Mehrweg - Vermeidung von Abfällen und Umweltbelastungen

Wohlstandsgesellschaften sind Wegwerfgesellschaften. So werden auch in Österreich sehr viele Produkte nach einmaligem Gebrauch in den Müll geworfen. Dabei ist gerade die einmalige Verwendung ökologisch besonders nachteilig, da für die Produktion verhältnismäßig viel Energie und Ressourcen aufgewendet werden müssen.

Getränkekisten mit Einwegflaschen

Zum Beispiel können durch die Wiederbefüllung von Mehrweg-Glasflaschen (40 bis 50 mal) 95 Prozent an Abfällen eingespart werden. Zudem werden für die Produktion der entsprechenden Anzahl an Einwegglasflaschen rund 50 mal mehr Rohstoffe benötigt.

Auch wenn Einwegartikel recycelt werden, entstehen Emissionen, die durch die Verwendung von Mehrwegprodukten großteils vermeidbar wären. Im Abfallwirtschaftsgesetz und in Richtlinien der Europäischen Union wird die Abfallvermeidung in der Hierarchie vor die Abfallverwertung gestellt. Die Verwendung von Mehrwegprodukten ist daher dem Recycling vorzuziehen.

LandesumweltreferentInnen fordern konkrete Schritte zu Mehrweg

Bei der Landesumweltreferentinnen- und -referentenkonferenz 2015 wurde erneut ein einstimmiger Beschluss gefasst, dass Mehrweg in Österreich stärker forciert werden sollte, wobei auch eine verpflichtende Kennzeichnung zur Unterscheidung von Einweg und Mehrweg gefordert wird. Ursache für die wiederkehrenden Beschlüsse sind die weiter sinkenden Mehrwegquoten, wie in der Beilage zum LURK-Beschluss ersichtlich ist: Factsheet-Getränkeverpackungen (1 MB PDF)

Wien setzt auf Mehrweg

Die Stadt Wien hat in ihrem Zuständigkeitsbereich Rahmenbedingungen für die Förderung bzw. verpflichtende Anwendung von Mehrweg geschaffen. Bei Förderprogrammen wie der Initiative "natürlich weniger Mist" wurden zwischen 2005 und 2011 einige Projekte in Wien finanziell unterstützt, die den Einsatz von Mehrwegsystemen zum Ziel hatten.

Die Beschaffung der Stadt Wien ist nach den ÖkoKauf Wien-Richtlinien auszurichten, in denen festgelegt ist, dass Getränke nur in Mehrweg einzukaufen sind. Bei Veranstaltungen in Wien ist seit 2011 ebenfalls ein Mehrweggebot im Wiener Abfallwirtschaftsgesetz festgeschrieben.

Ökobonus-Modell

Die Stadt Wien hat auch zur Erarbeitung des Ökobonus-Modells maßgeblich beigetragen, für dessen Umsetzung bereits ein fertiger Gesetzesentwurf vorliegt. Als Vorarbeit haben Wien, Salzburg und die Wiener Umweltanwaltschaft die Studie "Mehrweg hat Zukunft! Modelle und Modellbausteine zur Steigerung des Einsatzes von Mehrweggetränkeverpackungen in Österreich" beauftragt, die 2009 fertiggestellt wurde. Die Expertinnen und Experten der Wiener Stadtverwaltung haben in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur "Sicherung und Optimierung der Mehrweg-Getränkeverpackungssysteme in Österreich" bis Ende 2010 gemeinsam mit dem BMNT das "Ökobonus-Modell" ausgearbeitet. In diesem Modell werden über einen Stufenplan dem Letztvertreiber (meist Lebensmitteleinzelhandel) Mehrwegquoten vorgegeben, bei deren Nichterfüllung Abgaben zu entrichten sind, die in die Mehrwegförderung fließen. Dabei wird den Letztvertreibern ein Anspruch auf Förderung für den Anteil an abgegebenen Mehrwegverpackungen eingeräumt, der über der Zielquote liegt. Verwaltungskosten werden aus den Abgaben auf Einwegverpackungen finanziert, daher würden keine Mehrkosten für die öffentliche Hand entstehen.

Was spricht für Mehrweg bei Getränkeverpackungen?

Getränke werden sowohl in Einweg als auch in Mehrweg abgefüllt. Getränkeverpackungen werden innerhalb von wenigen Minuten zu Abfall: Sobald der Inhalt getrunken wurde, verliert die Einwegverpackung ihren Zweck. Dann landet sie im besten Fall in der Verpackungssammlung, zu einem großen Teil allerdings im Restmüll oder - im schlechtesten Fall - in der Landschaft (Littering).

Für eine Mehrwegflasche erhält man bei der Rückgabe im Geschäft das Pfandgeld zurück. Die Flasche kann erneut befüllt und anschließend wieder in den Verkauf gebracht werden. Mehrweg vermeidet Abfälle, schont Ressourcen und belastet die Umwelt in geringerem Ausmaß.

Mehrwegflaschen aus Glas sind in Österreich vor allem für Bier und zunehmend auch für Wasser, Milch und Limonaden im Einsatz. In einer 2020 publizierten Studie des Umweltbundesamtes zum Vorkommen von Mikroplastik 2019 in Österreich wird festgestellt, dass abgefülltes Trinkwasser tendenziell mehr Mikroplastik aufweist als Leitungswasser aus Grund- und Oberflächenwasser. PET war dabei die häufigste nachgewiesene Kunststoffart in Trinkwasser, was auf den Abrieb von Verpackungsmaterial zurückzuführen ist. Leitungswasser aus Grund- und Oberflächenwasser ist hingegen nicht bzw. nur gering belastet.

Getränkeverpackungssysteme im Nachhaltigkeitscheck: Mehrweg schlägt Einweg-Pfand schlägt den Grünen Punkt

Ökobilanzen favorisieren die Mehrwegflaschen

Selbst wenn Einwegflaschen dem Recycling zugeführt werden, die Nutzung von Mehrwegflaschen ist in jeder Hinsicht ökologisch vorteilhafter. Das beweisen alle bisher erstellten Ökobilanzen. Ökobilanzen werden für den gesamten Lebensweg des Produktes von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung erstellt. Dabei werden auch die Herstellung von Vorprodukten, Hilfsstoffen, die Energieerzeugung sowie die Bereitstellung von Rohstoffen und alle Transporte einbezogen.

Recycling von PET-Flaschen wie zum Beispiel in einer Bottle-to-Bottle-Anlage ist ökologisch nicht dem Einsatz von Mehrwegflaschen gleichzusetzen. Für die Herstellung von neuen Flaschen werden derzeit bis zu 30 Prozent gebrauchte PET-Flaschen eingesetzt. Zu 70 Prozent ist neues Material erforderlich. Ausgangsstoff für PET ist Erdöl, ein fossiler Rohstoff, der eigentlich zu schade für Wegwerfartikel ist.

Dass Mehrweg bei Getränkeverpackungen nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen und sozialen Gründen zu bevorzugen ist, zeigt eine Studie von PricewaterhouseCoopers aus 2011:

Anwendungsbereiche

Folder "Mehrweg - Einsatz der sich auszahlt!"

Der Folder bietet neben sieben Argumenten für Mehrweg auch eine Karte an die Filialleitung mit der Forderung nach einem größeren Angebot an Mehrwegflaschen im Geschäft.

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VABÖ - Mehrweg

Der Verband Abfallberatung Österreich (VABÖ) fasst die Vorteile von Mehrweg zusammen: VABÖ-Blatt 01/2016 (9 MB-PDF)

Studien, Modelle

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