Gewichtsdiskriminierung und Gesundheit - Wiener Programm für Frauengesundheit

Laut dem Wiener Gesundheitsbericht 2016 ist knapp ein Drittel der Wiener Bevölkerung ab 15 Jahren übergewichtig. Frauen sind weniger häufig übergewichtig oder hochgewichtig als Männer.

Die Ursachen für Hochgewicht sind vielfältig. Genetische oder hormonelle Faktoren, wirtschaftliche und industrielle Interessen, die Lebenssituationen von Menschen wie Bildung, finanzielle Mittel oder chronischer Stress spielen eine Rolle und beeinflussen das Körpergewicht. Trotzdem ist eine weit verbreitete Meinung: "Dicke sind selbst schuld an ihrem Körpergewicht".

Publikation

Ausschnitt aus dem Cover einer Publikation mit Symbolen für "weiblich"

In der Diskussion zu Hochgewicht wurden bisher der Aspekt der Diskriminierung und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen außer Acht gelassen.

Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat deshalb 2018 einen bewertenden Literatur-Überblick (Literatur-Review) in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob und in welcher Form Stigmatisierung und Diskriminierung von hochgewichtigen/adipösen Frauen im Gesundheitsbereich stattfindet.

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Ergebnisse der Publikation

Das Ergebnis ist: Diskriminierung und Stigmatisierung dicker und hochgewichtiger Frauen und Männer im Gesundheitsbereich kommt häufig vor. Der Gesundheitsbereich ist sogar ein wesentlicher Kontext für Normierungs- und Stigmatisierungsprozesse.

Diskriminierung von dicken/hochgewichtigen Patientinnen und Patienten im Gesundheitsbereich zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Beispiele sind unangemessene Sprache, kürzere Behandlungsdauer, mangelhafte Ausstattung oder falsche Diagnosen. Wachsende soziale Ungleichheit in der Versorgung von Patientinnen und Patienten ist die Folge.

Aus Angst vor Diskriminierung oder aus Schamgefühl schieben dicke Menschen Untersuchungen auf beziehungsweise nehmen diese erst gar nicht in Anspruch. Schwerwiegende Folgen für die Gesundheit von Hochgewichtigen, aber auch für die Kosten des Gesundheitssystems werden in der Literatur diskutiert.

Erste Sensibilisierungsmaßnahme

Der Literatur-Review ist als erste Sensibilisierungsmaßnahme zu verstehen und richtet sich an alle Stakeholder im Gesundheitswesen. Er bietet für die Wiener Gesundheitslandschaft eine Grundlage, auf der gemeinsam weiter am Thema gearbeitet werden kann. Er ist ein weiterer Schritt, damit gesundheitliche Chancengerechtigkeit für alle möglich wird.

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