«  1  »

 

Landtag, 14. Sitzung vom 03.03.2017, Wörtliches Protokoll  -  Seite 8 von 62

 

schäftsführer Meißl darüber gesprochen, dass wir mit Boehringer Ingelheim, die im Hinblick auf das neue Produktionswerk, das in Meidling entsteht - größte Investition seit General Motors, wir sind wirklich sehr, sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, das nach Wien zu holen - top-qualifizierte Leute suchen, jetzt schon kooperieren. Da geht es darum, dass wir, wenn wir von Ihnen angesprochene Menschen haben, die qualifiziert sind, denen aber vielleicht gerade für das, was die brauchen, noch eine Zusatzqualifikation fehlt, entsprechend helfen und eingreifen können.

 

Ich glaube, die beiden Tools sind einerseits das Beratungszentrum - du weißt, wie engagiert und qualifiziert unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind - und, ganz zentral, der Qualifikationspass. Genau das war nämlich gerade bei Zuwanderern sehr oft das Problem, dass nämlich eine hohe Qualifikation vorhanden war, die aber nicht präsent war. Durch den Qualifikationspass wird auch diese, zum Teil versteckte Qualifikation in den Vordergrund geholt. Das ist gut für uns alle, denn wir brauchen sie dringend. Niemand hat etwas davon, wenn der berühmte Chirurg bei uns Taxi fährt, weil man automatisch annimmt, dass er nichts kann, nur weil er Sprachschwierigkeiten hat. Das ist ein Verlust für ihn, aber auch ein Verlust für die Gesellschaft, weil wir ihn als Arzt vielleicht dringend brauchen würden. Das ist also ein ganz zentrales Thema, mit dem wir uns befassen und wo wir sicher weiter noch gemeinsam spezifische Tools entwickeln müssen.

 

Präsident Prof. Harry Kopietz: Danke. Die 3. Zusatzfrage stellt Frau Abg. Schütz. - Bitte, Frau Abgeordnete.

 

9.33.41

Abg. Angela Schütz (FPÖ): Frau Landesrätin!

 

Vielen Dank für die Ausführungen, aber wie Sie wissen, klingt vieles schön und gut und ist natürlich auch richtig, aber die Realität sieht leider in vielen Gebieten anders aus. Sie haben es auch schon angesprochen: Gerade unter Menschen über 50 steigt die Arbeitslosigkeit massiv an, bedingt durch Insolvenzen - das können wir leider auch nicht von der Hand weisen.

 

Wir haben in Wien alleine 170.000 Arbeitslose laut Stand des AMS vom Februar 2017. Davon sind aber nur 30.000 in Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen untergebracht. Wenn man sich den WAFF anschaut, so hat er 2016 - das kann man dem Quartalsbericht entnehmen - für berufliche Entwicklungschancen 7.404 Menschen beraten, gefördert hat er mit Bildungskonto und Chancencheck 9.150 Menschen. Das heißt, auch der WAFF hat irgendwann seine Kapazitätsgrenze, was die finanziellen Mittel und auch die Möglichkeit der Beratungen hat, erreicht. Meine Frage ist jetzt: Was tun wir ganz gezielt, um ältere Arbeitslose, die wir in dieser Stadt jetzt in steigendem Ausmaß haben, und das haben wir erkannt, wieder weiter zusätzlich zu qualifizieren und in Beschäftigung zu bringen?

 

Präsident Prof. Harry Kopietz: Danke. Ich darf ersuchen, vor allen Dingen die Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen hinter den Bankreihen, den Lärmpegel etwas einzudämmen. Es ist ein derartiges Gemurmel, dass manches gar nicht verstanden werden kann.

 

Bitte, Frau Stadträtin.

 

Amtsf. StRin Mag. Renate Brauner: Nur eine kurze Bemerkung: Ich unterstelle es Ihnen nicht, Frau Kollegin, aber die Gelegenheit, dass Sie hier WAFF und AMS angesprochen haben, gibt mir die Chance, etwas sehr deutlich zu machen. Es passiert nämlich manchmal, wenn auch nicht Ihrerseits, dass man da WAFF und AMS gegeneinander ausspielt und sagt: Die machen, die machen! Wir arbeiten exzellent zusammen und haben eine ganz klare Aufgabenteilung. Das ist besprochen, das ist vereinbart: Gewisse Dinge machen wir gemeinsam, gewisse Dinge macht jeder für sich selbst. Das klappt exzellent. Natürlich ist die Hauptaufgabe des AMS, Arbeit zu vermitteln und dafür die Leute natürlich auch oft in Schulungen zu haben. Die von Ihnen angesprochene Zahl ist ja eine sehr hohe, erfreulicherweise. Es wäre ja schade, wenn man sich nicht um die Leute kümmern würde.

 

Was wir beim WAFF tun, habe ich gerade darzustellen versucht. Gerade bei älteren Arbeitslosen ist es so, dass wir, wenn sie noch beschäftigungsfähig sind ... - Und das sind viele davon. Um Himmels Willen, es sind Leute 50 und ein bisschen älter. Dass man da als schwer vermittelbar gilt, halte ich ja für einen Wahnsinn, persönlich und auch politisch. Aber es ist der Fakt, damit muss man sich auseinandersetzen.

 

Auch hier setzen wir mit Qualifikationsmaßnahmen an, genau wie bei allen anderen. Wir haben aber auch spezielle Projekte im Zusammenhang mit sozialökonomischen Betrieben, denn natürlich gibt es auch welche, die Beeinträchtigungen haben. Dabei muss ich leider feststellen, dass es immer mehr psychische Beeinträchtigungen sind. Oft sind es Leute, die aus dem Burn-out kommen oder sonst in irgendeiner Art und Weise sich mit dem Leben schwer tun. Dann haben wir jetzt schon Maßnahmen seitens des AMS, wo Einstellung von älteren Arbeitslosen gefördert wird. Auch da arbeiten wir gut zusammen, und diese Maßnahme, wo eben die Einstellung von älteren Arbeitslosen gefördert wird seitens des AMS, wird eben jetzt stark ausgebaut durch diese Aktion 20.000 der Bundesregierung, von der ich mir, wie schon vorher gesagt, sehr viel erhoffe.

 

Präsident Prof. Harry Kopietz: Danke. Die 4. und letzte Zusatzfrage stellt Frau Abg. Mag. Jischa. - Bitte, Frau Abgeordnete.

 

9.37.32

Abg. Mag. Birgit Jischa (SPÖ): Danke. Schönen guten Morgen!

 

Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung. Eine Frage drängt sich jetzt noch auf. Die Zielgruppe jener Personen, die schlecht qualifiziert sind, ist besonders schwer zu erreichen, wie auch Sie, sehr geehrte Frau Landesrätin, immer wieder betonen. Wie begegnet die Stadt Wien diesem Problem?

 

Präsident Prof. Harry Kopietz: Frau Stadträtin.

 

Amtsf. StRin Mag. Renate Brauner: Absolut richtig. Gerade die Gruppe, die es am dringendsten braucht, ist am schwersten zu erreichen, weil sie nun mal meistens nicht sehr viel lesen, und wenn, dann nur spezielle Medien. Deswegen gehen wir zu den Menschen hin. Wir warten nicht darauf, dass sie zu uns kommen, sondern wir gehen gerade zu denen, die eben am schwersten zu

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular