Der Wiener Prater

Radfahrer auf der Prater Hauptallee

Geschichte des Wiener Praters

Das zum Prater gehörende Areal, einst Auland der Donau, ist seit dem Jahr 1162 urkundlich nachgewiesen. In den folgenden Jahrhunderten ging es in den Besitz verschiedener Klöster, geistlicher Orden und Gemeinden über, ehe es Maximilian II. 1560 zu einem Jagdrevier der Habsburger machte. Erst 1766 öffnete Joseph II. den Prater allen Bewohnerinnen und Bewohnern Wiens als Erholungsgebiet. Dies war auch die Geburtsstunde des Wurstelpraters, denn bald schlugen Wirte, Kaffeesieder und Lebzelter ihre Buden im Prater auf. Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen folgten.

Die Praterlandschaft blieb lange Zeit weitgehend unangetastet. Erst in den 1860er-Jahren wurden die ersten Eingriffe vorgenommen: Die Weltausstellung 1873 brachte dem Prater einen großen Substanzverlust. Immer mehr Bauten beschnitten das Erholungsgelände.

1895 wurde das Vergnügungsareal "Venedig in Wien" errichtet; 1897 in dessen Mitte das Riesenrad. 1938 ging der Prater in das Eigentum der Gemeinde Wien (des Stadtgartenamtes) über. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pratergelände durch zahlreiche Bombentreffer sowie durch den Bau von Schützen- und Splittergräben stark zerstört, fast jeder Baum bekam Granat- oder Bombensplitter ab.

Nach 1945

Ein Großteil des Wurstelpraters fiel im April 1945 einem Brand zum Opfer. Nach 1945 wurde er durch Privatinitiativen wieder aufgebaut. Die verwüstete Praterlandschaft wurde durch das Stadtgartenamt wieder aufgeforstet. Um den letzten fast unberührten Auwald zu erhalten, wurde das "Mauthnerwasser" 1976 zum Naturdenkmal erklärt. Gleichzeitig erfolgte auch ein großer negativer Eingriff: der Bau der Süd-Ost-Tangente (A23) durch den unteren Prater. Zwischen 1999 und 2001 wurde diese Brücke von sechs auf acht Spuren erweitert und mit zusätzlichen Lärmschutzwänden versehen. 2008 wurde das unterirdische Verbindungsgleis vom U-Bahnhof Erdberg zur Station Stadion parallel zur A23 ergänzt.

Der Prater heute

Plan des Praters

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Heute präsentiert sich der Prater als so genannte "harte Au" mit letzten mächtigen Pappelgruppen und dichtem Unterholz. Die Wiesen und Waldteile werden von den bis zu sieben Baumreihen der über vier Kilometer langen Prater Hauptallee (vom Praterstern zum Lusthaus) durchquert. Hier gehört die Kastanienblüte nach wie vor zu den größten Attraktionen des "grünen" Praters.

Ende des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur des Praters getätigt: Spielplätze, BMX- und Skatebahn, Beachvolleyballplätze, Loipen, Joggingpfade, der Stadtwanderweg Nr. 9, der Kompostplatz Freudenau und Hundezonen wurden angelegt. Die Jesuitenwiese wurde zum größten Spielplatz Wiens mit winterlicher Beschneiungsanlage umgebaut.

Prater Hauptallee

Die Prater Hauptallee beginnt am Praterstern, ist rund 4.500 Meter lang und endet beim Lusthaus. Sie ist die unter Ferdinand II. 1538 durch Schlägerungen im dortigen Auwald entstanden ("Langer Gang"). Sie stellte somit eine Verbindung zwischen dem Augarten und dem Jagdgebiet des Hofes im Prater her. Ursprünglich verlief die Trasse nur bis zum ersten Rondeau geradlinig, dann entlang des Heustadlwassers. Erst 1867 wurde als "Notstandsarbeit" das restliche Stück zum Lusthaus planiert. Ab dem 18. Jahrhundert war die Hauptallee die schönste Korsostraße für Wagenausfahrten des Hofes, des Adels und des wohlhabenden Bürgertums. Gegen Ende des Vormärz, nach 1830, wurden in der Hauptallee "Trabfahrten" und am 1. Mai "Praterfahrten" veranstaltet. Ab 1890 marschierte am 1. Mai auch die Arbeiterschaft entlang der Hauptallee. Heute ist die Prater Hauptallee ein Freizeitparadies für Radfahrerinnen und Radfahrer, Fußgängerinnen und Fußgänger und als größte vier- bis sechsreihige weiß blühende Kastanienallee (Aesculus hippocastanum) Wiens bekannt.

Prater Heustadlwasser

Die Benennung erfolgte nach einem zur Rotwildfütterung aufgestellten Heustadel, der gegenüber dem späteren Hundedressurplatz Lusthausstraße stand. Bis 1867 führte die Prater Hauptallee nur bis zum ersten Rondeau und dann längs des Heustadlwassers zum Lusthaus. Am Nordufer des Heustadlwassers führt heute ein Spazierweg entlang (Radfahrverbot!). Das "Rosenwasser" ist ein teichartiger Seitenarm des Heustadlwassers mit einem angrenzenden Kleinkinderspielplatz.


Prater Jesuitenwiese

Lage: 2., Jesuitenwiese, zwischen Rotundenallee und Rustenschacherallee
Fahrplanauskunft

Die rund 112.000 Quadratmeter große Prater Jesuitenwiese war früher im Besitz der Jesuiten. Nach Aufhebung des Ordens 1773 wurde das Areal vom Staat eingezogen und als Exerziergelände für die Infanterie der Wiener Garnison verwendet. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Jesuitenwiese auch für Volksfeste genutzt. Heute ist die Jesuitenwiese Wiens größter Spielplatz. Der Rodelhügel stammt aus den Trümmern zerbombter Häuser des Zweiten Weltkriegs.

Prater Konstantinhügel

Der Konstantinhügel liegt südlich der Prater Hauptallee zwischen Rotundenallee und Rustenschacherallee. Er entstand zur Weltausstellung 1873 aus Aushubmaterial der Rotunde. Seine Benennung erfolgte nach Obersthofmeister Konstantin Viktor Ernst, Prinz von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (1828 bis 1896). Unterhalb des Konstantinhügels befand sich der Hirschenstadl, in welchem bis 1867 Hirsche und Rehe gehalten wurden. Der noch heute existierende Konstantinteich konnte damals für Bootsfahrten genutzt werden. Das früher hier befindliche Kaffeehaus ist 1977 abgebrannt.

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