Gesundheit und Migration - Wiener Programm für Frauengesundheit

Drei junge Frauen auf einer Aussichtsplattform, im Hintergrund Stadtpanorama

Jede dritte Wienerin ist nicht in Österreich geboren. Das waren 2016 rund 325.000 Frauen. Etwas mehr als ein Viertel stammt aus Serbien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Mazedonien und Kosovo. Rund zehn Prozent sind in der Türkei geboren, acht Prozent in Deutschland und sieben Prozent in Polen (Quelle: MA 23).

Als Folge der globalen Flüchtlingsbewegung leben auch vermehrt Frauen aus den Krisengebieten im Nahen Osten und in Afghanistan in Wien.

Nachteilige Lebensverhältnisse machen krank

Vor allem Zuwanderinnen der ersten Generation leisten oft schwere körperliche Arbeit in Niedriglohnbranchen, leben in engen Wohnverhältnissen und sind psychosozialen Belastungen ausgesetzt. Schwierige Lebensverhältnisse und Diskriminierung erzeugen Stress und wirken sich nachteilig auf die Gesundheit aus. So treten etwa Depressionen, chronische Kopfschmerzen oder Magen- und Darmgeschwüre bei Personen mit Migrationshintergrund vermehrt auf (Quelle: ATHIS 2014).

Gesundheitskompetenz stärken

Die Kultur- und Sprachenvielfalt der Patientinnen stellt das Wiener Gesundheitssystem vor große Herausforderungen. Abhängig vom jeweiligen Bildungsniveau können Zugewanderte von Sprachbarrieren und geringer Gesundheitskompetenz betroffen sein. Zusätzlich erschwert nicht entsprechende Sensibilität beim österreichischen Gesundheitspersonal Frauen mit Migrationsgeschichte den Zugang zu bestehenden Gesundheitsangeboten.

Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat zahlreiche Initiativen gestartet, um auf die Bedürfnisse von sozial belasteten Frauen mit Migrationshintergrund aufmerksam zu machen und sie in ihrer Gesundheitskompetenz zu stärken. Mehrsprachige Informationsmaterialien und -vorträge, kultursensible Gesundheitsförderungsangebote sowie das Aufzeigen von Lücken im System tragen dazu bei, Barrieren in unserem Gesundheitssystem abzubauen.

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung kultursensibler Angebote für Wien war die Implementierung des mehrsprachen Frauengesundheitszentrums FEM Süd im Kaiser Franz Josef-Spital. In Kooperation mit FEM Süd und FEM in der Semmelweis Klinik konnten zahlreiche kultur- und gendersensible Projekte Angebote zu den Themen "Herz-Kreislauf-Gesundheit", "Übergewicht" und "betriebliche Gesundheitsförderung" entwickelt und umgesetzt werden.

Türkischsprachiger Service bei der Vorsorgeuntersuchung

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung der Stadt Wien erhalten Personen türkischer Muttersprache seit 2006 erstsprachliche Unterstützung bei der Anmeldung, beim Ausfüllen der Anamneseformulare, während der Untersuchungen und beim Erklären der Diagnose. Außerdem gibt es eine psychosoziale Beratung zu allen Fragen, die im Alltag belastend wirken. Dieser kostenlose Service wird in zwei Untersuchungsstellen der Abteilung Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) in Kooperation mit FEM Süd angeboten.

Hintergrund dieses vom Wiener Programm für Frauengesundheit entwickelten Angebots ist, dass zugewanderte seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen als österreichische Frauen. Im Rahmen von "Ich bleib' gesund - Saglikli kalacagim" werden sozial belastete Frauen mit geringer Orientierung im Gesundheitssystem erreicht und über Vorsorgeuntersuchungen informiert. So wird diesen Frauen ermöglicht, selbständig und ohne Begleitung durch Angehörige eine Ärztin oder einen Arzt zu besuchen.

  • Ich bleib gesund - Saglikli kalacagim. Türkischsprachiger Service bei der Vorsorgeuntersuchung - zweisprachig, 2018: 2 MB PDF (Deutsch/Türkisch)

Mehrsprachigkeit als Standard

"Ich schau auf mich"

Beim Modellprojekt "Ich schau auf mich" waren die Einladungen, die Informationen und die Telefonhotline in vier Sprachen verfügbar. Das Mammografie-Screening-Modellprojekt des Wiener Programmes für Frauengesundheit und der WGKK will sozial benachteiligte Migrantinnen erreichen, die selten oder noch nie eine Mammographie durchführen ließen.

FGM

FGM ist weibliche Genitalverstümmelung, die aus kulturellen Gründen praktiziert wird und zu hohen Gesundheitsrisiken führt. FGM ist Thema, das vor allem Frauen aus afrikanischen Ländern betrifft. Hier konnte unter anderem die Einrichtung einer mehrsprachigen Beratung erwirkt werden.

Hausarbeiterinnen

Das kultursensible betriebliche Gesundheitsförderungsprojekt "Gesund arbeiten ohne Grenzen", das sich an Hausarbeiterinnen richtete, wurde vom Programm für Frauengesundheit initiiert und bis 2009 gefördert.

Schwangere, junge Mütter und Eltern

Schwangere, junge Mütter und Eltern können die deutsch-türkischsprachige Elternberatung im Wilhelminenspital ("FEM-Elternambulanz") in Anspruch nehmen. Sie wurde vom Wiener Programm für Frauengesundheit entwickelt und realisiert und ist eine Kooperation mit FEM.

Weiterführende Informationen

  • FEM Süd
  • Handbuch "Interkulturelle betriebliche Gesundheitsförderung in Niedriglohnbranchen": 1,42 MB PDF
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Strategische Gesundheitsversorgung (Magistratsabteilung 24)
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