Europas größtes Kanalbauprojekt in Simmering

Wien Kanal hat in Simmering ein umfangreiches Maßnahmenpaket umgesetzt, um das Tiefgebiet der Stadt vor Starkregenereignisse zu schützen.

Arbeiter im mit Wasser befüllten Speicherbecken Simmering

In Simmering wurde Europas modernstes Abwasser-System erweitert. Ein Zusammenspiel großer Speicher soll die Wassermassen bei Regenwetter zurückhalten.

Von September 2013 bis Anfang 2016 liefen die Arbeiten am größten Kanalbauprojekt Europas in Simmering auf Hochtouren. Für die zwei leistungsfähigen Transportkanäle war im Oktober 2014 am Sportplatz in der Haidestraße 10 Bohrbeginn. Mit dem Projekt wurden die Voraussetzungen geschaffen, bei Starkregenereignissen die enormen Wassermengen zukünftig kontrolliert zur ebswien hauptkläranlage zu leiten.

Das spektakuläre unterirdische Speicherbecken Simmering und der darüberliegende neue Sportplatz wurden am 10. Juni 2016 eröffnet.

Speicherbecken virtuell entdecken

90 Meter lang, 45 Meter breit und sieben Meter tief ist die "Betonwanne": Ein 360-Grad-Video führt durch das moderne Abwassersystem und bietet eine spektakuläre Rundum-Aussicht im Mega-Speicherbecken.

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Überflutungsschutz

Speicherbecken Simmering mit darüberliegendem Sportplatz

Das Speicherbecken sorgt seit 2016 dafür, dass Wien auch in Zukunft trocken bleibt.

Im Verbund mit einem neuen Speicherbecken schützen die beiden Kanäle "Unter der Kirche" und "Florian-Hedorfer-Straße" den 11. Bezirk bei Starkregenereignissen vor Überschwemmungen. Die 30 Millionen Euro teuren unterirdischen Bauwerke haben ein Fassungsvermögen von über 34 Millionen Liter Regenwasser. Das Wasser wird zwischengespeichert und nach dem Regenereignis bei freien Abflusskapazitäten in der Kanalisation der Hauptkläranlage in Simmering zugeleitet.

Umweltstadträtin Ulli Sima:

"Das Speicherbecken in der Haidestraße 10 und die beiden Transportkanäle sind die letzten Bausteine einer in der Folge insgesamt 86 Millionen Liter Regenwasser fassenden Speicherkette in und um den 11. Bezirk. Wir reagieren damit auf die Folgen des längst auch bei uns spürbaren Klimawandels, der extreme Wetterkapriolen und Niederschläge mit sich bringt."


Speicherkapazität für 86 Millionen Liter Regenwasser

Plakatsujet Wien Kanal: Puzzleteile auf denen Kanalbau-Maßnahmen zu lesen sind.

Ein Zusammenspiel von Speichern und Kanälen soll Simmering bei Starkregenereignissen schützen.

Gemeinsam mit den bereits aktivierten Stauräumen im Liesingtal stehen seit Sommer 2016 rund 86 Millionen Liter Speicherkapazität zur Verfügung. Das entspricht der Wassermenge von 50 Mehrzweckbecken in der Größe des Simmeringer Bades.

Speicherbecken unter dem Sportplatz

Skizze des Bauprojekts Speicher Simmering unter dem Sportplatz.

Der Sportplatz in Haidestraße bietet dank seiner Lage den idealen Standort für den Speicher.

Das neue Speicherbecken und die beiden Transportkanäle sind notwendig, um im Verbund mit dem bestehenden Kanalnetz zukünftig Starkregenereignisse vor Simmering abzufedern. Die größte Etappe stellte dabei die Errichtung des Speicherbeckens Simmering mit den beiden Transportkanälen "Unter der Kirche" und "Florian-Hedorfer-Straße" beziehungsweise "Lindenbauergasse" dar. Als Standort für den Speicher haben die Kanalplaner mit dem Sportplatz in der Haidestraße 10 den idealen Standort gefunden. An einem topografischen Tiefpunkt des Bezirks wurde hier das 90 Meter lange, 45 Meter breite und sieben Meter tiefe Becken untergebracht. Unmittelbar unter dem Hauptspielfeld werden bei Regenwetter bis zu 28,5 Millionen Liter Wasser zwischengespeichert.

Um das Becken nach einem Regenereignis zu entleeren und wieder vorzubereiten, sorgen drei Pumpen für eine rasche Entleerung. Mit einer Förderleistung von 600 Litern pro Sekunde ist das Becken bereits nach rund zwölf Stunden für den nächsten Starkregen bereit.

Die beiden neuen Transportkanäle, die an das Speicherbecken angeschlossen sind, verfügen mit einem Durchmesser von zwei Metern und einer Länge von zwei Kilometern über ein zusätzliches Fassungsvermögen von sechs Millionen Liter Regenwasser. Die Kanäle verlaufen dabei quer durch Simmering. Um überhaupt Platz im verbauten Gebiet zu schaffen, mussten zahlreiche Einbauten umgelegt werden. Die eigentlichen Kanalbauarbeiten wurden unterirdisch, also möglichst aufgrabungsfrei, hergestellt. Die Gesamtkosten für den Speicher betrugen rund 30 Millionen Euro.

Sportplatz im Zuge der Kanalbauarbeiten saniert

Große Erwartungen wurden in den Maßnahmenkatalog von Wien Kanal nicht nur bezüglich des Überflutungsschutzes in Simmering gesetzt. Durch die Standortwahl konnten auch Synergien erzielt werden.

Im Zuge der Baumaßnahmen wurde der Sportplatz saniert. Das Hauptspielfeld erhielt einen neuen Kunstrasen, das kleinere Spielfeld einen Naturrasen. Nicht nur dadurch erstrahlt die Anlage in neuem Licht. Auch eine moderne Flutlichtanlage sorgt für ideale Spielbedingungen bei jeder Jahres- und Tageszeit.

Speicherbecken Blumental für 3000 Liter pro Sekunde

Skizze des Bauprojekts Speicherbecken Blumental.

Das Speicherbecken Blumental nutzt die Becken der ehemaligen Kläranlage Blumental im 23. Bezirk.

Insgesamt 20 Quadratkilometer und drei Bezirke umfasst das Betrachtungsgebiet zum Überflutungsschutz für Simmering. Das Liesingtal spielt dabei eine bedeutende Rolle, fließen doch von dort bei Niederschlägen große Mengen an Mischwasser zur Hauptkläranlage nach Simmering. Deshalb war es den Technikern von Wien Kanal wichtig, auch an der "Quelle" Maßnahmen zur Wasserrückhaltung zu treffen. Hier bot sich die Nutzung der ehemaligen Kläranlage Blumental im 23. Bezirk als Speicherbecken hervorragend an. Die beiden Rundbecken der ehemaligen Kläranlage verfügen über ein Fassungsvermögen von acht Millionen Liter, die der ehemaligen Nachklärbecken über zwölf Millionen Liter. Insgesamt 20 Millionen Liter Speichervolumen wurden damit in die Speicherkette eingebunden und können im Regenwetterfall mit 3.000 Liter pro Sekunde befüllt werden. Dadurch kann das Kanalnetz in Simmering im Fall von Starkregenereignissen erheblich entlastet und der Schutz gegen Überflutungen erhöht werden.

Die Arbeiten konnten im September 2012 abgeschlossen werden, dabei entstanden Kosten von 2,5 Millionen Euro.

Bisherige Maßnahmen zeigten Wirkung

Skizze des Projektteils Sammelkanal "Unter der Kirche".

Der Sammelkanal verläuft von der Kaiserebersdorfer Straße bis zum neuen Speicherbecken Haidenstraße.

In den vergangenen Jahren hat Wien Kanal weitere wichtige Bausteine zur Optimierung des Überflutungsschutzes in Simmering abgeschlossen. So zum Beispiel den Ausbau des Schmutzwasserpumpwerks Kaiserebersdorf, das mit einer zusätzlichen Schneckenpumpe ausgerüstet wurde. Damit können bis zu 6.700 Liter Abwasser pro Sekunde, um 1.300 Liter mehr als bisher, zur ebswien hauptkläranlage gepumpt und einer Reinigung zugeführt werden. Die Entlastungsmöglichkeit über das Regenwasser-Hebewerk Kaiserebersdorf wurde ebenfalls gesteigert. Um das Abflussvermögen aus Simmering im Falle eines Extremereignisses zu steigern, wurde die Förderleistung um 4.000 Liter pro Sekunde auf 16.000 Liter pro Sekunde erhöht.

Überflutungsschutz über die Bezirksgrenzen hinaus

Skizze eines Projektteils Kanal unter der Straße.

Bei einem Regenereignis kann eine Stauraumkapazität von 17 Millionen Litern aktiviert werden.

Mit dem Maßnahmenpaket wird auch im Liesingtal ein verbesserter Überflutungsschutz aus dem Kanalnetz gewährleistet. Der Liesingtal-Entlastungskanal schließt im Bereich der Klederinger Brücke an den bestehenden Liesingtal-Sammelkanal an und führt stromaufwärts bis zur ehemaligen Kläranlage Blumental. Der Stauraumkanal ist 5,3 Kilometer lang und auf die gesamte Länge mit einem Durchmesser von 2,4 Meter ausgestattet. Über Trennbauwerke sind die im Einzugsgebiet liegenden Regenwasserkanäle des 10. und 11. Bezirkes an den Liesingtal Entlastungskanal angeschlossen.

Bei einem Regenereignis kann der Liesingtal Entlastungskanal mit Hilfe von zehn Regulierbauwerken in eine kaskadenförmige Stauraumkette unterteilt und damit eine Stauraumkapazität von circa 17 Millionen Litern aktiviert werden. Bei einem herkömmlichen Regenereignis wird die Stauraumkette in erster Linie genutzt, um den aus den Regenwasserkanälen kommenden Spülstoß aufzufangen und nach dem Niederschlagsereignis einer Reinigung durch die ebswien hauptkläranlage zuzuführen. Bei Extremereignissen werden die Trennbauwerke jedoch unmittelbar verschlossen. Der Liesingtal Entlastungskanal steht dann mit seiner gesamten Stauraumkapazität zur Rückhaltung der aus dem Bereich Blumental ankommenden Mischwässer zur Verfügung.

Die Gesamtheit der Maßnahmen stellt sicher, dass der Zulauf aus den umliegenden Gebieten nach Simmering für circa zwei Stunden zurückgehalten werden kann. Trotz aller Anstrengungen und zukunftsweisenden Maßnahmen bleibt ein Restrisiko bestehen. Jahrhundertereignisse wie das vom 13. August 2010 können zwar abgeschwächt, aber nicht zur Gänze verhindert werden.

Selbstschutz gegen Überflutungen

Neben allen Maßnahmen der Stadt sind auch Hauseigentümerinnen und -eigentümer gefordert, ihre Hauskanalisation auf fachgerechte Ausführung und ordentliche Funktion zu überprüfen. Denn nur ein ordnungsgemäß funktionierender Hauskanal kann im Fall der Fälle einen Keller vor Überflutungen schützen.

Wien Kanal sendet dazu jährlich ein Informationsblatt an alle Hauseigentümerinnen und -eigentümer aus. Das Infoblatt ist auch im Internet abrufbar: Schutz des Kellers vor Überflutungen

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