflanzt. Auch ein lauschiger Sitzplatz bietet Gelegenheit zur Ruhe.

Signaturgarten

Gleich hinter dem Hortulus sanitatis befindet sich der so genannte Signaturgarten. Theophrastus Bombastus von Hohenheim, der berühmte Paracelsus (1493 bis 1541), ging davon aus, dass Pflanzen Zeichen tragen, welche uns ihren Nutzen und ihr Wesen kundtun. Paracelsus meinte damit, dass man an ihrem Äußeren erkennt, wofür sie verwendet werden können, welche Krankheiten sie heilen oder wovor sie schützen: "Nichts ist, was die Natur nicht gezeichnet habe und durch die Zeichen kann man erkennen, was im Gezeichneten verborgen ist."

Pflanzennamen wie Augentrost (Euphrasia), Lungenkraut (Pulmonaria), Leberblümchen (Hepatica) oder Magenwurz (Acorus) erzählen, wie gut man vom Äußeren auf die Wirkung schließen konnte. „...dass der Arzt wissen soll, dass im Menschen Sonne, Mond, Saturn, Mars, Merkur, Venus und alle Zeichen sind, wenn er vom Grund der Arznei wissen will", schrieb Paracelsus.

Die sieben kosmischen Kräfte sind nach der Lehre von den "Korrespondenzen im Organismus" in den sieben Hauptorganen verkörpert, aber auch in Metallen, Mineralien, Pflanzen und Tieren. Es kann also dem Verständnis der Heilpflanzenwirkung nur dienlich sein, wenn man die Pflanzen bestimmten Planetenprinzipien zuordnen kann. Im Signaturgarten finden sich die von Paracelsus beschriebenen Planeten in Form von runden, erhöhten Beeten und die Pflanzen, die ihnen zugeordnet sind. Man erfährt mehr über die Signatur der Kletterpflanzen des schnellen Götterboten Merkur, die der lieblichen Pflanzen der Venus oder über die Signatur der majestätischen Gehölze des Göttervaters Jupiter. Auch Mineralien, Metalle, Düfte und Tiere werden zugeordnet und sollen einen umfassenden Überblick über planetarische Signaturzuordnung geben. Die Planung und Initiative zu diesen Gärten kam von der burgenländischen Ethnobotanikerin Miriam Wiegele. Sie hat 2002 bereits den Hexengarten verwirklicht und mit dem Hortulus sanitatis ein Pendant dazu geschaffen.

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