Mauersegler

Merkmale und Lebensweise

Mauersegler

Mauersegler (Apus apus) sehen ähnlich wie Schwalben aus, sind aber etwas größer. Der Körper des Mauerseglers ist bis zu 18 Zentimeter lang. Die Flügelspannweite beträgt bis zu 40 Zentimeter. Im Gegensatz zur Schwalbe ist der Bauch des Mauerseglers komplett schwarz und nicht weiß gefärbt. Nur an der Kehle des Mauerseglers befindet sich ein weißer Fleck. Markante Zeichen sind sein gegabelter Schwanz und seine sichelförmigen, schmalen, lang gestreckten Flügel. Diese machen ihn zu einem wahren Flugkünstler.

Der Ruf der Mauersegler ist markant. Die Tiere tragen im Flug eine typische Abfolge von hohen, schrillen "srieh, srieh" Lauten vor. Die Rufe sind im Sommer in den Straßen und Höfen fast in ganz Wien gut hörbar und bestimmen die akustische Kulisse wesentlich mit.

Vogelstimme zum Anhören

Rund 10.000 Mauersegler in Wien

drei Mauersegler

Die hohen Häuser der Stadt haben es dem Mauersegler angetan. Circa 5.000 Paare brüten jährlich in Wien. Jedes Jahr im Mai kehrt dieser perfekte Flieger aus seinen Überwinterungsgebieten im Süden Afrikas in die Brutgebiete auf Wiener Stadtgebiet zurück. Ein Mauerseglerpaar lebt zumindest für eine Saison zusammen und zieht zwei bis drei Vogelbabys auf.

Am liebsten hält sich der Vogel auf hohen Altbauten und historischen Bauwerken mit vielen Simsen und Ecken auf. Seine Nester baut er unter Dachziegeln, in Mauerspalten oder auf Dachsparren. Neubauten mit glatter Fassade besiedelt der Mauersegler äußerst selten.

Flugkünstler mit Energiespar-Modus

Der Mauersegler ist ein besonders schneller und wendiger Vielflieger. Sogar das Nistmaterial wird im Sturzflug gesammelt. Auch seine Lieblingsspeisen, Insekten und Spinnen, erhascht er im Flug. Während der Brutzeit sind die Mauersegler täglich bis zu 800 Kilometer weit unterwegs. Kaum ein anderer Vogel schafft eine solche Spitzenleistung. Beim Rückflug im Herbst nach Afrika bleiben die Vögel wochenlang ohne einzige Zwischenlandung in der Luft. Geschlafen wird in den warmen Luftschichten weit über dem Boden.

Mauersegler sind allerdings auch sehr wetterempfindlich. Schlechtwetterperioden machen den Vögeln schwer zu schaffen: Bei Regen und feuchtem Wetter sind kaum Insekten zu finden. Um solche Hungerperioden zu überstehen, können vor allem die Jungen in einen sogenannten Hungerschlaf fallen. Dabei senken die Jungvögel für die Dauer von bis zu zwei Wochen nachts ihre Körpertemperatur soweit ab, dass diese nur mehr ein Grad Celsius über der Außentemperatur liegt. So spart der Vogel jede Menge Energie.

Gefahren für Mauersegler

Gefahr droht den Mauerseglern vor allem durch Gerüste, die aufgestellt werden, um komplette Häuserfronten zu sanieren. Sie versperren den Vögeln den Zugang zu ihren Nistplätzen. Und nach der Sanierung stehen den Vögeln die Nistplätze meist nicht mehr zur Verfügung. Daher sollten bereits bei der Bauplanung Ersatzquartiere vorgesehen werden. In der Brutzeit verhungern die Jungvögel dann in ihren Nestern, während die Eltern verzweifelt vor dem Gerüst auf und ab flattern. Dieses Problem kennen auch die vielen Turmfalken in Wien. Pro Jahr werden bis zu 160 Turmfalken und Mauersegler von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Wien sowie vogelfreundlichen Bauunternehmen befreit.


Hilfen für Mauersegler

Nistmöglichkeiten schaffen

Der Mauersegler brütet an Gebäudefronten in Nischen und Höhlen. Werden sie verschlossen oder verputzt, verliert der Mauersegler seine "Wohnung". Falls Sie solche Fälle kennen, wenden Sie sich an die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22), E-Mail: post@ma22.wien.gv.at, oder direkt an die ausführenden Bauunternehmen. Viele Baufirmen sind bereit, Öffnungen für Mauersegler freizulassen. Außerdem können Bruthilfen für Mauersegler montiert werden. Diese sind im Zoofachhandel erhältlich. Eine weitere Möglichkeit, um Nistplätze für Mauersegler zu schaffen oder zu erhalten, bietet das Wiener Modell.

Objekte für Umsetzung gesucht

Wenn Sie ein Objekt haben, das für Mauersegler zugänglich gemachen werden soll, beraten Sie die Kolleginnen und Kollegen des Bereiches Räumliche Entwicklung der MA 22 gerne.

Mauersegler-Nisthilfen

Beispielsammlung der Wiener Umweltanwaltschaft: 404 KB PDF

Bauanleitungen für Nistkästen

Helpline für verletzte Tiere

Wenn Sie einen verletzten Mauersegler (oder auch ein anderes verletztes Wildtier) entdecken sollten, melden Sie dies bitte umgehend der Abteilung Veterinärdienste und Tierschutz (MA 60). Die Wiener Tier-Helpline der MA 60 ist unter der Telefonnummer: +43 1 4000-8060 erreichbar.

Machen wir uns bewusst, dass die Großstadt Lebensraum für Menschen und Tiere in gleichem Maße ist.

Mauersegler melden

drei Mauersegler fliegend vor blauem Himmel

In Wien können Mauersegler von Mai bis August regelmäßig beobachtet werden. Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) bittet alle Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe bei der Suche nach Mauersegler-Brutplätzen in Wien.

Die Erhebung der Nistplätze von Mauerseglern in Wien hilft dabei, die Brutplatzbedingungen der streng geschützten Tiere besser zu erforschen sowie durch geeignete Maßnahmen wie das 'Wiener Modell' zu erhalten beziehungsweise zu verbessern.

Gebäudebrüter melden


Brutplätze an Gebäuden

Mauersegler haben gelernt, die Bauwerke des Menschen für ihre Bruttätigkeit zu nutzen. Die Häuser entsprechen Felswänden, an und in denen sie natürlicherweise brüten. Jedes Paar brütet am selben Brutplatz wie im Jahr davor.

Übersicht über mögliche Mauersegler-Nistplätze

Übersicht über mögliche Mauersegler-Nistplätze auf einem Wohnhaus

A = Traufblech, B = Giebeldach, C = Ziegel, D = Dachuntersicht, E Zierkonsolen, F = Seitenblech, G = Dachrinne, H = Dachknick (Mansarddach), I = Haus-Zwischenspalt, J = Fassadenverzierung, K = Attika, L = Storenkasten, M = Brand- oder fensterlose Mauer

Die Stadt bietet zahlreiche Brutmöglichkeiten für den Mauersegler. In Wien bilden Einschlüpfe unter die Verblechung von Gesimsen (A, B, F, G) und in hohle Zierkonsolen (E) einen wichtigen Teil des Brutplatzangebotes.


Natürliche Brutplätze an Gebäuden

Brut in einer Zierkonsole - Beispiele

Zierkonsole als Brutplatz in der Hartmanngasse im 5. Wiener Gemeindebezirk

Zierkonsole als Brutplatz in der Hartmanngasse im 5. Bezirk

Die Zierkonsole schließt nicht ganz an die Unterseite des Gesimses an. Die Spaltenbreite, zirka 3 Zentimeter, reicht aus, um in den nutzbaren Hohlraum zu gelangen, wo der Mauersegler brüten kann. An der Fassade entsteht dadurch weder ein Schaden noch eine Verschmutzung.


Zierkonsolen mit seitlichen Öffnungen als Brutplätze für Mauersegler

Zierkonsolen mit seitlichen Öffnungen als Brutplätze für Mauersegler

Über seitliche Öffnungen können die Mauersegler die Hohlräume erreichen. Mauersegler-Brutplätze können nur über das direkte Beobachten, am besten zur Brutzeit, besonders zur Zeit der Fütterung der Jungen, festgestellt werden. Ansonsten sind sie ausdauernde Flieger und nutzen ihr Quartier höchstens als Schlafstätte. Im "Wiener Modell" wird versucht diese Situation zu erreichen.


Brut unter dem Traufenblech - Beispiel

Durch entsprechend abstehendes Blech an der Traufe können Mauersegler eine Bruthöhle erschließen.

Aktive Förderung durch Erweiterung der Nistmöglichkeiten

Die gegebene Konstruktion eines Objektes nutzen

Hohlräume in der Mauer unterhalb des Daches eines Hauses

Hohlräume einer Fassade in Dachnähe

Die gegebene Konstruktion eines Objektes zu nutzen ist ein Weg, der in der Zukunft verstärkt entwickelt und forciert werden muss. Durch Planung und Umsetzung einfacher konstruktiver Adaptierungen wird versucht, nachhaltig und kostengünstig Zugänge zum Hohlraumsystem des Hauses zu schaffen. Dazu sind private wie öffentliche Bauträgerinnen und Bauträger ebenso wie private Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer eingeladen mitzuwirken.


Nistplätze in Fassaden integrieren

Nistkästen für Mauersegler sind in eine neu hergestellte wärmeisolierte Fassade integriert

Brutplätze in der Hirschstettner Straße im 22. Bezirk

In einem innovativen Umsetzungsprojekt von Netzwerk Natur und Wiener Wohnen in der Hirschstettner Straße im 22. Bezirk konnten Nistkästen für Mauersegler in die neu hergestellte wärmeisolierte Fassade integriert werden.


Das "Wiener Modell"

Zierkonsolen mit seitlichen Öffnungen für Mauersegler

In einem Haus in der Kriehubergasse im 5. Bezirk wurde eine Zierkonsole mit seitlichen Öffnungen für Mauersegle im Rahmen einer Sanierung verwendet. Im folgenden Frühjahr wurde sie bereits von Mauerseglern genutzt.

Als "Wiener Modell" wird die Anpassung von (Zier-)Konsolen bezeichnet, um sie Mauerseglern zugänglich zu machen. Der beste Zeitpunkt für eine Umsetzung ist, wenn eine Sanierung oder Renovierung eines Gebäudes ansteht. Sofern nur ein neuer Anstrich geplant ist, können die Konsolen ganz einfach mit einer drei mal sechs Zentimeter großen Öffnung versehen werden. Müssen ganze Konsolen ergänzt oder ausgetauscht werden, können diese entweder mit einer Öffnung versehen oder im Bedarfsfall neu gegossen werden, in der die Öffnung bereits vorhanden ist.

Zierkonsolen, die für den Mauersegler als Brutplatz infrage kommen, sollten aus Beton, Gips oder Styropor gefertigt sein und innen einen Hohlraum von mindestens 15 mal 12 mal 30 Zentimeter aufweisen.

Neue bzw. zu rekonstruierende Konsolen werden über einen Abdruck der bestehenden Konsolen durch die geschaffenen Guss- und Pressformen von spezialisierten Firmen hergestellt. Bei diesem Arbeitsprozess könnte neben der (variablen) äußeren Form ein optimierter Innenhohlraum erzeugt und die Einflugöffnung von drei mal sechs Zentimeter eingelassen werden. Ziel ist es, Konsolen-Typen, die ein entsprechendes Volumen aufweisen, zu öffnen und objektbezogen sowie kostengünstig herzustellen.

Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) hat eine Studie beauftragt, die die Eignung der gängigen Konsolen die in Wien verwendet werden hinsichtlich ihrer Eignung zur Öffnung für Mauersegler bewertet:

  • Zierkonsolen als Mauersegler-Nistplätze - Das Wiener Modell - Bericht 2011: 320 KB PDF

Nistkasten als Brutplatz

Nistkasten mit Abdeckung in Wien 8, Friedrich-Schmidt-Platz

In einem Umsetzungsprojekt von Netzwerk Natur mit der Abteilung Bau- und Gebäudemanagement (MA 34) am Friedrich-Schmidt-Platz wurden drei Nistkästen an die neu restaurierte Fassade montiert. Um die Langlebigkeit der Nistkästen zu steigern wurde diese zudem mit einem Blechdach versehen.

Nistkästen können gekauft oder selbst hergestellt und an geeigneten Stellen montiert werden. Nistkästen sind keine natürlichen Brutplätze, sondern Ersatzkonstruktionen für Nischen und Spalten in felsreichen Lebensräumen. Sie sollten den Vögeln das bieten, was diese auch bei der Auswahl eines natürlichen Brutplatzes berücksichtigen: Schutz vor Raubtieren, Hitze, Kälte und Regen sowie einen guten An- und Abflug.

Als Baumaterial für solche Nistkästen eignen sich Lärche, Fichte und andere einheimische Hölzer (z. B. Kiefer, Tanne) in der Stärke von 20 Millimeter. Als geeigneter Ersatzstoff beim Nistkastenbau wird immer wieder Holzbeton genannt. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Zement, Holzspänen, Kalziumchlorid und Wasser. Diese Masse wird in Gießformen gegossen, die bei entsprechender Behandlung auch mehrmals verwendet werden können.


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Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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