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Landtag, 31. Sitzung vom 30.04.2014, Wörtliches Protokoll  -  Seite 8 von 20

 

che Kaufkraft der Wienerinnen und Wiener pro Kopf im Jahr 2013 wiederum um 1,6 Prozent auf nunmehr auf 20 540 EUR gestiegen verglichen mit 20 220 im Jahr 2012. Und ja, es ist richtig, dass andere Länder eine höhere Steigerungsrate in diesem Jahr hatten. Welche Faktoren stecken denn dahinter? Wie kann man das erklären? Nun, ein zentraler Faktor ist ziemlich banal: Wien wächst. Wie Ihnen bekannt ist, sind wir zuletzt in der Dimension einer Stadt wie Leoben gewachsen. Seit Anfang des Jahrhunderts ist Wien in der Dimension von Linz gewachsen. RegioData hat in der Begründung auf diese Entwicklung auch explizit hingewiesen, denn Wien wird immer jünger. Es gibt erfreulicherweise immer mehr Familien mit Kindern, mehr Jugendliche. Ich denke, wir wollen uns wohl darüber einig sein, dass das eine positive Entwicklung ist. Aber natürlich, wenn es mehr Jugendliche und Kinder in dieser Stadt gibt, hat das natürlich Auswirkungen auf Pro-Kopf-Berechnungen, sehr geehrte Damen und Herren! Das ist eine sehr banale Antwort, dafür hätte auch ein Blick in das Statistische Jahrbuch der Stadt Wien gereicht, das dort liegt. Ich wollte es mit rausnehmen und Ihnen zeigen, aber ich werde es Ihnen nachher persönlich zeigen. Ich nehme an, Sie kennen es ja. Da finden Sie nämlich alle Bevölkerungsdaten drinnen. Ich kann sie Ihnen nur wärmstens ans Herz legen. Die Statistik führt oft ein Schattendasein, sie ist aber unglaublich wichtig und für unsere politische Arbeit unerlässlich.

 

Es gibt aber auch noch eine zweite Entwicklung: Der Wirtschaftsmotor Wien generiert Arbeitsplätze für die gesamte Ostregion, ob in der Dienstleistungsbranche, in den Infrastrukturunternehmungen, U-Bahn, Wohnbau, rund um Wien entstehen Arbeitsplätze. Das hat nicht zuletzt meinem lieben Freund und Kollegen Sobotka in Niederösterreich einen Stoßseufzer entlockt, indem er bei einer Presseaussendung vor Kurzem gesagt hat: „Es gibt regionale, boomende Zentren, die ausstrahlen und von woanders Arbeitskräfte aufnehmen.“, Zitat meines lieben Freundes Sobotka. Beschäftigt ist man in Wien, aber arbeitslos ist man in Niederösterreich gemeldet. Das erinnert eher an die 240 000 Pendler und Pendlerinnen, die in Wien arbeiten. Also hier eine externe Bestätigung dafür, welche Bedeutung die Region Wien für rundherum und für alle anderen hat. Aber um die Datenlage noch kurz abzurunden: Die drei Bezirke mit der höchsten Kaufkraft liegen nach wie vor in Wien und das ist gut so.

 

Nun zum zweiten Ranking AT Kearney’s Global City Index, der 2014 zum 4. Mal erstellt wurde. Hier hatte Wien 2008 und 2010 unter den weltweit 84 Städten den 18. Rang erreicht, 2012 den 13., nun sind wir am 16. Rang. Wir liegen immerhin vor starken Standorten wie München, Stockholm, Zürich, Amsterdam oder Frankfurt. Wie ist denn hier die Datengrundlage? Index sind 26 Parameter in den 5 Dimensionen „Wirtschaftliche Aktivität“, „Humankapital“, „Zugang zur Information“, „Wertigkeit des kulturellen Lebens“ und „Politisches Engagement“. Erfreulich für uns alle miteinander: In der „Wirtschaftlichen Aktivität“ sind wir besser geworden. Wir sind hier auf dem 13. Platz, 2012 waren wir noch am 15. Das heißt, die Anstrengungen machen sich hier bezahlt. Im Bereich Kultur sind wir besser geworden, sogar von Platz 24 auf 12, gutes Zeugnis für die Kulturstadt Wien.

 

Wieso sind wir insgesamt auf den 16. Platz gefallen? Nun, der eine Grund ist die Dimension „Zugang zur Information“, weil ein privater Kabelanbieter die Zahl der „news channel“ in seinem günstigen Paket von 7 auf 3 reduziert hat. Also ehrlich gesagt, das erschüttert meinen Glauben in den Wirtschaftsstandort und in die Grundfeste des Standorts nicht.

 

Schon viel ernster ist der zweite Grund, die Dimension „Humankapital“. Da geht es um den Universitätsstandort. Das müssen wir uns natürlich schon genau anschauen. Es ist zwar auch bei uns die Zahl der internationalen Studierenden gestiegen, aber woanders mehr. Das ist der Grund, warum wir da schlechter geworden sind. Na ja, und da, denke ich, haben wir eine gemeinsame Aufgabe, Herr Kollege, uns nämlich an den zu wenden, der für die universitäre Ausbildung und die Universitäten zuständig ist: Der Bund. Sie wissen, dass wir in Wien viel tun, dass wir hier Stipendien unterstützen. Aber natürlich ist für die Universitäten der Bund zuständig und ich glaube, dass wir beim nunmehrigen Wirtschafts- und Wissenschaftsminister offene Türen einrennen. Ich sehe in dieser Verbindung Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, stehe nicht an, zu sagen, eine Chance. Ich sehe hier eine Chance, und ich denke, dass wir gemeinsam offene Türen einrennen werden, wenn wir Wien noch besser positionieren müssen. Wir sind jetzt schon die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum. Aber hier ist noch sehr, sehr viel zu tun. Und da, glaube ich, haben wir gemeinsame Aufgaben, um hier noch besser zu werden. Die Kanäle bewegen mich, ehrlich gesagt, nicht besonders, aber die Dimension „Universitäre Ausbildung“ sehr wohl.

 

Zum Schluss möchte ich mir noch erlauben, weg von den Rankings und hin zur amtlichen Statistik zu kommen. Hier zeigt sich die Stärke der Wiener Wirtschaft. Obwohl Wien nur einen Anteil von einem Fünftel an der Bevölkerung Österreichs aufweist, wird hier ein Viertel der gesamten Wertschöpfung Österreichs erwirtschaftet. Wir haben mit Abstand die höchste Produktivität bei uns in Wien, auch im internationalen Vergleich. Wenn man sich die Zahlen von Eurostat anschaut, des Statistischen Amtes der Europäischen Union, dann liegen wir im Jahr 2011, das sind die letzten aktuellen Zahlen, bei 272 Regionen am 10. Platz der „Wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“, immer wieder darauf verweisend, dass das Wachsen der Stadt und die vielen jungen Leute bei Pro-Kopf-Berechnungen logischerweise natürlich einen Trend nach unten aufweisen müssen. Trotzdem sind wir in all dem besser geworden, nicht zuletzt auch bei den Zahlen der „Internationalen Betriebsansiedlungen“. Sie wissen, 50 Prozent all dessen, was nach Österreich kommt, kommt nach Wien. Der Stand der ausländischen Direktinvestitionen ist da ebenfalls entsprechend hoch, und ich denke, darauf können wir unter den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch stolz sein. Das ist aber kein Grund, sich zurückzulehnen, sondern eine Motivation, noch besser zu werden.

 

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