Yvonne Scheer

Yvonne Scheer wurde 2018 mit dem Frauenpreis in der Kategorie Gaming ausgezeichnet.

Yvonne Scheer mit dem Frauenpreis in Händen

Preisträgerin Yvonne Scheer

Yvonne Scheer engagiert sich in einem Bereich, der klar männlich dominiert ist. Dies möchte sie ändern. Seit Sommer 2018 ist die Grazerin Österreichs erste Genderbeauftragte für den heimischen E-Sport, den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen in Videospielen. Als solche möchte sie Frauen fördern und ihnen Mut geben, um in der momentan fast ausschließlich männlichen E-Sport-Szene zu bestehen.

E-Sport ist männlich dominiert

Sie möchte Ansprechperson für Gamerinnen sein und in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für deren Situation schaffen, die alles andere als einfach ist. Ihr Ziel ist es auch, die Anzahl der Gamerinnen bei E-Sport-Events zu erhöhen, denn diese ist momentan verschwindend gering: Während weltweit zwar etwa die Hälfte der Spieler und Spielerinnen Frauen sind (mitgerechnet werden die Plattformen PC, Konsolen und Smartphone), schätzt Yvonne Scheer deren Anteil im aktiven E-Sport in Österreich auf nur 3 bis 5 Prozent. Die Ursachen dafür sind vor allem die Klischees und Vorurteile, die Anfeindungen und Beschimpfungen, denen Gamerinnen teilweise ausgesetzt sind, weswegen Frauen auch selten bei E-Sport-Veranstaltungen und Wettbewerben als Spielerinnen anzutreffen sind.

Yvonne Scheer hat, seitdem sie sich auf Turnieren misst, nur wenige andere Spielerinnen kennengelernt beziehungsweise mehrmals getroffen. 2016 ergab eine Befragung von mehr als 100 Gamerinnen aus aller Welt, dass 3 Viertel von ihnen mindestens einmal online angegriffen worden sind. Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte, dass männliche Shooter-Spieler, die schlechte Leistungen erbringen, häufiger weibliche Spieler beschimpften (zitiert nach futurezone.at, 14.06.2018). Die Beleidigung "Mach mir ein Sandwich" war (und ist) dermaßen weit verbreitet, dass ein Frauenteam kurzerhand beschloss, diese umzudeuten und sich "Masy" zu nennen - ein Akronym aus "Make a sandwich yourself".

Während die meisten Gamerinnen verbale Herabsetzungen ignorieren, bringen Androhungen sexueller Gewalt viele dazu, sich zurückzuziehen oder ihr Geschlecht zu verstecken beziehungsweise einen neutralen Nickname zu wählen.

Doch nicht nur die Mehrheit der Teilnehmenden bei E-Sport-Events besteht aus jungen Männern, auch die meisten Videospielentwickelnden sind männlich. Dies führt nicht selten dazu, dass ein unrealistisches Frauenbild in Videospielen reproduziert wird. Die männlichen Spielfiguren sind häufig bis an die Zähne bewaffnet und stecken in Rüstungen, wohingegen weibliche Charaktere meist weniger bekleidet dargestellt werden - auch deshalb werden die spielenden Frauen oft nicht als Subjekte wahrgenommen.

E-Sport ist ein junges Feld

E-Sport ist ein sehr junges, jedoch stark wachsendes Feld: 2017 sahen etwa 335 Millionen Menschen weltweit bei Übertragungen von E-Sport-Wettbewerben zu, bei denen Gamerinnen und Gamer einzeln oder in Teambewerben in verschiedensten Videospielen gegeneinander angetreten sind. Die aktuellen Preisgelder gehen, je nach Videospiel, mittlerweile in die Millionen. Das Internationale Olympische Komitee diskutiert sogar, ob E-Sport - zumindest ausgewählte Kategorien - olympisch werden soll.

In Österreich ist die aktive Szene im Vergleich zu asiatischen Ländern wie Südkorea, China oder Taiwan, in denen E-Sport viel verbreiteter und gesellschaftlich anerkannt ist, noch relativ klein: Beispielsweise würden dort Wettkämpfe im Abendprogramm gezeigt oder sogar in den öffentlichen Verkehrsmitteln übertragen, erklärt Yvonne Scheer.

Im November 2018 war sie im Namen des ESVÖ, dem e-SportVerband Österreichs, als Medienbeauftragte bei der IESF World Championship in Taiwan. Bereits im Jahr davor konnte sie bei diesem Großevent - damals in Südkorea - internationale Kontakte knüpfen. Als eine von nur 3 Frauen nahm sie heuer wieder bei der Generalversammlung des IESF, der International Esports Federation, teil: "Neben mir waren noch die Präsidentin von Südafrika und die Schatzmeisterin von Namibia anwesend", postet sie auf ihrer Facebook-Seite. Und das bei über 45 Ländervertretungen aus aller Welt.

Die größere Verbreitung von E-Sport in Asien erhöht jedoch nicht unbedingt die Akzeptanz von Gamerinnen. Denn in allen Ländern existiert ein starkes Ungleichgewicht zwischen Wettkämpferinnen und Wettkämpfern. "Die Frauenquoten bei Turnieren sind weltweit ähnlich niedrig", betont Yvonne Scheer und interpretiert dies als Ausdruck gesellschaftlicher Vorstellungen. Es gibt zwar internationale Beispiele für erfolgreiche E-Sportlerinnen, doch viel zu wenige.

Seit vielen Jahren selbst als Gamerin aktiv

Yvonne Scheer selbst hat mit etwa 12 Jahren begonnen, sich mit Videospielen zu beschäftigen. Mit circa 19 Jahren hat sie "online gamen" für sich entdeckt. Sie war von Beginn an fasziniert vom sozialen Element der Videospiele und der Möglichkeit, gemeinsam gegen andere Teams anzutreten. "Dennoch hatte ich Schwierigkeiten in der Gaming-Szene Fuß zu fassen, weil mich mein Nickname 'MissMadHat' beim Spielen eindeutig als Frau identifiziert. Ich habe aber bald ein tolles Team gefunden, mit dem ich von Anfang an eine gute Chemie hatte ('AuT pBo')", erklärt sie in einem Interview (zitiert nach profil, 20.08.2018) und zählt ihre Teamkollegen mittlerweile zu ihren guten Freunden.

2013 wurde Yvonne Scheer mit ihrem Team zum 1. Mal Staatsmeisterin und verteidigte den Titel in den beiden Folgejahren. In den vergangenen Jahren hat sie bei mehreren Veranstaltungen, wie der GameCity im Wiener Rathaus, mitgearbeitet und in Live-Streams Turniere moderiert. Als lizenzierte E-Sport-Schiedsrichterin hat sie außerdem österreichische Turniere betreut. "Aber ich habe nie daran gedacht, damit Geld zu verdienen." (zitiert nach Die Zeit 44/2018, 29.10.2018)

Die Grazerin arbeitet in einem Energie-Versorgungsunternehmen und ist regelmäßig in Wien, wo der Großteil der Veranstaltungen stattfindet. Die Tätigkeit als Genderbeauftragte für den heimischen E-Sport und den ESVÖ ist eine ehrenamtliche, die sie mit großem Engagement verfolgt. "Die meisten Frauen in der Szene suchen sich jemanden zum Anhalten, der ihnen dabei hilft, das alles zu lernen. Da braucht es gute Vorbilder", sagt Yvonne Scheer (zitiert nach futurezone.at, 14.06.2018), die inzwischen eines der bekanntesten Gesichter in der österreichischen Szene ist. Und eines der wenigen weiblichen.

Sie sieht ihre Aufgabe darin, ein Vorbild für andere Gamerinnen zu ein, sie anzuspornen und zu motivieren. Außerdem möchte sie für Fragen zur Verfügung stehen und die weibliche Gaming-Szene nachhaltig vernetzen. Eine reine Frauenliga zu bilden, wie es in anderen Ländern - teilweise erfolglos - versucht wurde, hält sie jedoch für kontraproduktiv und das widerspreche auch dem Gedanken der Gleichbehandlung.

Zu ihren ersten Aktivitäten als Genderbeauftragte gehörte es, Vorträge über Geschlechtergerechtigkeit zu halten und die Situation von Frauen im E-Sport zu beleuchten. Dies tat sie beispielsweise 2018 bei der Konferenz "F.R.O.G. - Future and Reality of Gaming" im Wiener Rathaus.

Sie kommuniziert mit den Gamerinnen (und Gamern) vor allem über ihre Facebook-Seite, die nach ihrem Alias "MissMadHat" benannt ist, über Teamspeak oder Skype und teilt so ihre Erfahrungen mit anderen. Seit sie ihr Amt übernommen hat, bekommt sie vermehrt Nachrichten: Glückwünsche, Interviewanfragen, aber auch Bitten um Gespräche von Mädchen und Frauen, die Hilfe oder einfach nur guten Rat benötigen. "Für mich wäre es schon ein Erfolg, wenn sich nur ein Mädel wegen mir traut, zu einem Turnier zu gehen", sagt sie (zitiert nach Die Zeit 44/2018, 29.10.2018). Sie bekommt viel positives Feedback, aber in Erinnerung bleiben trotzdem oft die teilweise abwertenden Kommentare. Doch dagegen ist sie inzwischen gewappnet und kämpft dagegen an.

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