Stadtklimauntersuchung Wien

Stadtplan Wiens mit farblicher Darstellung der Temperatur am Abend

Thermalbefliegung abends

Unter Stadtklima versteht man das durch die Bebauung und deren Auswirkungen modifizierte Klima. Das bekannteste stadtklimatologische Phänomen ist die Ausbildung städtischer Wärmeinseln (urbane Hitzeinseln). So können die Temperaturen innerhalb der Bebauung um bis zu zehn Grad Celsius höher sein als im Umland.

Das zweite wesentliche Merkmal des Stadtklimas ist die starke Veränderung der Windverhältnisse gegenüber dem Umland. Die erhöhte Rauigkeit der städtischen Bebauung bewirkt im Mittel eine Verringerung der Windgeschwindigkeiten, was gleichzeitig den Lufttransport und den Abtransport von Schadstoffen verschlechtert.


Stadtplan Wiens mit farblicher Darstellung der Temperatur am Morgen

Thermalbefliegung morgens

Darüber hinaus ist die Veränderung der lufthygienischen Situation von großer Bedeutung. So treten innerhalb von Stadtgebieten üblicherweise höhere Emissionen auf als im Umland. Während früher vor allem Hausbrand und Gewerbe dafür verantwortlich waren, ist in den vergangenen Jahren der Kfz-Verkehr zum Hauptverursacher geworden.


Multitemporale Thermalaufnahme

Schematische Darstellung der Farbgebung der Oberflächen in Temperaturklassen

Oberflächen in Temperaturklassen

Während einer hochsommerlichen Strahlungswetterlage wurden am 15. und 16. August 2001 zwei Thermal-Scanner-Befliegungen über dem Gebiet der Stadt Wien durchgeführt. Der erste Flug fand kurz nach Sonnenuntergang, der zweite Flug kurz vor Sonnenaufgang statt, um so das nächtliche Abkühlungsverhalten der Erdoberfläche zu erfassen. Aus Berechnungen und einer detaillierten Analyse dieser zwei Aufnahmen (multitemporale Klassifikation) erfolgte eine Einteilung des Oberflächen-Temperaturverhaltens in zwölf verschiedene Klassen nach Abkühlungsgrad und Oberflächentemperatur (Kaltluftfläche, Wärmeinsel, starke und geringe Abkühlung).


Klima-Funktionskarte

Die Klima-Funktionskarte zeigt eine flächendeckende, detaillierte Darstellung der thermischen und dynamischen Verhältnisse des klimatischen Ist-Zustandes für das Gebiet der Stadt Wien. Die in der Klimafunktionskarte abgegrenzten Klimatope (Waldklima, Gewässerklima, Stadtklima, Innenstadtklima usw.) beschreiben Einheiten mit ähnlichen mikroklimatischen Ausprägungen. In der Karte sind auch die wesentlichen Belüftungsfunktionen (Luftleitbahnen, nächtlicher Bergwind, Kaltluftabflüsse usw.) eingetragen.

Klima-Bewertungskarte

Die Klima-Bewertungskarte wurde auf Basis der Klimafunktionskarte erstellt. Im Gegensatz zur weitgehend wertfreien Darstellung der Klimafunktionskarte werden auf der Bewertungskarte die Freiflächen hinsichtlich ihrer klimatisch-lufthygienischen Ausgleichsfunktion und die Siedlungsflächen hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit gegenüber einer Siedlungsverdichtung oder –erweiterung in mehrere Klassen eingeteilt.

Ergebnis

Freiflächen erfüllen eine wichtige klimatisch-lufthygienische Austauschfunktion und sollen deshalb weitgehend erhalten werden. Günstige Siedlungsstrukturen und die Reduktion von Emissionen im Verkehr sind dabei sehr wichtige Maßnahmen. Außerdem gilt es den Luftaustausch mit dem Umland Wiens zu erhalten. Dazu tragen Luftleitbahnen, der nächtliche Bergwind aus dem Wienerwald und Kaltluftabflüsse bei.

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Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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