Mehlschwalbe

Erkennungsmerkmale

Mehlschwalbe im Flug, oberseits mit weißem Bürzel

Mehlschwalbe im Flug, oberseits mit weißem Bürzel

Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) hat eine Körperlänge von zwölf bis 13 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 27 bis 29 Zentimetern. Ihre Unterseite von der Kehle bis zum Schwanz ist weiß. Die schwarze Oberseite wird zwischen Flügel und Schwanz durch eine weiße Fläche (Bürzel) unterbrochen. Dieser weiße Bürzel macht die Mehlschwalbe gegenüber anderen Schwalben auch von weitem unverwechselbar.

In Wien lebt neben der Mehlschwalbe auch noch die Rauchschwalbe an Gebäuden, doch meist an bzw. in niederen Gebäuden und nur in Wiens Randbereichen. Die dritte in Wien brütende Schwalbenart, die Uferschwalbe, meidet die menschliche Nähe und gräbt Brutröhren in (Schotter-)Gruben oder frischen Abbrüchen entlang Gewässern.

Lebensweise

Der ursprüngliche Lebensraum der Mehlschwalbe sind gebirgige Gegenden mit steilen Felswänden. Seit Jahrhunderten sind Schwalben auch in Städten und Dörfern zu finden, wo sie an den "künstlichen Felsen" der Gebäude brüten.

Die Mehlschwalbe ist ein Zugvogel. Als Insektenfresserin ist sie gezwungen, die Wintermonate im Süden zu verbringen. Das Winterquartier liegt in Afrika südlich der Sahara. Viele Vögel fliegen sogar bis Südafrika und legen dabei mehr als 9.000 Kilometer zurück. Die Mehlschwalben kehren im April meist an denselben Brutplatz des Vorjahres nach Wien zurück und bleiben bis September.

Schwalben sind mit dem Mauersegler nicht näher verwandt, wenngleich ihr Verhalten bei der Jagd denen der Segler ähnelt.


Lebensraum in Wien

Mehlschwalbe beim Aufnehmen des Nestbaumaterials

Mehlschwalbe beim Aufnehmen des Nestbaumaterials

Da die Mehlschwalben lehmige Erde als Baumaterial für ihre Nester vor allem an Gewässern finden, trifft man ihre Nester oft an Häusern, die meist nicht weiter als zirka einen Kilometer von Gewässern entfernt liegen.

Die größten Kolonien finden sich an der Donau, am Donaukanal, am Wienfluss und an der Liesing. Aber auch stehende Gewässer wie die Alte Donau und mehrere Bagger- und Schwimmteiche bieten an Ufern gelegentlich offene Bodenstellen mit feuchter lehmiger Erde. Die Gewässer garantieren zudem auch Insektenvorkommen, die nach deren Entwicklung im Wasser in die Luft steigen.


Nester an Gebäuden

Mehlschwalben-Jungvögel werden gefüttert

Mehlschwalben-Jungvögel werden gefüttert

Ideale Nistplätze an Gebäuden

Ideale Nistplätze sind überdachte Bereiche von senkrechten, rauen Wänden. Solche Stellen finden sich z.B. in Mauer- und Fensternischen oder unter Balkonen, in Loggien und Fensterbrüstungen, unter weiten Vordächern und Dachvorsprüngen. Die Mehlschwalben nisten an bis zu über zehn Stockwerke hohen Häusern.

Folder "Mehlschwalbe - Tiere an Gebäuden, Architektur und Bauen"

Baumaterial für Nester

Mehlschwalben brüten in Lehmnestern bzw. Nestern aus lehmiger Erde, die die Form einer Viertelkugel haben. Neue Nester werden nur dann gebaut, wenn keine freien intakten Nester vorhanden sind. Das Baumaterial besteht aus feuchter lehmiger Erde, die an Gewässerrändern oder Regenlacken aufgesammelt wird. Der Nestbau dauert meist ein bis zwei Wochen. Für ein einziges Nest werden bis zu 2800 Lehmklümpchen zusammengeklebt.


Unterscheidung der Nester von Mehlschwalbe und Rauchschwalbe

Mehlschwalben- und Rauchschwalbennester unterscheiden sich nicht nur in der Lage der Nester am Gebäude, auch die Formen der Nester der beiden Arten sind gut zu unterscheiden.

Kunstnester von Mehlschwalben

Kunstnester von Mehlschwalben

Das Nest der Mehlschwalbe reicht bis ganz oben zur Überdachung. Es bleibt nur eine kleine Einflugöffnung frei.


Nest einer Rauchschwalbe

Nest einer Rauchschwalbe

Das Nest der Rauchschwalbe ist zur Überdachung hin frei. In der Nähe von Pferde- und Rinderstallungen fühlt sich die Rauchschwalbe besonders wohl.


Hilfe für die Mehlschwalben

Nisthilfe aus Holz (mit rauer Oberfläche)

Nisthilfe aus Holz (mit rauer Oberfläche)

Werden Fassaden saniert, Loggien mit Netzen unzugänglich gemacht oder Nester abgeschlagen, verlieren die Mehlschwalben ihre "Wohnung". Falls Sie solche Fälle kennen, wenden Sie sich bitte per E-Mail: post@ma22.wien.gv.at an die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) oder direkt an die ausführenden Bauunternehmen. Darüber hinaus gibt zahlreiche Möglichkeiten wie Mehlschwalben in Wien geholfen werden kann:


  • Geplante Renovierungen von Gebäuden und Fassaden bzw. der Austausch von Fenstern mit Mehlschwalben-Nestern dürfen nur nach Kontaktaufnahme mit der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) erfolgen.
  • Bei Fassadenrenovierungen sind bestehende Nester zu schützen. Eine Neubesiedlung muss gewährleistet sein. Als Übergangslösungen können ersatzweise Kunstnester angebracht werden.
  • Konfliktarm sind Bautätigkeiten in den Monaten September bis März.
  • Innovative Projekte beginnen bereits in der Planungsphase, indem potentielle Nischen für Mehlschwalben eingeplant werden, besonders in Gebieten mit vorhandenem Vorkommen. Beim Neubau von Häusern können Vorsprünge von mindestens 15 Zentimetern Breite als potenzielle neue Nistplätze angelegt werden.
  • Kunstnester: Diese sind im Naturschutz-Fachhandel bzw. auf Baumärkten erhältlich oder können auch selbst gebaut werden.
  • Zum Verputzen möglichst raue und saugfähige Putze verwenden, an denen die Nester gut haften.
  • Verschmutzungen des Bodens durch den Kot der Jungtiere können durch das Anbringen von Kotbrettern 50 Zentimter unterhalb der Nester einfach vermieden werden. Kotbrettchen können gekauft oder angefertigt werden. Der anfallende Kot ist übrigens ein hervorragender Dünger.
  • Anlegen von Lehmpfützen, aus denen die Vögel Nistmaterial aufnehmen können: Füllen Sie im April eine Wanne von etwa einem halben Quadratmeter mit lehmigem Erdmaterial und halten Sie sie zwei Monate feucht und stellen Sie sie frei auf den Rasen oder auf das Dach.
  • Die Verwendung von Insektenvertilgungsmitteln sollte tabu sein. Das kommt auch anderen Arten zugute.

Folder "Mehlschwalbe - Tiere an Gebäuden, Architektur und Bauen"

Schutz für Mehlschwalben

Nach dem Wiener Naturschutzgesetz sind Mehlschwalben in Wien prioritär bedeutend und streng geschützt. Ihre Nester dürfen nicht zerstört werden. Es ist deshalb hilfreich, wenn bereits bei der Planung mit der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) Kontakt aufgenommen wird. Gut vorbereitete Projekte können oft ohne ein zeitaufwändiges behördliches Verfahren durchgeführt werden.

Gefahr droht den Mehlschwalben durch:

  • Renovierung von Gebäuden, da dabei oft Nester zerstört werden.
  • Verwendung von Kunstharz-Verputz, der kein Festkleben von Nistmaterial mehr möglich macht.
  • Mutwillige Zerstörung der Nester/Verschließen der Einfluglöcher
  • Versiegelung und Begrünung, da dadurch immer weniger offene Stellen mehr für die Materialaufnahme für den Nestbau vorhanden sind.
  • Nur auf Kunstnester gestützte Brutplätze, da dort vermehrt Parasiten auftreten und sie bei Brutausfall unbenutzbar werden können.

Mit dem Programm Netzwerk Natur trägt die Stadt Wien dazu bei, die Lebensbedingungen für die Mehlschwalbe in Wien zu verbessern. Im Zuge des Projektes werden alle Mehlschwalben-Neststandorte erhoben, Bauprojekte betreut und wissenschaftliche Arbeiten unterstützt. Machen wir uns bewusst, dass die Großstadt Lebensraum für Menschen und Tiere in gleichem Maße ist.

Montage von Mehlschwalben-Nestern

Im Rahmen der Erfüllung der naturschutzfachlichen Auflagen wurden in Meißauergasse 2a im 22. Bezirk Kunstnester an der Fassade montiert. Zudem wurden Möglichkeiten geschaffen, dass ein natürlicher Nestbau durch die Mehlschwalben erfolgen kann, indem Abschnitte der Fassade mit der entsprechenden Rauigkeit und Beschaffenheit ausgeführt wurden.

Mehlschwalben-Standorte

Die derzeit bekannten Mehlschwalbenstandorte wurden in gut lesbaren Karten aufbereitet:

Mehlschwalben-Standorte melden

Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) bittet um Mithilfe bei der Erfassung der Mehlschwalben-Standorte in Wien.

Bitte melden Sie uns:

  • Neststandorte und Zustand des Nestes
  • Brutaktivitäten am Neststandort
  • Entnahmestellen von Baumaterial für den Nestbau

Gebäudebrüter melden

Weiterführende Informationen

Verantwortlich für diese Seite:
Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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