Die Stadttaube (Columba livia domestica) ist eine Unterart der Felsentaube (Columba livia) und stammt von dieser ab. Während die Felsentaube in ihrem Lebensraum Felsen braucht, hat sich die Stadttaube weltweit an das Leben in Städten und stadtnahen Gebieten angepasst und dort verbreitet.
Tauben sind auch in Wien ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität. Übermäßiges, meist nicht artgerechtes Futterangebot führt aber zu hohen Populationsdichten in Städten, die die Lebensraumkapazitäten bei Weitem übersteigen.
Um den Tauben Rückzugsorte zu bieten und gleichzeitig die Fortpflanzung zu kontrollieren, gibt es in der Stadt mehrere Taubenschläge, die von der Abteilung Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) betreut werden.
Auswirkungen von zu viel und falschem Futter
Stadttauben sind Körner- und Samenfresser, die sich hauptsächlich von Getreide- und Hülsenfrüchte-Saaten sowie von Samen unterschiedlicher Pflanzen ernähren. Je nach Angebot nutzen sie aber auch viele andere Nahrungsquellen.
Durch ein übermäßiges Nahrungsangebot und oft nicht artgerechte Fütterung im Stadtzentrum verlernen Tauben ihr natürliches Verhalten, selbst nach hochwertiger Nahrung zu suchen. Stattdessen warten sie, bis Futter mit meist geringem Nährstoffgehalt gefüttert wird. Das führt nicht nur zu Mangelerscheinungen, sondern auch zu großen Ansammlungen von Tauben, was für die Tiere Stress bedeutet. Krankheitserreger wie zum Beispiel Paramyxoviren, Trichomonaden, Escherichia-Coli-Bakterien und Chlamydien werden untereinander vermehrt übertragen.
Durch das übermäßige Futterangebot in Städten, kann sich die Taubenpopulation nicht selbst regulieren, da die Kapazitätsgrenze des Lebensraumes künstlich erhöht wird. Das Resultat ist eine Überpopulation an Tauben in den Stadtzentren, die meist an Fehlernährung, Konkurrenz um Nistplätze und Krankheiten leidet.
Vorschriften
Das Füttern mit artgerechtem Futter auf Privatgrund ist rechtlich nicht verboten, sofern dies von dem*der Eigentümer*in genehmigt ist. Es darf aber laut Wiener Reinhaltegesetz kein Futter auf Straßen mit öffentlichem Verkehr sowie öffentlich zugänglichen Grün- und Wasserflächen ausgebracht werden.
Gezieltes Taubenmanagement
Jedes Taubenmanagement hat das Ziel, einen möglichst gesunden Taubenbestand hervorzubringen.
Jede Stadt muss im Einzelnen prüfen, welche Strategien möglich und sinnvoll sind. Voraussetzung für ein gezieltes Taubenmanagement ist jedenfalls eine verlässliche Zahl über die Größe und Verteilung der städtischen Taubenpopulation. Daher führt das Wildtierservice Wien des Forst- und Landwirtschaftsbetriebes seit 2022 mehrere Taubenzählungen im gesamten Wiener Stadtgebiet durch.
Diese Zählungen sind Teil eines seit Oktober 2021 laufenden Forschungsprojekts, das unter anderem den Gesundheits- und Ernährungszustand, die Bewegungsmuster und die Lebenserwartung von Stadttauben untersucht. Durch die Zählungen konnte das Wildtierservice Wien 50.000 bis 60.000 Tauben im gesamten Wiener Stadtgebiet erheben. Dieses Ergebnis konnte auch durch die Zählung im Frühjahr 2025 bestätigt werden.
Nach Auswertung der Ergebnisse werden geeignete Maßnahmen ergriffen, um nachhaltig eine gesunde Stadttaubenpopulation in Wien sicherzustellen.
Wildtierservice Wien
Das Wildtierservice Wien pflegt und betreut kranke, verletzte und abgemagerte Tauben tierpflegerisch sowie veterinärmedizinisch. Daneben hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Image der Stadttaube in Wien zu verbessern und sich für das Wohl dieser Tiere einzusetzen.
Jedes Jahr rettet das Wildtierservice Wien mehrere 1.000 in Not geratene Tauben. Es leistet damit einen aktiven und wertvollen Beitrag zum Schutz und Erhalt einer intakten Taubenpopulation.
Betreute Taubenschläge
In Wien gibt es derzeit 4 betreute Taubenschläge, die von der Abteilung Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) errichtet und betreut werden.
Die Taubenschläge dienen als Rückzugsorte. Die Tauben haben hier freien Zugang zu Wasser und artgerechtem Futter und können jederzeit ein- und ausfliegen.
Die Taubenschläge bieten zugleich die Möglichkeit, durch den regelmäßigen Austausch der gelegten Eier durch Ei-Attrappen die Fortpflanzung zu kontrollieren.
Die 4 betreuten Taubenschläge befinden sich im 2., 4., 12. und 16. Bezirk.


