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Gemeinderat, 25. Sitzung vom 28.06.2022, Wörtliches Protokoll  -  Seite 9 von 106

 

ja lange Zeit Bezirksrat gewesen. Ich kann mich erinnern, von Beginn an fordern wir dort Musikschulen. Worum geht es? In Wien gibt es 15 Musikschulen für 13.000 Kinder, das ist der niedrigste Wert im Bundesländervergleich. In allen anderen Bundesländern gibt es viel mehr Musikschulen. Schauen wir nach Niederösterreich: Da gibt es 126 Musikschulen.

 

Nicht einmal ein Drittel aller interessierten Kinder kriegt überhaupt einen Platz in den Musikschulen und es wird seit Jahren dazu nichts unternommen. Ganz im Gegenteil, seit 2011/12 wurden 3.810 Plätze in den Musikschulen abgebaut und das städtische Angebot an Musikschulen ist weiterhin gesunken. Es wird sogar die Förderung um 15 Prozent zurückgehen, von 647.000 auf 554.000 EUR. Das ist der falsche Weg, denn in einer Musikhauptstadt wie Wien brauchen wir Musikschulen, um die Förderung zu gewährleisten. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Ich darf ein bisschen überziehen, weil ich meine Redezeit gleich mit einrechne. Kommen wir noch zu einem Punkt, den wir noch besprechen wollen, das ist die Wiener Landeshymne. Wien ist das einzige Bundesland ohne eigene Hymne, ohne eigenen identitätsstiftenden Faktor (GR Dr. Kurt Stürzenbecher: Der Donauwalzer! - GR Mag. Manfred Juraczka: Das ist eine Idee! Das ist ein Vorschlag!), und das ist in der Weltstadt der Musik etwas eigenartig.

 

Die erste Landeshymne hat übrigens Kärnten gemacht, und da beginnt das Lied mit: „Dort, wo Tirol an Salzburg grenzt“, das letzte Bundesland bisher war Niederösterreich 1965. Es wäre dieses Jahr ein gutes Jahr - das ist nämlich das 100-Jahr-Jubiläum, wo Wien und Niederösterreich zu eigenständigen Bundesländern erklärt worden sind -, eine eigene Wiener Landeshymne zu kreieren, in Zusammenarbeit mit Wiener Musikerinnen und Musikern dafür ein eigenes Lied zu komponieren, und wir bringen deswegen auch einen entsprechenden Beschlussantrag ein. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Noch drei abschließende Punkte zum Thema Wissenschaft: Wien ist bekannt für seine Psychiatrie: Sigmund Freud, Erwin Ringel, Viktor Frankl, Stephan Rudas, ganz berühmte und international bekannte Psychiater. Es gibt dazu einen Stephan-Rudas-Preis, das ist gut so, weil fundierte Berichterstattung über psychische Erkrankungen gefördert werden soll. Die Medienberichterstattung und die differenzierte, sensible Behandlung dieses Themas sind wichtig, vor allem im Rahmen einer Covid-Krise, wo die psychischen Erkrankungen deutlich gestiegen sind. Dieser Preis ist mit ganz heißen 1.000 EUR Euro dotiert. - Das ist natürlich ein Witz. Für eine wissenschaftliche Förderung sind 1.000 EUR ein Tropfen auf den heißen Stein, und deswegen sind wir dafür, dass dieser Preis deutlich attraktiviert wird, weil auch vor allem Kinder zunehmend psychotherapeutische und psychiatrische Betreuung brauchen und da mehr in den Wissenschaftsbereich investiert werden muss. Wir bringen dazu einen Beschlussantrag ein. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Meine Kollegin Kasia Greco hat gestern schon sehr ausführlich über das Thema Gendermedizin berichtet, auch hier geht es um die Förderung von Studien. Sie wissen, Frauen und Männer sind einfach anders einzuschätzen in der Medizin. Allein, das ist aus meinem Fach, die Erkennung eines Herzinfarkts bei einer Frau ist komplett anders als bei einem Mann, auch der Verlauf ist anders. Auch die Entstehung der Zuckerkrankheit verläuft bei Männern um einiges anders als bei Frauen. Deswegen brauchen wir mehr Grundlagenforschung in der Gendermedizin, um diese epidemiologischen Unterschiede aufzuzeigen und daraus eine Basis für neue Therapieansätze zu erzeugen. Daher ist es wichtig, der Gendermedizin mehr Beachtung zu schenken, und wir fordern deswegen, diese Gendermedizin, in Zusammenarbeit mit der medizinischen Universität Wien, mit einer speziellen Forschungsförderung zu belegen.

 

Als letztes Thema, das hat auch Thomas Weber schon gesagt, gegen Rassismus kann ich alles unterstützen. Wir haben gute Gespräche zum Thema Antisemitismus geführt. Peter Eppinger organisierte am 3. Mai vor der Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich im Ostarrichipark eine Gedenkfeier, wo wir alle 65.000 Namen, die dort eingraviert sind, laut vorgelesen haben, und das war ein sehr berührender Moment.

 

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften veranstaltete 2021 unter dem Titel „Wien als Experimentierfeld für Antisemitismus“ eine beachtliche Ausstellung am Rathausplatz. Der Antisemitismus in Wien ist zunehmend, 585 Vorfälle im Jahr 2020 und 965 antisemitische Vorfälle 2021. Das ist eine Zunahme von 65 Prozent, und diese erschreckenden Zahlen zeigen auf, dass uns dieses Thema wichtig sein sollte.

 

Wir bringen deswegen auch einen Antrag, den wir hoffentlich im Antisemitismus-Arbeitskreis dann behandeln werden, wie wir es besprochen haben, zur Förderung für Literatur zum Thema Antisemitismus ein, weil das notwendig und sinnvoll ist. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Vorsitzende GRin Gabriele Mörk: Die Redezeit waren jetzt insgesamt 13 Minuten, fraktionelle Restredezeit sind 19 Minuten. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Dr. Schmid, ich erteile es ihm. Selbstgewählte Redezeit 9 Minuten.

 

9.49.59

GR Dr. Gerhard Schmid (SPÖ)|: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Vorsitzende! Sehr geschätzte Frau Stadträtin! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, die uns via Livestream begleiten!

 

Erlauben Sie mir, dass ich am Anfang der Debatte ein paar Bemerkungen zu den Grundlagen der Wiener Kulturpolitik an Sie richte. Kulturpolitik in Wien hat einen traditionell sehr, sehr hohen Stellenwert, und wenn wir immer wieder von den verschiedensten Rankings sprechen, die zum Ergebnis haben, dass Wien als lebenswerteste Stadt in unterschiedlichen Disziplinen gesehen wird, dann ist es ja so, dass es einen wirklichen Zusammenhang mit der Kultur und mit dem Kulturangebot in dieser Stadt gibt.

 

Wenn man im Ausland mit Menschen spricht, die Wien ein bisschen kennen, dann ist man sehr geschwind bei den Kultureinrichtungen, aber auch, wenn man mit Managern spricht, die Angebote haben, sich im High

 

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