Schmetterlinge in Wien

Blauäugiger Waldportier

Ein Blauäugiger Waldportier saugt am Sommerflieder.

Tag- und Nachfalter

Wien ist eine Stadt der Schmetterlinge. Sie unterteilen sich in Tag- und Nachfalter. Einerseits ist der Erfassungsgrad der hierzulande vorkommenden Arten hoch, andererseits gibt es günstige Lebensbedingungen. Das liegt nicht zuletzt am hohen Anteil extensiv bewirtschafteter Wiesen des Wienerwaldes.

Historische und aktuelle Funde belegen eine Vielfalt von 137 Tagfalter-Arten. Gegenwärtig kann man immerhin noch zirka 105 Tagfalter-Arten antreffen.

Bei den Nachtfaltern ist der Erforschungsgrad nicht so hoch wie bei den Tagfaltern. Basierend auf einer Arbeit von Bobits & Weisert (2005) und einer Einschätzung von Rabitsch (2003) ist ein Vorkommen von zirka 2.365 Nachtfalter-Arten möglich. Für eine Gattung unter den geschützten Nachtfaltern, den Ordensbändern (Catocala) wurde 2008 eine Spezialkartierung durchgeführt. Sie dokumentiert die Existenz von acht Arten, wovon vier Arten noch zahlreich anzutreffen sind: Catocala nupta, Catocala fraxini, Catocala puerpera und Catocala electa.


Schmetterlingsschutz

Nach der gültigen Wiener Naturschutzverordnung (Wr. NschVO) werden streng geschützte und geschützte Schmetterlinge (Lepidoptera) unterschieden. Unter den streng geschützten Arten gibt es auch zehn, die als prioritär bedeutend ausgewiesen sind.

Prioritär bedeutende, streng geschützte Schmetterlinge

Osterluzeifalter

Osterluzeifalter aus der Oberen Lobau, Nähe Josefsteg

Das Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri), der größte und spektakulärste heimische Nachtfalter, zeigt sich entlang des gesamten Stadtrandgürtels und kann entlang der Grünkorridore bis weit in dicht verbauten Stadtteile vordringen. Funde, unter anderem beim Westbahnhof oder im dicht besiedelten Bezirk Margareten, belegen dies.

Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) hat im Rahmen der Gesetzgebung und in der praktischen Umsetzung zahlreiche Akzente für den Schutz und Erhalt von Schmetterlingen in Wien gesetzt. Im Rahmen des Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogrammes (Netzwerk Natur) wurden zehn Arten als prioritär bedeutend ausgewiesen, für die verpflichtend erhaltende Maßnahmen zu setzten sind. Diese sind:

  • Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion)
  • Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
  • Großer Fuchs (Nymphalis polychloros)
  • Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena)
  • Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia)
  • Segelfalter (Iphiclides podalirius)
  • Schwarzer Trauerfalter (Neptis rivularis)
  • Blauäugiger Waldportier (Minois dryas)
  • Weißer Waldportier (Brintesia circe)
  • Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri)

Streng geschützte Schmetterlinge

Russischer Bär in Wien 13., Fasangarten, angezogen durch eine Lichtquelle

Russischer Bär in Wien 13., Fasangarten, angezogen durch eine Lichtquelle

Laut der Wr. NschVO sind folgende Arten streng geschützt:

  • Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata)
  • Russischer Bär (Callimorpha quadripunctaria)
  • Schwarzer Bär (Arctia cillica)
  • Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus).

Geschützte Schmetterlinge

Rotbraunes Wiesenvoegelchen

Rotbraunes Wiesenvoegelchen auf der Donauinsel, Höhe Kraftwerk Freudenau

16 Tagfalter, u.a. Admiral, Aurorafalter, C-Falter, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Hauhechelbläuling, Zitronenfalter, Waldbrettspiel und Tagpfauenauge, sind als voll entwickeltes Insekt (Imago) geschützt. Alle anderen Arten sind als Imago in allen Wiener Schutzgebieten geschützt. In den Schutzgebieten sind ebenfalls folgende Vertreter der Nachtfalter (Imago) geschützt: alle Arten der Blutströpfchen (ausgenommen Zygaena filipendula) und alle Ordensbänder (Catocala spp).


Raum für Schmetterlinge schaffen

Viele Schmetterlinge Wiens leben innerhalb der Schutzgebiete, wie z.B. auf den Wienerwaldwiesen, am Bisamberg, im Prater, in der Lobau oder auf der Donauinsel. Schmetterlinge sind jedoch auch an anderen Orten im gesamten Stadtgebiet anzutreffen.

Um den Schmetterlingen neue Lebensräume zu schaffen, setzte und setzt das Netzwerk-Natur-Team zahlreiche Maßnahmen. So wurde auf den Grünstreifen des Gürtels in Margareten ein erheblicher Teil der einstigen Rasenfläche zu einer Schmetterlingswiese umgewandelt. Ähnliches passierte am Europaplatz im Bezirk Mariahilf, wo sogar das Bodensubstrat ausgetauscht wurde, um einen mageren, blütenreichen Standort für Schmetterlinge zu schaffen.

Darüber hinaus kann über die Netzwerk-Natur-Projekte im laufend aktualisierten Stadtplan Wien Umweltgut nachgelesen werden.

Der Schutz von Schmetterlingen soll sich nicht nur auf unsere Schutzgebiete beschränken, wo versucht wird, im Einklang aller Schutzgüter ein optimales Management zu erzielen. Alle Menschen können zum Schutz und Erhalt unserer heimischen Schmetterlingsfauna beitragen. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Umwandlung von häufig geschnittenen Rasenflächen in ein bis zwei Mal geschnittene Blumenwiesen.

Allgemeine Grundsätze finden sich im Infoblatt von DIE UMWELTBERATUNG - Wege zum Schmetterlingsparadies (401 KB PDF). Ein Schmetterlingsposter (2,4 MB PDF) gibt es als Gratis-Download.

Broschüren bestellen

Sie können die Broschüren herunterladen, als gedrucktes Exemplar bestellen, beim Folder-Telefon: +43 1 4000-73420 (Tonband) oder per E-Mail unter komm@ma22.wien.gv.at kostenlos anfordern.

Buch "Insekten in Wien - Tagfalter"

Umschlag Foto des Buches mit der Abbildung eines "Großen Feuerfalters"

In Wien wurden bisher 137 der 215 in Österreich nachgewiesenen Tagfalterarten registriert. In den letzten 15 Jahren wurden in der Erforschung der Tagfalterfauna der Stadt durch umfangreiche Kartierungen und Datensammlungen bedeutende Fortschritte erzielt. 33.300 Datensätze mit mehr als 101.000 beobachteten Individuen aus 105 Arten wurden angelegt. Ausführliche, reich bebilderte Steckbriefe mit Verbreitungskarten und Flugzeitdiagrammen informieren über Erkennungsmerkmale, Biotope, Ökologie, Gefährdung und Schutz dieser Arten. Farbfotos zeigen nicht nur die Falter, sondern oft auch Entwicklungsstadien und typische Lebensräume. Kommentare zu den 32 Arten, die nur vor 1989 in Wien nachgewiesen wurden, ergänzen den speziellen Teil. Hervorgehoben wird die Eignung der Tagfalter als Indikatorgruppe. Die Auswertung der Datenbank betont naturschutzfachliche Gesichtspunkte wie die Einstufung der Arten in die Rote Liste oder Schutz- und Pflegemaßnahmen.

Das Buchprojekt wurde von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22), der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) und der Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) unterstützt.

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Quellen

  • Höttinger H. (1999): Kartierung der Tagschmetterlinge der Stadt Wien und Grundlagen zu einem Artenschutzprogramm: 7,1 MB PDF
  • Rabitsch W. (2003): Beitrag zur Kenntnis der Wanzenfauna von Wien. - Linzer Biologische Beiträge 35(2): 957-993
  • Höttinger H. (2004): Grundlagen zum Schutz von Tagfaltern in Städten (Lepidoptera: Papilionidea & Hesperioidea). - Oedippus 22: 1-48: 3,2 MB PDF
  • Horst Bobits & Friedrich Weisert (2005): Die Wiener Lobau - ein Teil des Nationalparks Donau-Auen und ihr Anteil an nachtaktiven Lepidopteren. Vorläufige Ergebnisse aus den Jahren 1999 bis 2005. - Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Entomologen 57: 111- 131
  • Höttinger H., Pennerstorfer J., Pendl M., Wiemers M. & G. Räuschl (2006): Verbreitungskarten der Tagschmetterlinge der Stadt Wien (Lepidoptera: Papilionoidea & Hesperioidea). - Beitrag Entomofaunistik 7: 69-104
  • Schulze H. S. (2008): Vorkommen und Gefährdungsstatus von Ordensbändern Catocala spp. (Lepidoptera, Noctuidae: Catocalinae) in Wien. Studie im Auftrag der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22), Wien: 1,9 KB PDF
  • Schmetterlinge in Wien. Ein Leitfaden. Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22): 3,9 MB PDF

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Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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