Qualifikationsplan Wien

Der Qualifikationsplan Wien 2020 ist eine Gesamtstrategie, um Wienerinnen und Wienern mit höchstens Pflichtschulabschluss zu einer besseren Ausbildung zu verhelfen.

Video: Jugend wird fit für Berufswelt

Gute Job- und Einkommenschancen sind entscheidend von Ausbildung und Qualifikation abhängig. Auch das Risiko des Jobverlusts wird dadurch um einiges geringer.

Laut Wirtschaftsprognosen wird die Beschäftigung fast ausschließlich in Berufen steigen, die gute Qualifikationen voraussetzen. Die Jobchancen von Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss werden sich damit weiter verschlechtern.

Der Qualifikationsplan Wien wird von der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer Wien, der Industriellenvereinigung Wien, dem ÖGB, der AK Wien, dem AMS Wien, dem Sozialministerium Service, den Stadtschulrat für Wien und waff mitgetragen. Er ist eine Initiative von Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner.


Sitzung an einem Tisch

Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner bei Gesprächen zum Qualifikationsplan

Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner: "Qualifikation reduziert nicht nur das Risiko von Arbeitslosigkeit. Wer besser qualifiziert ist, hat mehr Chancen auf einen besseren, zufriedenstellenderen Job mit der Perspektive auf ein entsprechendes Einkommen. Die Qualifikation der Wiener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist außerdem ein ganz entscheidender Faktor für den Wirtschaftsstandort Wien. Wir brauchen, um in Zukunft auch im internationalen Vergleich konkurrenzfähig bleiben zu können, gut qualifizierte Fachkräfte."

Verlängerung bis 2030

Aufgrund der zu erwartenden künftigen Herausforderungen, etwa im Hinblick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt, soll der Qualifikationsplan Wien auf Vorschlag der Wiener Wirtschaftsstadträtin bis 2030 verlängert werden.


Gering Qualifizierte mit schlechteren Job- und Einkommenschancen

Beschäftigungsentwicklung 2010-2016 nach Ausbildungsanforderung in den Berufen

Beschäftigungsentwicklung in Wien von 2010 bis 2016 nach Ausbildungsanforderung in den Berufen

Die Wirtschaftsforschung ist sich einig, dass ein qualifiziertes Arbeitskräftepotenzial für Wien ein entscheidender Standortfaktor sein wird. Dem gegenüber steht eine sinkende Nachfrage nach formal gering qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden es in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt noch schwerer haben. Hingegen sind laut Prognosen insbesondere wissenschaftliche Berufe im Bereich Technik und Naturwissenschaften sowie qualifizierte Gesundheitsberufe gefragt. Die Arbeitslosenquote bei Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss lag im Jahresschnitt 2016 bei 37,9 Prozent, mit Lehrabschluss hingegen "nur" bei 14 Prozent.

Handlungsfelder

Mit dem Qualifikationsplan wird der Hebel in drei konkreten Handlungsfeldern angesetzt.

Schule und Berufsausbildung

Mehr Jugendliche sollen einen über die Pflichtschule hinausgehenden Ausbildungsabschluss schaffen. Die Wiener Ausbildungsgarantie als ein Eckpfeiler des Qualifkationsplans Wien sorgt dafür, dass Jugendliche den Übergang von der Schule in den Beruf beziehungsweise in eine weiterführende Ausbildung gut schaffen und hilft jenen Jugendlichen, die es am Arbeitsmarkt besonders schwer haben.

Dass die Maßnahmen greifen zeigt sich insbesondere durch die sinkende Zahl von "early school leavers", einem EU-weit einheitlichen Indikator. Das heißt, mehr Jugendliche schaffen es, zumindest bis 24 eine weiterführende Ausbildung zu machen. Waren es 2009 noch 11,9 Prozent early school leavers, so ist ihr Anteil 2016 auf 8,7 Prozent gesunken.

Aktuelle Maßnahmen:

  • Unterstützung für Jugendliche, damit sie den Übergang von der Schule in den Beruf gut schaffen: Dazu zählen beispielsweise das Jugendcoaching Wien für jährlich rund 12.000 Jugendliche. Vor Ort in der Schule wird gemeinsam mit den Jugendlichen eine zu ihren Fähigkeiten passende Anschlussperspektive entwickelt und sie werden Schritt für Schritt dabei begleitet.
  • Spezielle Unterstützung für benachteiligte Jugendliche, die es schwer haben im Berufsleben Fuß zu fassen: In den vier Spacelab- Produktionsschulen werden jährlich rund 1.000 Jugendliche soweit gerüstet, dass sie in eine Lehrausbildung einsteigen oder eine Beschäftigung aufnehmen können.
  • Sicherung der notwendigen Lehrstellen in Wien: Rund 4.000 Jugendliche, die keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, können jährlich im Rahmen der überbetrieblichen Lehrausbildung eine vollwertige Ausbildung in 30 verschiedenen Lehrberufen erhalten. Grundsätzliches Ziel ist, dass so viele Lehrlinge wie möglich so rasch als möglich auf eine betriebliche Lehrstelle wechseln. Die betriebliche Lehre wird durch Lehrstellenberaterinnen und -berater, Lehrlingsförderung und Lehrlingscoaching unterstützt.
  • StartWien - Das Jugendcollege, eine schulähnliche Maßnahme für rund 1.000 asylwerbende und bereits asylberechtigte Jugendliche sowie neu zugewanderte Jugendliche. Das ESF-geförderte Projekt bietet an zwei Standorten im 9. und 10. Bezirk neben den Kernmodulen zur Basisbildung und zu Deutsch als Zweitsprache zahlreiche Spezialmodule. Ziel ist es, jungen Erwachsenen den Umstieg ins reguläre Schul- und Ausbildungssystem beziehungsweise den Berufseinstieg zu ermöglichen.
  • Für eine positive Lehrabschlussprüfung: Hilfe in den Berufsschulen für Jugendliche, die abbruchsgefährdet sind oder Ausbildungsdefizite aufweisen. Konkret wird mit Coaching, Sozialarbeit, Förderunterricht oder mit Fachseminaren gegengesteuert.
  • Wiener Qualitätssiegel "TOP Lehrbetrieb": Verleihung durch Stadt Wien und Sozialpartner an vorbildliche Lehrbetriebe. Die Ermittlung erfolgt anhand von entsprechenden Qualitätskriterien durch eine Fachjury.

Berufliche Erwachsenenbildung

Erwachsenen Wienerinnen und Wienern - arbeitslosen wie beschäftigten - wird das Nachholen von formalen Bildungsabschlüssen ermöglicht. Der waff unterstützt und begleitet in enger Abstimmung mit dem AMS Wien formal geringqualifizierte Wienerinnen und Wiener gezielt beim Nachholen formaler Bildungsabschlüsse. Die Anzahl jener Personen, die die außerordentliche Lehrabschlussprüfung absolvieren wächst seit 2013 stetig. Insgesamt haben im Jahr 2016 2.226 Wienerinnen und Wiener die Prüfung erfolgreich bestanden. 2015 waren es 2.129 Personen.

Aktuelle Maßnahmen:

  • Mit dem von waff und AMS Wien gemeinsam entwickelten Qualifikationspass Wien werden Wienerinnen und Wiener, die formal nur die Pflichtschule absolviert haben, auf dem Weg zur Höherqualifizierung beziehungsweise zum Lehrabschluss lückenlos begleitet. Mit diesem webbasierten Werkzeug können Institutionen übergreifend berufliche Ziele, notwendige Bildungsschritte aber auch bereits absolvierte Ausbildungen erfasst werden. Der wichtigste Vorteil: Bei einem Wechsel von Beschäftigung in Arbeitslosigkeit, oder umgekehrt, können Personen mit dem Qualifikationspass lückenlos von AMS Wien und waff weiter betreut werden.
  • Umfassende Unterstützung beim Nachholen des Lehrabschlusses für beschäftigte Wienerinnen und Wiener: Beschäftigte Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss können mit dem Chancenscheck den Lehrabschluss kostenlos nachholen. Es werden bis zu maximal 3.000 Euro der Kurskosten gefördert. Die Inhaberinnen und Inhaber des Chancenschecks erhalten nach bestandener Lehrabschlussprüfung auch den zehnprozentigen Selbstbehalt zurück.
  • Förderung von Unternehmen bei der Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Betriebe mit Fachkräftebedarf werden mit arbeitsplatznahen Qualifizierungsmodellen unterstützt. Arbeitsuchende Wienerinnen und Wiener mit einschlägigen branchenspezifischen Berufserfahrungen bekommen im Rahmen des Programms Jobs plus Ausbildung die Möglichkeit, den Lehrabschluss nachzuholen und sich damit gleichzeitig einen Job zu sichern.
  • Unterstützung von Migrantinnen und Migranten: verstärktes Deutschkursangebot des AMS und Unterstützung bei der Anerkennung und Verwertung mitgebrachter Ausbildungen im Rahmen des Beratungszentrums für Migrantinnen und Migranten PERSPEKTIVE. Wenn es notwendig ist, Teile einer Ausbildung in Österreich nachzuholen, werden in Zusammenarbeit mit dem waff die geeigneten Kursmaßnahmen gesucht und die notwendigen Qualifizierungen finanziell unterstützt.

Information und Motivation

Auf formal gering qualifizierte Wienerinnen und Wiener wird mit Information und Beratung über berufliche Aus- und Weiterbildung aktiv zugegangen.

Aktuelle Maßnahmen:

  • "Ihre Chance kommt" in große Wohnhausanlagen: Die 2016 als Pilotprojekt gestartete Aktion ist mittlerweile fixer Bestandteil der waff vor Ort-Angebote rund ums Weiterkommen im Beruf. Die Aktion "Ihre Chance kommt" wird jeweils einige Tage vorher durch Flyer und Aushänge angekündigt. Am Aktionstag selbst schwärmen waff-Promotorinnen und -Promoter aus, gehen von Tür zu Tür und laden interessierte Bewohnerinnen und Bewohner zur Beratung ein, die in Gemeinschafts- Veranstaltungs-, Kommunikationsräumen in der jeweiligen Wohnhausanlage stattfindet. Dort stehen dann waff-Expertinnen und -Experten mit Rat und Tat zur Seite.
  • Wiener Wochen für Beruf und Weiterbildung in Kooperation mit Bezirken: Jährlich finden unter dem Motto "Meine Chance" in Kooperation mit zahlreichen Bezirken "Wiener Wochen für Beruf und Weiterbildung" statt. Die Palette reichte von Angeboten für Jugendliche rund um Ausbildung, Lehre und Beruf über Informationsveranstaltungen rund ums Weiterkommen im Beruf bis hin zu Mitmachaktionen, die zur Weiterbildung motivieren sollen.
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