Astrid Zimmermann

Frau hält Statue bei Preisverleihung

Preisträgerin Astrid Zimmermann

Dass sich Journalistinnen und Frauen in Medienberufen gegenseitig unterstützen und füreinander einsetzen müssen, hat Astrid Zimmermann als eine der ersten gewusst. 2017 wird die Mitbegründerin des Frauennetzwerks Medien und Generalsekretärin des Presseclubs Concordia für ihr Engagement mit dem Wiener Frauenpreis gewürdigt.

Astrid Zimmermann wurde 1953 in Bludenz geboren. "Ich machte für eine Journalistin eine untypische Karriere, weil ich erst mit 33 Jahren Journalistin wurde", blickt Zimmermann auf ihren Werdegang zurück. (zitiert nach der Website Algomedia Presseservice: Astrid Zimmermann) Nach dem Studium der Pädagogik, Psychologie und Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung war Zimmermann zunächst als Lehrerin und geschäftsführende Redakteurin einer bildungspolitischen Zeitschrift tätig. Daraufhin war die ausgebildete Trainerin und Coachin für die Öffentlichkeitsarbeit des SPÖ-Landtagsclubs in Vorarlberg zuständig. "Aus dem heraus beschloss ich, dass ich auch die andere Seite kennenlernen möchte, und so wurde ich Journalistin." (zitiert nach ebenda)

Laufbahn als Journalistin

Astrid Zimmermanns journalistische Laufbahn beginnt in der Redaktion der Arbeiterzeitung. Als die Zeitung 1989 verkauft wurde, übernahm Zimmermann die Chefredaktion für das Oberösterreichische Tagblatt und das Salzburger Tagblatt. Daraufhin arbeitete sie als außenpolitische Redakteurin bei NEWS und wechselte schließlich zur Tageszeitung "Der Standard". Dort beteiligte sich Zimmermann maßgeblich am Aufbau der Berichterstattung aus den Bundesländern. Kurzfristig war Zimmermann für die strategische Kommunikation für das Krankenhaus Nord verantwortlich und darüber hinaus als Gesellschafterin des "Medienhaus Wien" tätig.

Tätigkeit in Gremien

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Astrid Zimmermann in zahlreichen Gremien engagiert: von 1998 bis 2001 war sie Vorsitzende der Journalistengewerkschaft; 2010 folgte sie Ilse Brandner-Radinger als Generalsekretärin des Presseclubs Concordia; von 2012 bis 2016 war Zimmermann Aufsichtsratsvorsitzende der Wiener Zeitung GmbH und von 2014 bis 2016 Präsidentin des Österreichischen Presserates. Als Medienexpertin hat Zimmermann in zahlreichen Fachbüchern Beiträge zu den Themen Medienpolitik und Informationsgesellschaft publiziert sowie Lehraufträge und Medientrainings abgehalten.

Im Journalismus erfolgreich zu sein, heißt für Astrid Zimmermann nicht nur, "dass ich meine Qualitätskriterien noch immer gehalten habe, obwohl der Druck in der Branche sehr groß ist", sondern außerdem, "dass die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern sehr gut funktioniert." (zitiert nach ebenda) Eine gute Zusammenarbeit war Astrid Zimmermann auch in der Vernetzung mit Kolleginnen in der Medienbranche ein wichtiges Anliegen. 1999 gründete sie gemeinsam mit Edith Stohl (ORF), Brigitte Handlos (ORF),Tessa Prager (News), Lydia Ninz (APA, Der Standard) und Augustine Wöss (ORF) das "Frauennetzwerk Medien". 2011 kam es zu einem regelrechten "Auszeichnungsreigen" für das Frauennetzwerk. (zitiert nach der Website Frauennetzwerk Medien: "Unsere Gründerinnen von der Republik ausgezeichnet") Astrid Zimmermann erhielt das Silberne Verdienstzeichen um Verdienste für die Republik.

Frauennetzwerk Medien

Das Frauennetzwerk Medien ist ein überparteilicher Verein für Journalistinnen und Frauen in Medienberufen. Das Netzwerk bietet ein Forum für Frauen, die in Medienberufen arbeiten, und engagiert sich zugleich dafür, "dass Frauen in Medien so dargestellt werden, wie es ihrer Lebensrealität entspricht." (ebenda) Dafür verleihen die rund 300 Medienfrauen jährlich den Wiener Journalistinnenpreis und das "rosa Handtaschl". Mit dem "rosa Handtaschl" wird medialer Sexismus in Form eines Anti-Preises aufgezeigt. Das Netzwerk organisiert auch regelmäßig Medien-Talks und Diskussionen und bietet ein Mentoringprogramm sowie eine Jobbörse an.

"Feminismus - uncool, überholt und unnötig im 21. Jahrhundert? Die gläserne Decke, Männerseilschaften, Sexismus in den Medien - alles Litaneien, die der Vergangenheit angehören?" Solche Fragen sind, wie das Frauennetzwerk auf seiner Homepage klarstellt, "mit einem klaren, deutlichen: Nein!" zu beantworten. Gerade in einer unter Druck geratenen Medienlandschaft kämpfen viele Journalistinnen "gegen Windmühlen, werden nicht gerecht bezahlt und geraten in finanzielle Bedrängnis", so die Medienfrauen. Deshalb sei es wichtiger denn je, dass sich Journalistinnen und Medienfrauen "zusammentun, sich austauschen, Erfahrungen teilen, sich die Räuberinnen-Leiter machen." (zitiert nach ebenda)

Zwar schaffen Frauen den Berufseinstieg in den Journalismus leichter als Männer, "nicht zuletzt wegen den Frauen zugeschriebenen Soft Skills Empathie und gute Kommunikationsfähigkeit." (zitiert nach Astrid Zimmermann, "Frauen erobern die Medien", in: Ilse Brandner-Radinger (Hg.): Was kommt, was bleibt: 150 Jahre Presseclub Concordia)

Das bedeute aber nicht, dass auf den Einstieg auch eine Karriere folgt. Zimmermann warnt daher vor der von der Kommunikationswissenschaftlerin Romy Fröhlich beschriebenen "Freundlichkeitsfalle für Journalistinnen". Die gesellschaftlichen Rollenbilder fallen nämlich in den oberen Etagen zuungunsten von Frauen aus. Dort dominieren "männliche" Rollenbilder wie Entschlossenheit, Risikobereitschaft und Ehrgeiz. Die Folge: Nur eine von zehn Journalistinnen hat eine leitende Rolle in einem Medium oder einem Ressort. Bei den männlichen Kollegen ist es hingegen fast die Hälfte.

Frauenanteil im Journalismus

"Zugegeben: Der Frauenanteil im Journalismus ist gestiegen, weil neue Tätigkeitsfelder erschlossen wurden, oft zu schlechteren Arbeitsbedingungen und niedrigerer Bezahlung", verkündet Zimmermann die gute und die schlechte Nachricht zugleich. (zitiert nach ebenda) 1981 waren nur 16 Prozent im Journalismus Frauen, 1999 war es schon ungefähr ein Drittel und heute hat Österreich mit 42 Prozent einen höheren Anteil als Deutschland. Den "Frauenboom" im Journalismus als Ausdruck einer gleichberechtigten beruflichen Karriere zu deuten, "wäre allerdings naiv", formuliert Zimmermann unmissverständlich: Gerne werden manche statistische Daten "großzügig übersehen" - seien es die enormen Gehaltsunterschiede oder die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen: 53 Prozent der Journalistinnen verdienen weniger als 2.500 Euro brutto im Monat, während nur 32 Prozent der Journalisten dieser Einkommenskategorie angehören. (zitiert nach Astrid Zimmermann; Andy Kaltenbrunner; Matthias Karmasin; Daniela Kraus (2007): Der Journalisten-Report: Österreichs Medien und ihre Macher. Eine empirische Erhebung.)

Beruf und Familie zu vereinen, ist im Journalismus, so Astrid Zimmermann, "eine nur schwer zu bewältigende Doppel- und Dreifachbelastung." Ein Grund dafür sei, "dass der journalistische Beruf an der männlichen Normalbiografie ausgerichtet ist." (zitiert nach Astrid Zimmermann (2009), „Frauen erobern die Medien“, in: Ilse Brandner-Radinger (Hg.): Was kommt, was bleibt: 150 Jahre Presseclub Concordia.)

Ein Drittel der Journalistinnen in Teilzeit

Fast ein Drittel der Journalistinnen in Österreich arbeitet in Teilzeit. Das liegt laut Der Journalisten-Report (2007) auch an den "weiblicheren" Formaten der Wochen- und Monatszeitschriften, bei denen das Beschäftigungsausmaß geringer ist. Heute ist ein großer Teil der Journalistinnen und Journalisten nicht mehr angestellt - eine Tendenz, die den Zuwachs von Frauen in der Branche begleitet hat. Schließlich haben weiblich codierte Ressorts wie Lifestyle und Mode oder Wissenschaft und Medizin oft weniger Ressourcen als etwa die prestigeprächtigeren Ressorts Politik und Wirtschaft, wie in der unter anderem von Zimmermann herausgegebenen empirischen Studie festgestellt wird. (zitiert nach Astrid Zimmermann; Andy Kaltenbrunner; Matthias Karmasin; Daniela Kraus (2007): Der Journalisten-Report: Österreichs Medien und ihre Macher. Eine empirische Erhebung.)

Presseclub Concordia

"Wen wundert es dann eigentlich, dass es im bis 1919 reinen Herrenclub Concordia mit der früheren Politikressortleiterin Ilse Brandner-Radinger erst seit 1990 die erste weibliche Generalsekretärin gibt", schreibt Astrid Zimmermann als zweite Frau in dieser Position. (zitiert nach Astrid Zimmermann (2009), „Frauen erobern die Medien“, in: Ilse Brandner-Radinger (Hg.): Was kommt, was bleibt: 150 Jahre Presseclub Concordia.)

Höchste Zeit, schließlich ist die Concordia nach der bürgerlichen Revolution von 1848 unter den Fahnen von Pressefreiheit, Demokratie und Menschenrechten entstanden. Neben der Presse- und Meinungsfreiheit überprüft der Presseclub auch die Qualität des Journalismus. Thema ist hier nach Zimmermann der Trend, dass "uns viel öfter Werbung als Journalismus verkauft wird, als wir es wahrhaben möchten." (zitiert nach der Website profil.at: Astrid Zimmermann, Interview (2014) von Tina Goebel: "Astrid Zimmermann: 'Uns wird öfter Werbung als Journalismus verkauft, als wir wahrhaben möchten'")

Auch in ihrer Funktion als Präsidentin des Presserats setzte sich Zimmermann gegen Missstände im Journalismus ein.

Frauen in Führungsgremien von Medien

2016 schreibt das Frauennetzwerk Medien gemeinsam mit dem Österreichischen Frauenring zum geplanten Umbau des Aufsichtsrates der Wiener Zeitung einen offenen Brief an Bundeskanzler Christian Kern. "Weshalb Astrid Zimmermann, die - nicht zuletzt in ihrer Funktion als Generalsekretärin des Presseclubs Concordia – über jahrelange Erfahrung und damit große Expertise in der Medienbranche verfügt, abgelöst werden soll, ist für uns nicht nachvollziehbar." (zitiert nach der Website Frauennetzwerk Medien (2016), "Führungsgremien von Medien brauchen mehr und nicht weniger Frauen") Führungsgremien von Medien brauchen mehr und nicht weniger Frauen, so die Forderung. Zimmermann bleibt weiterhin Mitglied des Aufsichtsrats. Trotzdem zeigt die Entscheidung der politisch Verantwortlichen, dass um die gesellschaftliche Besserstellung von Frauen im Journalismus nach wie vor gekämpft werden muss. Dafür hat Astrid Zimmermann bereits einen wertvollen Beitrag geleistet.

Publikationen

  • Astrid Zimmermann. 2009. Frauen erobern die Medien. In: Brandner-Radinger, Ilse (Hg.): Was Kommt, Was Bleibt. 150 Jahre Presseclub Concordia. Wien: Facultas. S.49-51
  • Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin; Daniela Kraus; Astrid Zimmermann. 2007. Der Journalisten-Report. Österreichs Medien und ihre Macher. Wien: Facultas.

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