"Campus plus" für gemeinsame Kindergärten und Schulen

Beim Bau von Bildungseinrichtungen geht das Wiener Campusmodell neue Wege. Fünf Standorte wurden nach diesem Konzept umgesetzt. Alle weiteren Projekte werden als "Campus plus" gebaut.

Spielplatz vor dem Gebäude des Bildungscampus Attemsgasse

Die Erweiterung des bisherigen Konzepts Campus zum "Campus plus" ermöglicht es dem Kindergarten und der Schule, unter einem gemeinsamen Dach, von Anfang an den pädagogischen Betrieb und die Freizeitgestaltung miteinander zu verschränken.

Umsetzung

Alle bis 2023 geplanten Campus-Standorte werden nach dem "Campus plus"-Konzept umgesetzt. Im September 2017 ging bereits der Bildungscampus Friedrich Fexer in der Donaustadt in Betrieb. Dieser ist der erste Bildungsstandort nach dem neuen "Campus plus"-Modell.

Acht weitere "Campus plus"-Standorte befinden sich derzeit in der Planungs- beziehungsweise Umsetzungsphase.

Schulklassen und Kindergartengruppen rücken zusammen

Beim "Campus plus"-Konzept rücken jeweils vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen räumlich zusammen: Sie werden zu Bildungsbereichen, sogenannten Clustern, mit multifunktionalen Räumen zusammengefasst.

Die Kinder halten sich dabei nicht ausschließlich in ihrem Klassen- oder Gruppenraum auf, sondern können sich frei bewegen und beispielsweise selbstständig eine andere Gruppe besuchen oder das Angebot des multifunktionalen Bereiches nutzen. Des Weiteren soll in den Bildungsbereichen auch eine Sondergruppe beziehungsweise -klasse (Vorschule, heilpädagogische Gruppe oder basale Klasse) untergebracht sein.

Kinder im Alter von null bis zehn Jahren verbringen so den Tag miteinander. Ein "Campus plus" beherbergt im Regelfall bis zu vier derartige Bereiche, also insgesamt 21 Schulklassen und 12 Kindergartengruppen, für rund 700 Kinder beherbergen.

Architektonische Besonderheiten

Bereits bei der Planung des Bildungscampus Sonnwendviertel, der nach dem Wiener Campusmodell umgesetzt wurde, am neuen Hauptbahnhof wurde mit sogenannten "Marktplätzen" eine Möglichkeit geschaffen, Flächen gemeinsam zu nutzen. Mit dem "Campus plus"-Konzept geht man bei allen neuen Campus-Bauten noch weiter: Jeder "Campus plus" vereint gemeinsame zentrale pädagogische Sport-, Kreativ-, Therapie- und Verwaltungsbereiche sowie vier altersübergreifende Bildungsbereiche mit Kindergartengruppen und Schulklassen.

Alle Bildungsbereiche werden möglichst offen und transparent gestaltet. Die Zusammenarbeit der Gruppen untereinander soll durch Verbindungen der Räume sowie durch Sichtverbindungen gezielt gefördert werden. Das Raumangebot muss verschiedenste Arten des Lernens in kleinen und größeren Gruppen, Rückzugsmöglichkeiten sowie Freizeitgestaltung ermöglichen. Darüber hinaus sollen auch die Mahlzeiten in einer Bildungseinheit gemeinsam eingenommen werden können. Fix eingeplant ist auch ein eigener Teamraum für PädagogInnen- und Elterngespräche.

Einbindung von Musik, Sport und Jugendzentren

Eine zusätzliche Neuerung beim "Campus plus"-Modell ist die sogenannte Stadteilfunktion, die es zukünftig ermöglicht, externe Bildungspartnerinnen und -partner verstärkt in die Freizeitgestaltung beziehungsweise Nachmittagsbetreuung einzubinden. Das Hauptaugenmerk liegt vor allem bei den Musikschulen der Stadt Wien, Breitensportanbieterinnen und -anbietern, sowie Jugendzentren, die in die neuen Campus-Standorte integriert werden. Sie sollen mit ihren Angeboten auch Anrainerinnen und Anrainern offen stehen. Mehrfachnutzungen sollen in möglichst vielen Bereichen umgesetzt werden. Damit wird der Campus auch eine verbindende Funktion innerhalb eines Stadtteiles übernehmen.

"Mini-Campus" in Wohnbauten

Über die großen Campus-Standorte hinaus soll es künftig auch eigenständige "Mini-Campus"-Angebote geben, die in Erdgeschoßzonen von Wohnhäusern untergebracht werden. Dabei werden zwei Bildungsbereiche als eigener "Mini-Campus"-Standort geführt. Der Vorteil dabei ist, dass damit freistehende Flächen in der ganzen Stadt besser genutzt und der lokale Bedarf noch genauer abgedeckt werden kann. Erste "Mini-Campus"-Standorte sind in Überlegung beziehungsweise in Vorbereitung.

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