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Gemeinderat, 37. Sitzung vom 26.04.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 10 von 46

 

Nehmen wir ein konkretes Beispiel, nämlich den Ring-Rund-Radweg, der auf alle Fälle in der ursprünglichen Führung überlastet ist, weil er nun einmal nicht nur von Hunderttausenden von Menschen benutzt wird. Im vergangenen Jahr mussten alleine weit über eine Million Menschen mit dem Rad den Radweg benutzen, weil sie ja darauf angewiesen sind, dazu kamen natürlich Millionen von Fußgängerinnen und Fußgängern, die in der warmen Jahreszeit genauso diesen Radweg benutzen.

 

Wir haben nun eine zweite Bahn entstehen lassen, um hier die notwendige Entschärfung der Situation zu erreichen. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass dies ein Ort wäre – wobei Achtung: Hier ist eine entsprechende Überprüfung durch die Magistratsabteilung 46 abzuwarten, damit wir eben wissen, inwieweit es klug und sinnvoll ist. Und ich wiederhole auch an dieser Stelle, dies ist keine Ankündigung von mir, auch keine Festlegung, ich werde mich selbstverständlich daran orientieren, was die Magistratsabteilung 46 hier empfiehlt.

 

Aber, hier wäre es eine idealtypische Situation, wo man sagt, wir haben es hier mit einer groben Überlastung zu tun, es macht Sinn, die Radwege für diejenigen zu belassen, die mit dem Rad unsicher unterwegs sind, die langsamer unterwegs sind – das sind meistens Radneueinsteiger oder darüber hinaus zum Beispiel ältere Menschen, die oft jetzt vor allem mit den E-Bikes beginnen, wieder Rad zu fahren, und sich natürlich jetzt sehr schwer tun, im fließenden Verkehr zu fahren –, und dann dennoch zu erlauben, dass diejenigen, die sehr schnell unterwegs sind, dennoch auch die Fahrbahn benutzen dürfen.

 

Darum geht es. Ich bin überzeugt davon, dass abseits der taktilen Leitsysteme und sonstiger technischer Maßnahmen, die es hier braucht, um das Zusammenleben von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern zu erleichtern, eine Entlastung von gemischt genutzten Zonen, wo wir Fußgänger und gleichzeitig Radfahrer haben, von zentraler Bedeutung ist. Denn hier kommt es häufig zu Konflikten, und es ist natürlich im Sinne der Erhöhung der Sicherheit beider Gruppen, eine Entflechtung dieser zwei Verkehrsströme zu erreichen.

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Danke. – Die nächste Zusatzfrage stellt GR Dipl-Ing Stiftner. – Bitte.

 

9.44.26

GR Dipl-Ing Roman Stiftner (ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien): Frau Stadträtin!

 

Nach Ihrer letzten Aussage gehe ich jetzt davon aus, dass Sie politisch sehr gerne möglichst sehr viele Fahrradwege von der Benützungspflicht aufgehoben haben wollen und damit auch in eine Richtung lenken wollen, die natürlich Ihrer politischen Anschauung entspricht, eine Verkehrsgruppe in Wien ganz besonders zu bevorzugen.

 

Meine Frage aber richtet sich auch an Ihre Verantwortlichkeit für die Ressourcen, letztendlich des Wiener Budgets. Wenn wir jetzt Ihrem Gedankengang folgen und sagen, wir heben die Benützungspflicht möglichst großflächig auf, so wie Sie das machen wollen, dann stellt sich schon die Frage, warum wir dann zusätzlich noch Fahrradwege einbauen. Wenn ich sie dann nicht benutzen muss, ist es doch eigentlich dem Steuerzahler schwer zumutbar, sie auf der einen Seite zu bauen, und auf der anderen Seite gleichzeitig zu sagen, benutzen muss sie der Verkehrsteilnehmer nicht. Auch ein Gehweg ist beispielsweise für den Fußgänger verpflichtend zu benutzen, der kann auch nicht auf der Straße gehen, denn man hat ja eine gewisse Ordnung im System.

 

Daher meine Frage an Sie – auch wissend, und gerade Sie haben das mehrfach gesagt, dass das Wiener Budget sehr eng ist und wir viele Menschen auch mit Sozialprojekten möglichst wohlwollend ausstatten wollen –, ist es nicht eine bessere Idee, einfach in den schwächer befahrenen Straßen auf Fahrradwege zu verzichten und die bestehende Fahrbahn zu verwenden, weil ja ohnehin dann sonst ein neuer Radweg nicht benutzt werden müsste?

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Frau Vizebürgermeister.

 

VBgmin Mag Maria Vassilakou: Sehr geehrter Herr Gemeinderat!

 

Radwege braucht es zusätzlich, damit auch Ihr Kind eines Tages sicher zur Schule kommen kann mit dem Rad. Darum geht es. Radwege braucht es nicht für Menschen, die seit 20 Jahren jeden Tag mit dem Rad unterwegs sind und die natürlich auch mit einer Selbstverständlichkeit die Fahrbahn benutzen können, weil sie auf ihrem Rad teilweise Spiegel montiert haben, weil sie gelernt haben, zu erkennen, ob ein Auto kommt, weil sie gelernt haben, gut einzuschätzen, mit welcher Geschwindigkeit sich das Auto nähert, weil sie gelernt haben, einfach all das zu tun, um die Straße sicher benutzen zu können. Noch einmal, Radwege braucht es ganz besonders für Kinder, und wir wollen, dass Kinder sich in der Stadt bewegen können. Radfahren macht auch Spaß. Wir wollen, dass Kinder möglichst früh beginnen, Rad zu fahren, weil sie dann ja auch später als Erwachsene sichere Rad fahrende Erwachsene sein werden. Wir wollen hier auch ermöglichen, dass ältere Menschen, die Lust haben und für die es auch gut ist, sich zu bewegen, sich aufs Rad schwingen können. Und wir wollen darüber hinaus allen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer sich auf dem Rad nicht wohl, nicht sicher fühlen, wenn sie mit dem Auto die knappe Fahrbahn teilen müssen, die Möglichkeit geben, dieses Sicherheitsgefühl beim Radfahren zu haben.

 

Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Radwege weiterhin regest genutzt werden. Aber es geht um jene Radler, von denen wir jetzt schon alle wissen, dass sie zu schnell unterwegs sind für die Radwege, weil sie zu geübt sind – wo es teilweise auch zu Gefährdungssituationen kommt –, die aber aktuell dazu gezwungen sind, diese Radwege zu benutzen, weil es ihnen nicht gestattet ist, wenn es einen Radweg gibt, auf der Fahrbahn zu fahren. Es geht genau darum, diese zu entflechten und ihnen die Möglichkeit zu geben, einfach viel flotter voranzukommen. Ich glaube, dass es gut für die Verkehrssicherheit aller ist. Und wenn man bedenkt, dass ein geübter Radfahrer im Straßenverkehr ja auch eine ordentliche Geschwindigkeit erreichen kann, ist es auch im Sinne einer sinnvollen Verkehrspolitik – die bedeutet, dass man flüssig vorankommt, aber nicht

 

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