Katharina Mader

Frau hält Statue bei Preisverleihung

Preisträgerin Katharina Mader

Unbezahlte Arbeit, die historisch wie aktuell meist von Frauen verrichtet wird, ist Katharina Maders Spezialgebiet. Mader erforscht, was die klassische Ökonomie übersieht und erst Schritt für Schritt von Feministinnen in die Wirtschaftswissenschaft hineinreklamiert werden muss. Für ihr wissenschaftliches Engagement in der feministischen Ökonomie erhält die Volkswirtin 2017 den Wiener Frauenpreis.

Katharina Mader wurde 1981 in Wien geboren. Sie studierte Volkswirtschaft, "um die Welt besser zu verstehen." (zitiert nach Website madamewien: Astrid Kuffner; Pamela Russmann (2017): "Der Haushalt als Black Box") Dabei lernte sie schnell, dass "das Gelehrte mit meiner weiblichen Lebensrealität nur bedingt zu tun hat". (zitiert nach der Website von Der Standard: Astrid Kuffner (2010): "Frauen und Formeln. Katharina Mader wurde für ihre Arbeiten zur feministischen Ökonomie geehrt") Denn Geschlecht kommt in klassischen Wirtschaftstheorien schlichtweg nicht vor. "In der Ökonomie brauchen wir Feminismus ganz dringend. Es gibt genug zu tun, Stichwort bezahlte und unbezahlte Arbeit, die Höhe der Löhne, die Art der Arbeitsplätze", erklärt Mader im Interview mit derstandard.at. (zitiert nach ebenda)

Solche frauenpolitischen Themen stellen eine so genannte "Black Box" dar - ein Kasten, in den man lieber nicht hineinschaut. "Arbeit" ist im wissenschaftlichen Mainstream per definitionem bezahlt, alles andere wird gar nicht als Arbeit gewertet. Feministische Ökonomie heißt deshalb, über den wissenschaftlichen Tellerrand zu schauen. Dies gehört mittlerweile zum Tagesgeschäft der am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) tätigen Volkswirtin.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Studium setzte sich Mader zunächst im Frauenservice Wien und in der Wiener Magistratsdirektion mit feministischer Ökonomie auseinander. Von 2004 bis 2007 arbeitete sie als Referentin für den Bereich Feministische Ökonomie mit Schwerpunkt Arbeitsmarkt und Gender Budgeting. "Ein politisches Umsteuern zugunsten einer geschlechtergerechten Verteilung öffentlicher Mittel ist das Kernanliegen von Gender Budgeting", erklärt Mader den englischen Fachbegriff. (zitiert nach dem Blog "imag-gendermainstreaming": Katharina Mader: "Gender Budgeting") Unbezahlte Arbeit sei dabei ein Schlüsselaspekt. Denn die Auswirkungen eines Budgets auf die Gleichstellung von Frauen und Männern zeige sich "in seinem Effekt auf das Maß an unbezahlter Arbeit." (zitiert nach ebenda) Ein geschlechtergerechtes Budget beeinflusst also, unter welchen Bedingungen und von wem unbezahlte Arbeit verrichtet wird.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern wurde 2009 in der österreichischen Verfassung verankert. Die geschlechtergerechte Verteilung des öffentlichen Haushalts ist ein wesentlicher Aspekt davon. "Bund, Länder und Gemeinden haben bei der Haushaltsführung die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern anzustreben", heißt es im Artikel 13 der Bundesverfassung. (zitiert nach Bundeskanzleramt Rechtsinformationssystem) Doch es ist gar nicht so einfach, das neu verankerte Recht von Frauen in der politischen Praxis und in den Verwaltungen umzusetzen. Ein Patentrezept gibt es nicht.

Dissertation zu "Gender Budgeting"

Genau damit beschäftigt sich Katharina Mader in ihrer Dissertation, die sie neben der Arbeit für die Stadt Wien verfasst. In ihrer Forschung untersucht Mader "Gender Budgeting als emanzipatorisches, finanz- und demokratiepolitisches Instrument". Gender Budgeting hat, wie Mader in ihrer Dissertation unterstreicht, mit Demokratie zu tun. Am Beispiel des Budgetprozesses der Stadt Wien erstellte Mader ein wissenschaftliches Grundgerüst für Gender Budgeting. 2008 erhielt sie für ihre Leistung den Dr.in Maria Schaumayer Preis. Ein Jahr darauf wurde die 2009 im Peter Lang Verlag erschienene Arbeit mit dem Gabriele Possanner Staats-und Förderpreis ausgezeichnet: "Die Publikation ist nicht nur für jeden Budgetisten, jede Budgetistin ein Pflichtexemplar, sondern auch für alle politischen Funktionäre und Funktionärinnen", hält die Rektorin der Akademie der Bildenden Künste Eva Blimlinger in der Laudatio fest. (zitiert nach der Website des BMWFW Laudatio von Eva Blimlinger (2010))

Wie kann Finanzpolitik transparenter und partizipativer sein? Gender Budgeting beforscht Katharina Mader nicht nur hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch ganz allgemein zur Frage nach einer gerechteren sozialen Verteilung, zum Beispiel im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit. Maders Perspektive könne, wie Blimlinger in Bezug auf ihre Dissertation unterstreicht, "angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise nicht relevanter sein." In Krisenzeiten ist ein Blick auf die gesellschaftliche Rolle von Frauen schließlich besonders wichtig: Frauen übernehmen mit ihrer unbezahlten Arbeit eine "Airbag"-Funktion. "Sie versuchen die Anpassungslasten von Krisen abzufedern und zu kompensieren", führt Mader auf der Homepage der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Gender Mainstreaming/Budgeting (IMAG GMB) aus.

Katharina Mader kennt selbst, wie sie auf madamewien.at erzählt, das Mantra vieler Mütter: "Du musst finanziell unabhängig sein." (zitiert nach Astrid Kuffner; Pamela Russmann (2017): "Der Haushalt als Black Box")

Unabhängigkeit geht sich allerdings nicht immer aus, schon gar nicht, wenn man selbst Mutter oder für die Pflege eines Familienmitglieds zuständig ist. Diese Formen der Arbeit sind in der Regel unbezahlt und werden immer noch vor allem von Frauen erledigt. "Aktuelle Forschungen bestätigen, dass zwei Drittel der Care-Arbeiten nach wie vor Frauen übernehmen. Und selbst wenn ein Teil zum Beispiel an Haushaltshilfen ausgelagert wird, fühlt sich die Frau für deren Organisation verantwortlich.", so Katharina Mader. (zitiert nach dem Blog des WU ZBP Career Center, Brigitte Kuchenbecker (2017): "Care-Arbeit - oder: Was arbeitet Schneewittchen eigentlich?")

"Care-Arbeit" leisten vor allem Frauen

Ein besonderer Aspekt von unbezahlter Arbeit ist, dass sie mit Beziehungen und Fürsorge zu tun hat. Dies kann nur schwer bemessen und muss auch immer wieder von vorne erledigt werden: "Das sind keine Projekte, die abgeschlossen werden." (zitiert nach ebenda) Seit den 1990er Jahren wird in der feministischen Ökonomie der Begriff "Care" verwendet, um diese Aspekte hervorzuheben.

Dass vor allem Frauen Care-Arbeit leisten, hat mit dem dominierenden Frauenbild in der Gesellschaft und der entsprechenden Sozialisation zu tun. "Mädchen werden oft als fürsorglich und einfühlsam erzogen, wohingegen Buben nicht mit Puppen spielen sollten. Das wirkt sich natürlich auf unser Rollenbild aus", gibt Mader im Blog des Career Centers an der WU zu bedenken. (zitiert nach ebenda) Diese Zuständigkeit hinterlässt allerdings auch im Erwerbsleben Spuren. Zum Beispiel arbeiteten laut Statistik Austria im Jahr 2016 nur etwa 11 Prozent der erwerbstätigen Männer in Teilzeit, hingegen waren es bei den Frauen circa 47 Prozent. (zitiert nach der Website von Statistik Austria)

Dabei müssen solche Zahlen auch gegen den Strich gelesen werden. Doch weil Care-Arbeit nicht bezahlt wird, findet sie sich auch nicht in den Statistiken. Laut Mader entspricht der ungefähre Wert der unbezahlten Arbeit einem Drittel des Sozialprodukts in einer westlichen Gesellschaft: "Diese Tätigkeiten sind für die Wirtschaft von immenser Bedeutung, genau genommen sind sie der Erwerbstätigkeit vorgelagert. Denn ist die Wäsche nicht sauber, dann kann man auch nicht zur Arbeit gehen." (zitiert nach Brigitte Kuchenbecker (2017): "Care Arbeit - oder: Was arbeitet Schneewittchen eigentlich?")

Seit den 1960er Jahren haben sich im Care-Bereich viele neue Arbeitsplätze entwickelt. Allerdings seien das meistens "Frauenarbeitsplätze", wie Mader kritisch festhält. (ebenda) Auch wird diese Arbeit, etwa im Pflegebereich, vielfach von migrantischen Arbeitskräften geleistet und schlecht bezahlt. Ungerechtigkeiten stehen also weiterhin an der Tagesordnung in diesem von so vielen Abhängigkeiten geprägten Bereich. "Kinder wachsen nun einmal nicht von alleine auf, und im Alter werden wir selbst auch einmal pflegebedürftig und somit abhängig werden." (zitiert nach ebenda) Katharina Mader, die selbst Mutter eines kleinen Kindes ist, spricht sich deshalb für den Lösungsweg einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung aus. In einigen nordeuropäischen Ländern sei eine 32-Stunden Arbeitswoche schon längst umgesetzt. "Das würde übrigens nicht bedeuten, dass wir nun alle Kinder bekommen müssen. Nein: Dann haben wir ein politisches Leben oder auch Freizeit oder wir unterstützen eine andere Familie bei deren Care Arbeiten." (zitiert nach ebenda)

Habilitationsprojekt zu "Care-Arbeit" seit 2011

Seit 2011 arbeitet Katharina Mader an ihrem Habilitationsprojekt. Darin setzt sich Mader intensiv mit Care-Arbeit auseinander und untersucht, wie sich die Arbeit im Haushalt auf das Einkommen auswirkt. Als Mitglied der "International Association for Feminist Economics" (IAFFE) und als Mitglied im "Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen" (Beigewum) und der unabhängigen Watchgroup "Gender und öffentliche Finanzen" setzt sich Mader an zahlreichen Fronten für die Anliegen feministischer Ökonomie ein. Denn "Weltveränderung braucht Reibung", ist die Ökonomin überzeugt. (zitiert nach Astrid Kuffner (2010): "Frauen und Formeln. Katharina Mader wurde für ihre Arbeiten zur feministischen Ökonomie geehrt")

Publikationen

  • Gubitzer, Luise, Klatzer, Elisabeth, Mader, Katharina. 2009. Social Accountability. Gender Budgeting als Gleichstellungsstrategie in der EZA? Studie für VIDC. Mader, Katharina. 2015. Gender Budgeting in der österreichischen Bundesverfassung. Fortschritt oder Falle?. WSI Mitteilungen 01 (2015): 51-58.
  • Mader, Katharina. 2016. Gender Budgeting und Wirkungsorientierung. Erfolgsrezept und Herausforderung. In: Gender Budgeting - Wirkungskontrolle, Hrsg. Österreichischer Städtebund, 1-11. Wien: Manz.

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