Lebensmittelweitergabe an soziale Einrichtungen

Karotten und Lauch

Studie aus Wien - jetzt österreichweit

Als Basis für künftige Planungen und zur Feststellung des Ausgangszustandes wurden 2013 im Auftrag der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) die Mengen-Daten sowie die Rahmenbedingungen und der Ist-Stand hinsichtlich der Beteiligten erhoben: "Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen. Ist-Stand und Bedarf bei der Lebensmittelweitergabe in den sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen in Wien"

Davon ausgehend wurden im Projekt "Lebensmittelweitergabe in Österreich 2014" die im Bereich Lebensmittelweitergabe tätigen sozialen Einrichtungen in ganz Österreich und deren Organisationsstruktur dargestellt. Zudem wurden die durch diese Organisationen verteilte beziehungsweise verkaufte Gesamtmenge an Lebensmitteln und eine Verteilung der Lebensmittel in ausgewählten Produktgruppen abgeschätzt.

Soziale Einrichtungen zur Lebensmittelweitergabe

In Wien sind seit rund einem Jahrzehnt soziale Organisationen im Bereich Lebensmittelweitergabe engagiert, die diese Lebensmittel ihrem ursprünglichen Sinn zuführen und damit gleichzeitig Abfälle vermeiden. Folgende Institutionen sind in Wien tätig:

  • Die Partnermärkte des Dachverbandes SOMA Österreich & Partner:
    • SOMA Wiener Hilfswerk
    • Vinzimarkt
    • Samariterbund Sozialmärkte.
  • LE+O - Lebensmittel und Orientierung
  • Verein START UP
  • Team Österreich Tafel
  • Sozialmarkt Wien
  • Wiener Tafel, die als Verteilungsorganisation eine besondere Rolle einnimmt. Die Wiener Tafel beliefert über 85 soziale Einrichtungen im Großraum Wien.

Soziale Einrichtungen zur Lebensmittelweitergabe

Verfügbarkeit und Bedarf

Der Lebensmittelbedarf in den befragten sozialen Einrichtungen wird zu 55 Prozent über diese Lebensmittelspenden gedeckt. Davon liefert 47 Prozent die Wiener Tafel, sechs Prozent stammen aus privaten Lebensmittelspenden und zwei Prozent von anderen institutionellen Spendern. Die restlichen Lebensmittel (45 Prozent) werden zugekauft, um die Klientinnen und Klienten mit allem Erforderlichen zu versorgen.

Brot und Backwaren wurden als ausreichend verfügbar genannt. Sechs Prozent der Organisationen erhalten zu viel Brot und Backwaren, obwohl diese in vielen Einrichtungen kostenlos an ihre Klientinnen und Klienten abgegeben werden.

Vermehrter Bedarf besteht an Reis, Teigwaren, Ölen und Fetten, Zucker, Kaffee, Tee, Tiefkühlprodukten und länger haltbaren Lebensmitteln wie Konserven. Da nicht alle sozialen Einrichtungen über gekühlte Lagermöglichkeiten verfügen, können bestimmte Lebensmittel nur begrenzt übernommen werden.

Ergebnisse

In Wien werden pro Jahr rund 2.252 Tonnen genießbare Lebensmittel von Lebensmittelproduzentinnen und -produzenten sowie Groß- und Einzelhandel durch die sozialen Einrichtungen zur Lebensmittelweitergabe übernommen. Davon werden rund 2.126 Tonnen (94,4 Prozent) an soziale Einrichtungen beziehungsweise sozial Bedürftige verteilt sowie über Sozialmärkte verkauft. Weniger als sechs Prozent der Lebensmittel müssen entsorgt werden.

  • Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen. Ist-Stand und Bedarf bei der Lebensmittelweitergabe in den sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen in Wien: 3,1 MB PDF

Leitfäden zur Weitergabe von Lebensmitteln

Leitfaden der Arbeitsgruppe "Soziale Nachhaltigkeit"

Als Unterstützung für die Zusammenarbeit zwischen Handels- und Industrieunternehmen sowie sozialen Einrichtungen steht ein Leitfaden zur Verfügung. Der Leitfaden wurde in der Arbeitsgruppe "Soziale Nachhaltigkeit" der ECR-Austria (Efficient Consumer Response) gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern sozialer Einrichtungen, der Universität für Bodenkultur, der Wirtschaftsuniversität Wien, dem Österreichischen Ökologie-Institut und dem Lebensministerium erarbeitet.

Der Leitfaden stellt unter anderem Informationen zu Warenbeschaffung und Sortiment, rechtlichen Aspekten, Logistik, Lebensmittelsicherheit, Wertschöpfung und abfallwirtschaftliche Auswirkungen zur Verfügung.

  • Leitfaden zur Weitergabe von Lebensmitteln - Kooperation zwischen Unternehmen der Konsumgüterbranche und sozialen Einrichtungen im Sinne der Nachhaltigkeit: 2,1 MB PDF

Leitfaden des Bundesministeriums

Weiters wurde ein Leitfaden für die Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen (Rechtliche Aspekte) auf Initiative des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit ausgearbeitet. Der Leitfaden soll helfen Maßnahmen setzen zu können, damit genießbare Lebensmittel aus der Lebensmittelproduktion sowie dem Groß- und Einzelhandel nicht entsorgt werden müssen.

Als Zielgruppe sind einerseits Unternehmen angesprochen, die sich vor einer Weitergabe von Lebensmitteln erstmals einen Überblick verschaffen möchten, als auch Lebensmittel empfangende Sozialeinrichtungen, welche Unterstützung bei unklaren rechtlichen Fragestellungen benötigen.

Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen - Bedarfserhebung

Gründe für die Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen

Klassische Gründe für die Entsorgung von genießbaren Lebensmittelprodukten im Bereich der Herstellung und Verarbeitung sind:

  • Überproduktionen
  • Lagerüberschüsse
  • Fehletikettierungen
  • Unter- oder Übergewicht der Produkte (d.h. Inhaltsmengen stimmen nicht mit rechtlichen Forderungen oder Füllangaben der Verpackung überein)
  • Transportbeschädigungen
  • Sortimentswechsel
  • Verpackungsneugestaltung
  • Saisonwarenproduktion

So können für bestimmte Anlässe produzierte Lebensmittel, wie zum Beispiel Schokoladeosterhasen und -nikoläuse, nach dem Anlass nicht mehr abgesetzt werden und kommen stattdessen direkt in die Entsorgung. Im Einzelhandel sind als Faktoren Marketingstandards (Schönheits- oder Verpackungsfehler) und mangelnde Lagerbedingungen zu nennen.

Weiterführende Informationen

Verantwortlich für diese Seite:
Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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