Deponie Rautenweg

Die Abteilung Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) kümmert sich in Wien um eine umweltgerechte Abfallbehandlung, die gesamte Kette von der Müllsammlung über die thermische Verwertung bis zur Deponierung der Verbrennungsrückstände liegt in kommunaler Hand. Die Deponie Rautenweg ist heute eine Hightech-Anlage und ein wesentliches Element der Entsorgungskette, in die die Stadt Wien viel Geld investiert hat, um sie ökologisch zu gestalten und auch ökonomisch zu nutzen. Durch die Deponie garantiert die Stadt Wien Entsorgungssicherheit auf höchstem Umweltniveau bis zum Jahr 2065.

Wiens einzige kommunale Reststoffdeponie

Flugansicht der Deponie Rautenweg

Das Areal der Deponie Rautenweg umfasst eine Fläche von etwa 60 Hektar und besteht seit den 1960er-Jahren. Mit 23 Millionen Kubikmeter genehmigtem Schüttvolumen ist sie die größte Deponie Österreichs. In den letzten 55 Jahren wurden über zehn Millionen Kubikmeter an Abfällen abgelagert. Mit der Höhe von 45 Metern über Straßenniveau ist der "Beag aus Mist", die Deponie Rautenweg, die höchste Erhebung in der Donaustadt. Bis 31. Dezember 2008 mussten aufgrund fehlender Verbrennungskapazitäten fallweise neben Verbrennungsrückständen (Asche beziehungsweise Schlacke) auch unbehandelter Sperrmüll und Restmüll deponiert werden. Seit 1. Jänner 2009 dürfen laut Deponieverordnung in Österreich keine unbehandelten Abfälle mehr deponiert werden. Daher ist seit der Inbetriebnahme der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau im Herbst 2008 die Ablagerung von Rest- und Sperrmüll Geschichte. Die Deponie entwickelte sich von der Mistgrube zu einer wichtigen Drehscheibe der Wiener Abfallwirtschaft.

Ablagerung von Verbrennungsrückständen

Nahaufnahme von Aschenschlacke auf der Deponie Rautenweg

Die Deponie dient heute lediglich der Ablagerung von aufbereiteten, geruchlosen Rückständen aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen. Aus einer Tonne Restmüll entstehen bei der thermischen Behandlung circa 27 Prozent Verbrennungsrückstände, das heißt Schlacken und Aschen, welche zehn Prozent des Volumens von Restmüll aufweisen. Auch diese Abfälle müssen ordnungsgemäß entsorgt werden. Nach einem Aufbereitungsschritt in der nahegelegen Abfallbehandlungsanlage gelangen jährlich über 200.0000 Tonnen Verbrennungsrückstände - befreit von Eisen- und Buntmetallen - auf die Deponie Rautenweg.

Sicherung des Grundwassers

Schematische Darstellung des Wiener Dichtwandkammersystems auf der Deponie Rautenweg

Im Juni 1986 erfolgte der Spatenstich für einen Meilenstein in der Geschichte der Deponie: Die Sicherung des Standortes mit dem Wiener Dichtwandkammersystem, welches die Deponie umschließt, um das Grundwasser zu schützen. Entlang der Grundgrenzen wurde die Deponie durch zwei Dichtwände im Abstand von acht Metern voneinander umschlossen. Es erfolgt eine Trennung des Grundwassers innerhalb des Deponiekörpers vom umliegenden Grundwasserkörper. Durch Verbinden der beiden Dichtwände durch 49 Querschotten erfolgte eine Unterteilung des Bereiches zwischen den beiden Dichtwänden in insgesamt 49 Dichtwandkammern, wobei jede auf Dichtheit überprüft wird. Das abgepumpte Wasser wird in der Kläranlage der Entsorgungsbetriebe Simmering (EbS) gereinigt. Durch diese Maßnahmen wird gewährleistet, dass Wasser aus der Deponie nicht unkontrolliert in die Umgebung austreten kann. Vor Ort finden regelmäßige Kontrollen sowie ein ständiges Monitoring von Luft und Wasser statt.

Gelebter Klimaschutz durch Strom und Wärme von der Deponie

Mitarbeiter der Deponie bei der Arbeit an einem Gasbrunnen

Die MA 48 setzt in allen Bereichen verstärkt auf umweltfreundliche Energieformen und produziert auch auf der Deponie Strom und Wärme aus Deponiegas und Sonne. Mit alternativen Energieformen werden rund 2.200 Tonnen CO2 eingespart – und somit aktiv zum Klimaschutz in der Millionenstadt beigetragen. Es wird auf der Deponie 8 mal so viel Strom produziert als für den Deponiebetrieb selber benötigt. Somit ist die Deponie Rautenweg ein wahres "Energiebündel".

Energiewunder Deponie Rautenweg

Fauna und Flora

Pinzgauer Ziegen auf der Deponie Rautenweg

Pinzgauer Ziegen auf der Deponie Rautenweg

Neben modernsten Entsorgungsmethoden setzt die MA 48 auch auf Artenschutz. Die Deponie Rautenweg bietet aufgrund der steppenartigen Beschaffenheit für viele Pflanzen, Säugetiere, Vögel und Insekten einen einzigartigen Lebensraum. Enten, Krähen, Rehe, Hasen, 26 Schmetterlingsarten, 47 Spinnenarten, 43 Laufkäferarten, Heuschrecken, et cetera: Die Deponie bietet ein wunderbares Rückzuggebebiet für viele Tierarten und eine einzigartige Vegetation. Manche Tierarten haben sich erst wegen des Deponiebetriebes angesiedelt, der ideale Lebensbedingungen liefert. So die Haubenlerche, ein Halbsteppenvogel, welche eine gemäß Wiener Naturschutzgesetz streng geschützte Art mit Lebensraumschutz im gesamten Stadtgebiet ist.

Seit Anfang der Neunzigerjahre ist die Deponie auch Lebensraum für Pinzgauer Ziegen. Zu Beginn stand die prinzipielle Überlegung im Raum, die immer größer werdenden Grünflächen auf der Deponie mittels "natürlichen Rasenmähern" im Bewuchs niedrig zu halten. Auch wenn zu Beginn ein starker funktionaler Aspekt überwog, diente die Ansiedlung dem Artenschutz. Anfang der 1990er-Jahre gab es in ganz Österreich nur noch knapp 200 Exemplare der Pinzgauer Ziege. Dass seitdem auf der Deponie über 100 Kitze geboren wurden, verdeutlicht die Relevanz des Rautenwegs als Lebensraum für diese Tiere.

Die Deponie Rautenweg ist auch für Botaniker ein richtiges Eldorado: Bocksdorn, verschiedenste Disteln und Rosenarten, Rauken, Greiskraut, Königskerzen, Karde, Rittersporn sind nur wenige der zahlreichen Pflanzen, welche auf der Deponie zu finden sind. An besonders trockenen Stellen, gibt es mit dem Zwerg-Schneckenklee eine Pflanze, die sogar auf der roten Liste bedrohter Pflanzen ist.

"Beag aus Mist" - das Buch über die Deponie Rautenweg

Buch " Beag aus Mist" über die Deponie Rautenweg

Die Deponie Rautenweg hat viele Geschichten zu erzählen. Diese reichen vom Umgang mit Müll im Wandel der Zeit, über die beeindruckende Technik und Maschinen im Deponiebetrieb, über die Menschen bei der Arbeit, über die Pflanzen und Tierwelt bis hin zur Sicht der Anderen über die Deponie Rautenweg. Die Anderen sind Fachleute der Abfallwirtschaft aber auch die Nachbarn der Deponie oder Prominente wie die Läuferin Andrea Mayr, Willi Resetarits oder der Liedermacher und Dichter Ernst Molden. Sie alle verbindet eine besondere Geschichte mit der Deponie. Ernst Molden ist mit seinem eigens für die Deponie Rautenweg kreierten Song "Beag aus Mist" auch Namensgeber für das Deponiebuch.

Das Buch ist um 15 Euro im 48er-Tandler, dem Altwarenmarkt der MA 48 in der Siebenbrunnenfeldgasse 3 im 5. Bezirk, erhältlich.

Veranstaltungen auf der Deponie Rautenweg

Nicht überall ist eine Deponie ein attraktives und spannendes Ausflugsziel: In Wien aber sehr wohl. Ein Besuch auf der Deponie und des 48er-Museums bietet viel Information rund um die Wiener Müllbehandlung.

Von Mai bis Oktober sind jeden Freitag und jeden ersten Samstag im Monat Besichtigungen auf der Deponie Rautenweg möglich.

Erreichbarkeit

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